28.09.20

[Lesechallenge: Ende gut - Alles gut] Begonnene Reihen, die ich beenden möchte




Im Beitrag zur Organisation der Ende gut - Alles gut Lesechallenge habe ich es bereits geschrieben: in meinen Regalen befinden sich 32(!!!) begonnene Reihen. Warum habe ich die nicht beendet? Scheinbar mochte ich sie gern, denn sonst wären sie direkt rausgeflogen. 

Die meisten angebrochenen Reihen stehen im Fantasyregal und ich muss gestehen, dass ich vom ein oder anderen Auftaktband nicht mehr so genau den Inhalt kenne. Da muss ich mal schauen, ob ich die Bücher vielleicht als Hörbuch hören kann, um mein Gedächtnis aufzufrischen oder ob ich das ein oder andere Buch re-reade. Vielleicht hilft das meinen Erinnerungen auf die Sprünge.

Im Bereich der Belletristik (kein Krimi) werden nur wenige Reihen veröffentlicht, daher stehen in meinem Regal auch nur sehr wenige begonnene Reihen. Im Kinder- und Jugendbuchgenre sieht es schon wieder anders aus, aber da bin ich mit meinem SuB ziemlich up to Date.

Ich werde nicht alle begonnenen Reihen im Rahmen der Challenge beenden, aber ein paar habe ich mir rausgesucht. Die möchte ich dir hier vorstellen.

Die Clifton Saga | Jeffrey Archer | 7 Bände | gelesen bis Band 1

Die Clifton Saga steht schon sehr lange in meinem Regal. Bis vor kurzem fünf Bände, für die Challenge habe ich mir die beiden fehlenden Bücher via Medimops besorgt. Die Saga, die das Schicksal zweier Familien beschreibt, die durch Geheimnisse und verborgene Wahrheiten miteinander verbunden sind, entführt in das beginnende 20. Jahrhundert. Eine Zeit, in die ich literarisch sehr gerne reise und somit ist es kein Wunder, dass mich Band 1 fesseln und begeistern konnte. Da ich schon lange plane die Reihe weiter zu lesen, habe ich "Spiel der Zeit" schon vor einigen Monaten als Hörbuch gehört, um mein Gedächtnis aufzufrischen. Ich glaube, das mir die Geschichte noch so präsent ist, dass ich gut wieder reinkommen werde.




Gut Greifenau | Hanna Caspian | 5 Bände | gelesen bis einschl. Band 3

Auch die Gut Greifenau Romane reisen in das beginnende 20. Jahrhundert. Alle drei Bücher sind sehr spannend und konnten mich damit begeistern, dass die politischen und sozialen Missstände dieser Zeit sehr authentisch eingearbeitet wurden. Die Bücher bauen richtig gut aufeinander auf und die Spannung steigt von Buch zu Buch. Band 3 beendete ich im Frühjahr 2020, so dass mir Protagonist*innen und Handlung noch sehr präsent sind.


Die kleine Sommerküche am Meer | Jenny Colgan | 3 Bände | gelesen bis einschl. Band 2

Jenny Colgan schreibt Wohlfühlromane mit einem Setting, das nach Urlaub schreibt. In "Die kleine Sommerküche am Meer" nimmt sie uns mit nach Schottland. Dort begegnen wir einer Familie, in der es kleine Geheimnisse und Streitigkeiten, aber auch viel Zusammenhalt gibt und einem stoischen kleinen Ort mit skurrilen Bewohnern. Mit "Weihnachten in der kleinen Sommerküche am Meer" werde ich mich von Flora und der Insel Mure verabschieden.


Neapolitanische Saga | Elena Ferrante | 4 Bände | gelesen bis einschl. Band 3

Klassischer Fall von "Wenn ich diese Reihe beende, dann ist sie vorbei". Kennst du das Problem? Es gibt so Reihen, die ich so sehr mag, dass ich immer wieder gerne dorthin zurückkehre. In diesem Fall nach Neapel und den Freundinnen Lila und Elena, die eine etwas toxische, aber auch unabdingbare Freundschaft in einem tristen und staubigen Neapel führen, in dem Frauen den Forderungen ihres Mannes folgen sollten. Ein klassisches und sehr eingängiges Portrait einer Zeit, eines Landes, einer Frauenfreundschaft. Da es nun einige weitere Bücher von Elena Ferrante gibt, deren Schreibe ich so sehr mag, kann ich es wohl wagen die Ferrante Saga zu beenden.




