02.05.21

Monatsrückblick | April 2021



Geht es dir auch so, dass du am Ende des Monats schon nicht mehr weißt, was du alles gemacht hast?

Lässt du den Monat in irgendeiner Form Revue passieren? Nutzt du ein Tagebuch oder Journal?

Ich schreibe sporadisch in mein Dankbarkeitstagebuch. Das möchte ich eigentlich wieder regelmäßig nutzen, um mir die guten Dinge des Tages bewusst zu machen und nicht mit dem Fokus auf den miesen Minuten (mehr ist es ja meistens auch nicht) einzuschlafen. 

Das Dankbarkeitstagebuch war auch Thema in meinem ersten Resilienzworkshop, der sehr gut gelaufen ist. Im Nachhinein sehe ich für mich natürlich noch ein paar Dinge, die ich ändern möchte, aber das Feedback der Teilnehmerinnen war sehr positiv und hat mich ermutigt weiter in diesem Thema voranzuschreiten. Aktuell macht mir Corona da mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Mal schauen, wie sich das entwickeln wird.




Der April war ein Monat des Machens. Des Kreieren und Schaffens. Ich habe viele Ideen gesammelt und ausgearbeitet, bezüglich meiner Fortbildung, aber auch meinen Job als Trainerin betreffend. Im und ums Haus wurde viel gerödelt, der Garten in Ordnung gebracht (wobei ich da noch längst nicht fertig bin) und mit der ersten Ernte gekocht und gebacken. 

Zum Lesen bin ich nicht so häufig gekommen, aber trotzdem habe ich ziemlich viele Seiten geschafft und richtig gute Bücher gelesen, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. 

Wie war dein Lesemonat April?




April:

24) "Mädchen, Frau, etc." | Bernardine Evaristo | Ü: Tanja Handels | Klett-Cotta Tropen
25) "Roofer" | Jutta Wilke | Coppenrath
26) "Piccola Sicilia" | Daniel Speck | S. Fischerverlage
27) "Nordblut 1" | Mira Valentin 





Evaristo, die für ihren Roman als erste Schwarze Autorin mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde, skizziert in "Mädchen, Frau, etc" verschiedene Lebenswege unterschiedlicher Frauen auf brutal ehrliche Weise. In offenen Worten und einem sehr eigensinnigem Schreibstil, der ganz ohne Kommata auskommt und in ein Prosohaftes Layout gedruckt wurde, drückt sie das aus, was Frauen, und ganz besonders Schwarzen Frauen, widerfährt. Trotz der Ernsthaftigkeit ihrer Themen schreibt sie in einer Leichtigkeit, die zu unterhaltsamem und flüssigem Lesen führt.




Mit "Roofer" habe ich seit langem mal wieder ein richtig gutes, sehr intensives und tiefgründiges Jugendbuch gelesen, das so viele Themen vereint und viel Identifikationspotential und Positives für Jugendliche bietet, die sich gerade in einer Krise, z.B. ausgelöst durch die Wandlung der Pubertät befinden. Es ist aber kein Coming-of-Age Roman. Wilke greift Themen wie Obdachlosigkeit auf, psychische Belastung durch häusliche Machtstrukturen und Verlust von Bezugspersonen. Große Leseempfehlung!

Anfang April bekam ich "Jaffa Road" von der Agentur ehrlich&anders zugesandt und dachte es ist ein guter Einstieg in die Romane von Daniel Speck. Bis ich bemerkte, dass "Piccola Sicilia" chronologisch davor spielt. Also legte ich es nach 100 Seiten weg und las zuerst "Piccola Sicilia", weil mich die Schreibe des Autors sofort packen konnte. Es ist ein Roman über die familiären Brüche und Vernetzungen, die durch den zweiten Weltkrieg entstanden und zeichnet ein informatives Bild der jüdischen Gemeinschaft in Tunis 1942. Eingefasst in eine spannende Geschichte, die sehr mitreissend und in schöner Sprache erzählt wird.




"Nordblut" ist der spannende Auftakt einer Trilogie, diedrei Backlist Titel in und um Island spielt und von den Mythen und Sagen des Nordens beeinflusst wird. Ich bin beeindruckt wie gut die Autorin sich mit der nordischen Mythologie und den alten Religionen auskennt. Valentin schafft eine sehr mystische Atmosphäre und teasert immer wieder mit kleinen Häppchen, die Vorahnungen wachsen lassen, aber gleichzeitig eine Verzweiflung, weil ich nicht möchte, dass das eintritt. Damit konnte sie mich sehr fesseln und ich möchte unbedingt auch Band 2 und 3 lesen.




