27.03.19

Die Bucht, die im Mondlicht versank | Lucy Clarke





Als Jacob sich von seiner Mutter Sarah verabschiedet, um zu einer Strandparty zu gehen, ist alles wie immer. Am nächsten Morgen ist nichts mehr, wie es war: Jacob ist verschwunden. Vor genau sieben Jahren verschwand auch Marley an diesem Strand, der Sohn von Sarahs bester Freundin Isla. Später wurde er tot geborgen. Verzweifelt sucht Sarah nach Spuren und stößt dabei auf viele Fragen: Wo war ihr Mann in der Nacht, als Jacob verschwand? Warum sind Jacobs Klamotten in Islas Haus? Und was verschweigt der Fischer, der damals Marleys Leiche fand? Stück für Stück setzt sich ein Bild der Ereignisse zusammen, das Sarah dazu zwingt, sich endlich einer Wahrheit zu stellen, vor der sie so viele Jahre lang die Augen verschlossen hat.
(Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


"Die Bucht, die im Mondlicht versank" hat mich so unglaublich mitgerissen, dass ich fast der Versuchung erlegen wäre die letzten Seiten zu lesen, nur um herauszufinden was tatsächlich mit Jacob, der von einem Moment auf den anderen - scheinbar spurlos - verschwunden ist. Zum Glück habe ich es nicht getan, denn mir wäre dieses feine Spiel, das Lucy Clarke mit ihren Leserinnen und Lesern treibt, entgangen.

Wenn ich nach einem Buch suche, das fesselt, das in die Tiefen der menschlichen Psyche eindringt und dabei leicht und flüssig zu lesen ist, ist Lucy Clarke für mich einer DER Namen. Bisher hat sie mich noch mit keinem ihrer Romane enttäuscht. 

Vor 7 Jahren ertrank der 10-jährige Marley, heute, auf den Tag genau, verschwindet der 17-jährige Jacob. Marley und Jacob sind wie Brüder aufgewachsen, ihre Mütter Sarah und Isla sind seit Jahren beste Freundinnen. Bis zu diesem Sommer, der alles veränderte. 

Von Abschnitt zu Abschnitt führt uns Lucy Clarke an die Geschichte der beiden Frauen heran. Bringt uns die Abgründe, die hellen wie dunklen Seiten von Freundschaft und Familie näher. Lässt glauben, hoffen und verzweifeln. Welche kleinen Nuancen sind es, die einen Stein ins Rollen bringen, so dass er ein Leben grundlegend ins Wanken bringen kann? Wie schwer wiegt eine Unwahrheit? Wie schwer Neid? Wie schwer Vertrauen?

Immer dann, wenn ich glaube die Figuren zu kennen, belehrt mich Clarke eines besseren. Immer dann, wenn ich dachte zu wissen, was mit Jacob passiert ist, bin ich wieder in eine Falle getappt. Ich kann mich identifizieren mit den Gefühlen der beiden Mütter. Die Liebe zum eigenen Kind ist etwas so großes, ungreifbares und der Gedanke ein Kind zu verlieren, lässt mich erschaudern. Wie weit würde ich selbst gehen? Eine Frage, die mich beim Lesen umtrieb.

Aber "Die Bucht, die im Mondlicht versank" ist nicht nur für Eltern spannend. Es ist ein Roman für Alle, die sich mit Zwischenmenschlichem auseinandersetzen wollen. Mit Beziehungen, deren Schwierigkeiten und dem Weg des Schicksals. Was wäre wenn... ist eine Frage, mit der sich Sarah und Isla, die im Roman abwechselnd zu Wort kommen, immer wieder auseinandersetzen müssen.




Buchinfo:

Piper (2017)
416 Seiten
Klappenbroschur
15,00 €
ÜBERSETZUNG: Claudia Franz



Rezensionen: 2019, © Nanni Eppner

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