Greatcoats | Sebastian de Castell | 3 Bände | gelesen bis Band 1

Die Greatcoats waren eine Empfehlung meiner lieben Freundin Tine. Ich mochte Band 1 "Blutrecht" der Trilogie, in der es um eine Gruppe aus Helden geht, die zerstritten sind und zur Rettung des Königreichs wieder zusammenfinden müssen. Klassische Geschichte, gut geschrieben. An den Inhalt habe ich leider wenig Erinnerungen. Mal schauen, ob ich ein Hörbuch dazu finde oder das Buch nochmal querlese.


Die Elfen | Bernhard Hennen | 4 Bände | gelesen bis einschl. Band 3

Ja, "Die Elfen" ist meine absolute Lieblingsreihe. Und trotzdem habe ich nicht alle Bücher gelesen. Warum? Eigentlich gab es nur 3 Elfenbücher. Dann wurde, nach weiteren Reihen, die in Albenmark spielen und hier und da eine Verknüpfung zu der Elfenreihe haben, aber eigentlich unabhängig davon stehen, ein vierter Elfenband veröffentlicht. Obwohl ich so gerne zurückkehren möchte zu meinen absolut geliebten Protagonist*innen, habe ich mich davor gescheut. Ich hatte ja eigentlich schon mit ihnen abgeschlossen. Nun möchte ich aber doch noch "Elfenkönigin" lesen und freue mich sehr auf das Wiedersehen.


Die Chroniken von Azuhr | Bernhard Hennen | 3 Bände | gelesen bis einschl. Band 2

"Die Chroniken von Azuhr" ist die neuste Trilogie aus der Feder von Bernhard Hennen. Band 3 ist jetzt allerdings auch schon wieder ein Jahr alt und erst jetzt im Regal eingezogen. Ich freue mich sehr aufs Weiterlesen und werde bei jeder Seite an das tolle Treffen mit Hennen denken, das der Verlag anlässlich der Veröffentlichung von Band 1 veranstaltete.


Malfuria | Christoph Marzi | 3 Bände | gelesen bis einschl. Band 1

Christoph Marzi ist einer meiner Lieblingsautoren ever! Seine Schreibe ist großartig. Poetisch, klug, tiefgreifend. Vor zwei Jahren erlitt er einen Schlaganfall und ist seitdem gesundheitlich sehr eingeschränkt, was auch seine Möglichkeit zu schreiben betrifft. Das macht mich sehr traurig. Ich mag mir seine Bücher eigentlich eher aufheben, damit mir die ungelesenen Marzi Sätze nicht ausgehen. Du verstehst mich, oder? "Malfuria" werde ich nun aber doch mal weiterlesen, bevor ich die Bücher in einigen Jahren meinen Kindern vorlesen werde.




Arkadien Trilogie | Kai Meyer | 3 Bände | gelesen bis einschl. Band 1

10 Jahre ist diese Trilogie schon alt. Was für eine Freude war es damals die Bücher von Kai Meyer zu entdecken, der einfach ein guter Schriftsteller ist. Arkadien ist Urban Fantasy voller Spannung. Ich weiß noch wie sehr ich darauf hingefiebert habe mir alle Bände kaufen zu können. Und dann...habe ich sie nicht gelesen. Wie konnte ich nur? Das wird jetzt unbedingt nachgeholt. Kennst du die Arkadien-Reihe von Kai Meyer? Oder eins seiner anderen Bücher?


Thron Serie | Brian Staveley | 3 Bände | gelesen bis einschl. Band 1

Als ich in meinem Archiv nach der Rezension zu Band 1 "Der verlorene Thron" suchte, war ich sehr überrascht, dass es schon 5 Jahre her ist, dass ich den Auftakt zu dieser Trilogie las. Die Handlung und die charakterstarken Figuren, sind mir noch sehr präsent und ich weiß noch genau, wie schnell ich durch die Handlung geflogen bin. Ich bin gespannt, ob es Staveley wieder gelingen wird mich so sehr zu fesseln.


Chroniken von Siala | Alexey Pehov | 3 Bände | gelesen bis einschl. Band 2

Dass ich Pehov entdeckt und seine Siala Bücher gelesen habe, ist auch schon mindestens 8 oder 9 Jahre her. Kein Wunder, dass meine Erinnerung an die beiden ersten Bände eher schwach sind. Ich denke, dass ich die Geschichte um Schattenwanderer Garrett re-readen werde, um dann die Trilogie zu beenden.