Auf dem Blog war es im letzten Monat still, aber ich habe mir wieder drei Backlist Titel ausgesucht, die ich in den nächsten Wochen lesen möchte und zeige dir meine neuen Bücher. Geht es dir auch so, dass du insbesondere dann gerne neue Bücher kaufst, wenn du gerade kaum Lesezeit zur Verfügung hast?




Im April:

...konnte ich den ersten Bärlauch ernten...


...und leckere Lebensmittel damit zubereiten. Wie z.B. Pesto,
Bandnudeln, Bärlauchbutter, Risotto oder Bärlauchbrot.

...haben die Kinder viel im Wald gespielt...


...und wir waren endlich mal wieder im Wildpark.

...haben bei Schneeregen draußen gekocht...

...und uns mit warmem Linseneintopf unter den Sonnenschirm gekuschelt.
 

...hatten wir Besuch von zwei verfressenen Eichhörnchen (und nächstes Jahr vermutlich ziemlich viele Walnußbäume im Garten)

...hat das Räubermädchen beschlossen nur noch Ponys zu reiten...


...und fleißig den Löwenzahn gegossen. Er wächst und gedeiht...


...haben wir viel Zeit draußen verbracht...


...und uns sehr über den Frühling gefreut.

...das größte Highlight im Mai war die Geburt des
Ponyfohlens einer Freundin. Ich durfte die Geburt 
begleiten und unterstützen. Ein wunderschöner
Moment ❤️

Wie war dein April? Genieße den Mai. Er ist einer der schönsten Monate des Jahres und ich mag ihn so sehr. Hab es fein und bleib gesund.

28.04.21

Backlist lesen | April 2021





Ich muss ja gestehen, dass ich noch ein März Buch übrig habe, weil ich in den letzten Wochen zu wenig Lesezeit hatte. Da ich aber durch das Backlist lesen in diesem Jahr schon einige gute Bücher entdecken konnte, habe ich mir auch im April wieder drei Romane rausgesucht, die ich in den nächsten Wochen lesen möchte.


"Unterleuten" | Juli Zeh

Im Regal, weil...

...ich irgendwann als junge Erwachsene "Spieltrieb" gelesen und sehr gemocht habe und seitdem gerne Bücher von Juli Zeh lese

Handelt von...

...einem Dorf irgendwo in Brandenburg. "Unterleuten" wird als Gesellschaftsroman des 21. Jahrhunderts bezeichnet.

Möchte ich lesen, weil...

...mir aktuell ständig Juli Zehs neuster Roman "Über Menschen" in den sozialen Medien begegnet und mich wieder neugierig auf das Buch macht, das in meinem Regal steht.




"Witchmark. Die Spur der Toten" | C.L. Polk (Übersetzung: Michelle Gyo)

 Im Regal, weil...

... es mir irgendwann mal überraschend zugesandt wurde.

Handelt von...

"Miles Singer ist Arzt und er ist auf der Flucht vor seiner Vergangenheit. Eines Tages wird er zu einem Notfall gerufen. Als Miles den Sterbenden untersucht, stellt er mit Erschrecken fest, dass dieser die Aura einer Hexe hat. Aber noch schlimmer, der Vergiftete hat erkannt, dass auch Miles das Hexenmal trägt." (Quelle: Klett-Cotta)

Möchte ich lesen, weil...

...das Buch den World Fantasy Award 2019 gewann und deshalb eine gute Geschichte drinstecken könnte.




"Wer ist Edward Moon?" | Sarah Crossan (Übersetzung: Cordula Setsmann)

 Im Regal, weil...

...ich es im Rahmen des Indiebookday kaufte.

Handelt von...

...zwei Brüdern, von denen einer in der Todeszelle sitzt. Am Tag der Hinrichtung von Edward, fährt sein Bruder Joe ins Gefängnis, um ihn dort zu besuchen.

Möchte ich lesen, weil...

...Sarah Crossan einfach immer sehr, sehr gute, tiefgründige und bewegende Bücher schreibt.



27.04.21

Mädchen, Frau, etc | Barnardine Evaristo




Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben.

Auch wenn die Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten in Bernardine Evaristos Mädchen, Frau etc. sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen stehen niemals nur für sich, sie alle erzählen von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden.
(Text & Cover: © Klett Cotta; Foto: © N. Eppner)


Wenn ich nur einen Roman empfehlen könnte, den jeder Mensch, egal welchen Alters oder Geschlechts, lesen sollte, dann wäre es "Mädchen, Frau, etc."

Evaristo, die für ihren Roman als erste Schwarze Autorin mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde, skizziert in "Mädchen, Frau, etc" verschiedene Lebenswege unterschiedlicher Frauen auf brutal ehrliche Weise. In offenen Worten und einem sehr eigensinnigem Schreibstil, der ganz ohne Kommata auskommt und in ein Prosohaftes Layout gedruckt wurde, drückt sie das aus, was Frauen, und ganz besonders Schwarzen Frauen, widerfährt.

Wir Frauen werden alle - und ja, das kann leider tatsächlich so verallgemeinert werden - mindestens einmal in unserem Leben Opfer der patriarchischen Gesellschaft. Sei es, indem wir durch veraltete Rollenbilder unter Druck gesetzt, in eine Opferrolle gedrängt oder nicht ernst genommen werden, sei es durch sexuelle Belästigung oder Missbrauch oder Diskriminierung. Evaristos Charaktere sind fast ausschließlich Schwarz. Sind einem nicht enden wollenden Rassismus ausgesetzt, der sich in kleinen Dingen des Alltags ebenso zeigt wie in offensichtlicher Diskriminierung. Ihre Geschichten reichen weit in die Vergangenheit und verbildlichen wie lächerlich lange an Denkmustern festgehalten wird.

Der Roman ist in verschiedene Abschnitte gegliedert. Jede weiblich genannte Figur hat ihre eigene Geschichte, die aber alle irgendwie irgendwo miteinander verknüpft sind. Menschen, die trotz vieler Risikofaktoren wie Gewalt, Diskriminierung, etc. , Resilienz aufbauen, ihrem Schicksal, ihren Neidern, ihren Widrigkeiten entgegen treten und ihr Leben selbstbestimmt in neue Bahnen lenken.

Ich glaube, ich habe lange keinen Roman mit solch einer Aufmerksamkeit, solch einer Genauigkeit gelesen. Obwohl mir viele der angesprochenen Themen bewusst sind, hat es mich immer wieder schockiert, womit wir als Frau, und ganz besonders als Schwarze Frau, kämpfen müssen, einzig, um einen ganz normalen Alltag führen zu können. 

Ganz besonders wünsche ich mir, dass das Buch von den Männern gelesen wird, denen keinesfalls bewusst ist, was unsere Lebenswege so sehr unterscheidet und dass sie sich maßgeblich an Veränderung beteiligen müssen. Aber auch von Frauen, um ihnen zu zeigen, dass es Alltag vieler Frauen ist und genau deshalb nicht so bleiben darf. Dass es eine Möglichkeit zur Veränderung gibt. Um das Bewusstsein zu schärfen, um Frauen sichtbar zu machen, bedarf es Bücher wie "Mädchen, Frau, etc.". Große Leseempfehlung!

Buchinfo:

Klett-Cotta Tropen (2021)
Hardcover 25,00 €
512 Seiten
Originaltitel: Women, Girl, other
Übersetzung: Tanja Handels


Rezensionen: © 2021, Nanni Eppner

23.04.21

23. April | Welttag des Buches





Bücher sind für mich absolut notwendig. (Über) Lebensgrundlage.

Kann ich 2, 3 Tage hintereinander nicht lesen, werde ich übellaunig. Geradezu ungenießbar.

Beim Lesen kann ich verschwinden, durchatmen, Energie tanken.

Beim Lesen kann ich mich mit der Realität auseinander setzen, lernen, wachsen.

Lesen ist eine Bereicherung. Fördert Empathie und Verständnis. Hilft gegen das Vergessen und klärt auf.

Lesen macht glücklich.


21.04.21

Neue Bücher | April 2021

 



Am Montag hatte mein Mann einen Arzttermin, für den er meine Fahrdienste benötigte. Die Stunde Wartezeit konnte ich gut in der Buchhandlung überbrücken, in der ich erst kürzlich eingeschlossen war. Der Laden war - bis auf die Verkäuferinnen - Menschenleer, die Kinder in Betreuung. Ich sag dir, es war eine Stunde der absoluten Achtsamkeit. Ruhe. Bücher. Hach.
Welche Bücher ich kaufte und welche in den letzten Wochen außerdem den Weg zu mir gefunden haben, siehst du auf dem Foto.
Kennst du eins der Bücher? Hast es schon gelesen oder auf deiner Wunschliste/ SuB?

"Scarlett & Browne 01: Die Outlaws" | Jonathan Stroud (Übersetzung: Katharina Orgaß & Gerald Jung)
Da ich die "Lockwood & Co" Reihe von Stroud so sehr mochte, war die Freude riesig, als ich entdeckte, dass es was Neues vom britischen Autor gibt. Diesmal ein Abenteuer, das ein wenig nach wildem Westen klingt, aber im wilden England spielt. In der Hauptrolle die 17-jährige Scarlett und der 15-jährige Albert.

"Kim Jiyoung, geboren 1982" | Cho Nam-Joo (Übersetzung: Ki-Hyang Lee)
Mit der Kim Jiyoung deckt Autorin Cho Nam-Joo auf, welcher Kontrolle koreanische Frauen durch männliche Systeme und Personen ausgesetzt sind. Gleichzeitig erzählt sie von der Alltagsmysogonie, der alle Frauen ausgesetzt sind. Das Buch hat in Korea Massenproteste ausgelöst.

"Frei und unverbogen" | Susanne Mierau
"Frei und unverbogen - Kinder ohne Druck begleiten" ist der neue Erziehungsratgeber von Pädagoogin Susanne Mierau, mit der ich nicht immer zu hundert Prozent übereinstimme, die aber immer wieder gute Denkanstöße liefert.

Was wäre die wärmere Jahreszeit ohne Gabriella Engelmann? Ich mag ihre Romane, die immer tiefere Gedanken auslösen, aber mit einer Leichtigkeit erzählt werden, wie sie perfekt in Frühling und Sommer passt.

"Der große Sommer" | Ewald Arenz
"Der erste Sprung, die erste Liebe, das erste Unglück" (Dumont)
"Alte Sorten" war eins meiner Highlights 2020. So toll geschrieben, so ergreifend, so treffend, dass für mich absolut klar war, dass ich auch "Der große Sommer" lesen werde. 

"Der Wind singt uns ein Lied" | Meike Werkmeister
Auch ein Wiederholungstäter. Meike Werkmeisters Romane sind absolute Wohlfühlbücher. Klar, dass ich auch ihr neustes Werk, in dem es um Toni geht, die ich schon in "Über dem Meer tanzt das Licht" kennen lernen durfte, lesen möchte.

"Fit aufs Pferd" | Iris Charles
Körperliche Fitness ist wichtig für mich, um meinen Körper gesund zu erhalten. Ich möchte gerne gezielt auf eine bessere reiterliche Fitness hinarbeiten und lese deshalb regelmäßig auf dem Instagramaccount von Iris Charles. Die Tipps aus ihrem Buch möchte ich gerne in unseren Kursen einsetzen.

"Marilu" | Tania Witte
Tania Witte zählt zu den Autorinnen, deren Texte ich verschlinge, weil sie einfach so eine kluge Frau ist, sehr besonders schreibt und auch handwerklich einfach so, so gut ist. "Marilu" wird als "emotionaler Roman über die Kunst das Leben zu lieben, wenn es am schwierigsten ist" beschrieben (Quelle: Arena Verlag). Ich freue mich so sehr aufs Lesen.

"Unsichtbare Frauen" | Caroline Criado - Perez (Übersetzung: Stephanie Sing)
Auf dieses Buch bin ich durch Instagram aufmerksam geworden. Criado - Perez legt die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Mir war bisher nicht bekannt, dass Frauen bei Tests und Statistiken ungleich behandelt werden. Umso wichtiger, dass es Bücher wie dieses gibt, die für Aufklärung sorgen.

"Die Träume der Bienen" | Patricia Koelle
Eigentlich hat mich ein Buch ja schon, wenn im Titel das Wort Bienen vorkommt. Im Fall von "Die Träume der Bienen" handelt es sich aber um den dritten Teil der Inselgärten - Reihe, die mit Verbundenheit zur Natur, tollen Frauen, die ihren Weg gehen und mehr Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse zu überzeugen weiß.

"Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" | Alena Schröder
Der wohl komplexeste Titel des Jahres. Da meine Freundin Sarah so toll die Buchpremiere der Autorin moderiert hat, dass ich so richtig Lust auf das Buch bekommen habe, musste es bei mir einziehen. Die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit ruht und in den 20er Jahren spielt, sollte genau meinen Geschmack treffen.

08.04.21

Das Gestüt am See 01. Stürmische Jahre | Paula Mattis





Die große Familiensaga von Paula Mattis vor dem Hintergrund eines Gestüts an der deutschen Ostsee von einer ausgewiesenen Pferde- und Reitsportkennerin Norddeutschland in den 20er Jahren. 
Auf ihrem Gestüt am See nahe der Ostsee züchtet Carl von Edzards höchst erfolgreich Vollblüter für die Rennbahn.
Seine große Liebe zu den Pferden hat er vor allem an seine Tochter Charlotte vererbt, die davon träumt, das Werk ihres Vaters eines Tages weiterzuführen. Doch solche Wünsche schicken sich nicht für eine Tochter aus gutem Haus, stattdessen soll Sohn Hans später einmal das Gestüt übernehmen. Für Charlotte jedoch hat ihre Mutter eine gute Partie im Auge: Richard, den einzigen Sohn einer angesehenen und reichen Reederfamilie. Charlotte findet ihn höchst unsympathisch, sie beschäftigt nur noch ein Gedanke: Wie kann sie einer Ehe mit dem ungeliebten Mann doch noch entgehen? Wie kann sie ihren Traum von einem Leben mit den Pferden doch noch verwirklichen?
Da erfährt sie eher durch Zufall den Grund, warum ihre Eltern so nachdrücklich auf dieser Ehe bestehen …
(Text & Cover: © Droemer Knaur; Foto: © N. Eppner)


War das ein schöner, aber auch sehr emotionaler Ausflug in die Vergangenheit. 

Charlotte von Edzards ist eine junge Frau, die sich den Konventionen ihrer Zeit widersetzt. Statt wie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erwünscht, Tischmanieren, Sticken und Musizieren einzuüben, verbringt sie ihre Zeit lieber in den Ställen des Gestüts ihres Vaters Carl von Edzards. Pferde sind ihre große Leidenschaft und das Reiten ihr liebster Zeitvertreib. Insbesondere die Mutter sieht das gar nicht gern und ermahnt Charlotte immer wieder dazu einen angemessenen (gut situierten) Mann zu heiraten. 
Als das Gestüt in finanzielle Engpässe gerät, scheint die Heirat mit dem Reederssohn Richard die einzige Lösung. Eine Zweckehe, ohne Liebe.

Einzig Hans, Charlottes Bruder, hat Verständnis für die Pferdeliebe seiner Schwester. Obwohl er selbst zu ängstlich ist, um Rennen zu reiten, erkennt er doch Charlottes Talent im Umgang mit den sensiblen Vollblütern und nimmt ihre Wünsche ernst. Doch gegen den Vater kann auch er sich nicht durchsetzen. Charlotte und Hans werden dazu gedrängt entgegen ihrer Vorstellungen zu handeln, ihre Bedürfnisse und Ängste werden ignoriert und so folgt ein Unglück dem anderen.

Paula Mattis (Pseudonym) hat mich mit ihrer Geschichte genau da abgeholt, wo ich am liebsten bin: in der Gesellschaft von Pferden. Die Autorin ist selbst erfahrene Pferdefrau und bringt ihr fachliches Wissen in den Roman mit ein, was die Darstellung der Gestütsszenen so authentisch und realistisch werden lässt, dass ich das Gefühl habe, tatsächlich in der Zeit gereist zu sein. Da man dort mein reiterliches Vermögen ebenso wenig geschätzt hätte, wie Charlottes, bleibe ich lieber in der Gegenwart. Trotz allem Wissens über das beginnende letzte Jahrhundert, trifft es mich immer wieder wie wenig Rechte Frauen in dieser Zeit hatten. Wie wenig sie wert waren. Auch Charlotte ist Mittel zum Zweck, um das zu retten, was der Vater in den Sand gesetzt hat. Teilweise fahrlässig mit der Überheblichkeit, die ihm als Patriarch der Familie zugeteilt wurde. 

Der Auftakt der "Das Gestüt am See" Trilogie ist für mich beste Unterhaltung. Dramatik, Liebe, Emotionen - eingebettet in das Setting eines interessanten und sehr aufrührenden Zeitalters, das immer wieder viele Gedanken in mir aufrüttelt. Gerade was die Rechte von Frauen betrifft.

Paula Mattis hat mich mit "Stürmische Jahre" in einen emotionalen Orkan gezogen. Die letzten Seiten des Romans habe ich fast ausschließlich mit Tränen in den Augen verbracht. Zuerst vor Kummer, um all jene, denen sehr übel zugesetzt wird (Mattis ist nicht gerade zimperlich mit ihren Figuren), und dann vor Rührung. Ich freue mich so sehr auf die Fortsetzung "Zeit der Hoffnung", die nach Angaben der Autorin mein Herz wohl wieder zerreißen wird.


Buchinfo:

Droemer Knaur (2020)
368 Seiten
Taschenbuch 9,99 €


Rezensionen: © 2021, Nanni Eppner

05.04.21

Frohe Ostern


Ich wünsche dir fröhliche und entspannte Ostern.

Ich wünsche dir, dass du, trotz der Einschränkungen, deine freien Tage genießen und Kraft und Energie tanken kannst.

Hab's fein.