Chroniken von Hara | Alexey Pehov | 4 Bände | gelesen bis einschl. Band 2

Da mir ja die "Chroniken von Siala" so gut gefielen (obwohl ich sie nie beendete. Die Logik von Büchersüchtigen muss man nicht immer verstehen, oder?), musste ich natürlich auch die "Chroniken von Hara" beginnen...und nicht beenden. Band 1 habe ich vor 2 Jahren nochmal als Hörbuch gehört und bin da noch recht sicher, was den Inhalt betrifft. Band 2 werde ich mir wohl auch noch anhören, bevor ich die Reihe beende.




Sollte ich im Verlauf der Challenge alle vorgestellten Reihen beenden und noch etwas Luft haben, werde ich euch weitere unbeendete Reihen vorstellen und mich diesen widmen. Interessiert euch eine komplette Liste meiner ungelesenen Reihen? Eine Seite, auf der ich immer wieder aktualisiere welche gelesen wurden und welche neu dazugekommen sind? Als kleiner Teaser (besonders für die Fantasyfans): Sanderson, Riordan, Peinkofer, Hobb, Heitz...




18.09.20

Wild | Ella Blix





Sie hören dich denken. Doch du kannst sie nicht verstehen. Noch nicht.

Während einer Exkursion verschwindet die fünfzehnjährige Noomi auf rätselhafte Weise. Erst einen Tag später wird sie endlich gefunden: angsterfüllt und ohne Gedächtnis.

Verstörende Erinnerungsfetzen an eine blutige Jagd und massive Felsgipfel führen sie schließlich in ein abgelegenes Waldcamp. Was ist dort mit ihr geschehen? Auf der Suche nach Antworten folgt sie einer Spur tief ins Herz des Waldes. Doch ist sie bereit für die Wahrheit, die dort lauert?

Ein einsames Camp.
Ungezähmte Natur.
Ein Wald voller Mysterien.
Ein Geheimnis von zerstörerischer Kraft.
(Text & Cover: © Arena; Foto: © N. Eppner)

Wer noch nichts von Tania Witte (Interview) oder Antje Wagner, die gemeinsam als Autorenduo unter dem Namen Ella Blix schreiben und veröffentlichen, sollte das dringend ändern. Beide Autorinnen sind Meisterinnen ihres Fachs. Ihre Geschichten sind handwerklich auf einem sehr hohen Level, was die Freude an den größtenteils mystisch angehauchten Romanen noch mehr erhöht. Ich bewundere ihre Fähigkeit mit Wörtern zu jonglieren und sie so zusammenzusetzen, dass ein Sog von großer Stärke entsteht. Ihre Bücher sind so gut, dass ich gar nicht so genau weiß, wie ich sie mit eigenen Worten beschreiben und meine Begeisterung darüber zum Ausdruck bringen soll. Lest unbedingt ihre Bücher!

Allen voran "Wild", das mich so sehr fesseln konnte, dass ich bis tief in die Nacht hinein gelesen habe. Die Geschichte hat mich bis zur letzten Seite nicht losgelassen. Es war nicht mal unbedingt die Auflösung des Rätsels, sondern die Art wie Wagner und Witte aka Ella Blix ihre Erzählung aufbauen.

Im Vordergrund stehen vier Jugendliche, die in einer Art Boot-Camp ihren Sommer verbringen. Alle vier entgehen durch den Aufenthalt im Camp einer Jugendstrafe. Jede*r einzelne hütet ein Geheimnis, um den Grund ihres Aufenthalts. Nach und nach erfahren wir, was hinter der Fassade eines coolen Jungen oder dem Mädchen mit der Smartwatch steckt. Das ist typisch für Ella Blix. Die beiden Autorinnen schreiben keinen oberflächlichen Spannungsroman. In ihren Geschichten geht es um was. Sie geben ihren Figuren Tiefe, erzeugen Nähe zwischen mir und den Protagonist*innen. Menschlichkeit, Authentizität, das wahre Leben. Ich kenne solche Jugendlichen wie Noomi. Dass sie in einen Sci-Fi Thriller geraten, erhöht die Spannung, nimmt den Figuren aber keinesfalls die Glaubwürdigkeit. Ihre persönlichen Geschichten sind teils tragisch, vor allem faszinierend und letztendlich auch ein bisschen dafür da, um Verständnis zu erzeugen für Lebensläufe, die Ecken, Kanten und Risse haben.

Angesprochen von der Nähe zu den Charakteren, ist es aber vor allem die Atmosphäre, die mich einfängt und nicht mehr loslässt. Ich schwöre, hätte ich das Buch im Wald gelesen, wäre ich bei jedem Blätterrascheln aufgesprungen, so sehr stand ich unter Strom. Erzeugt vom handwerklichen Können der beiden Autorinnen, denen es so sehr gelingt eine mystische Stimmung zu erzeugen. Irgendwann war mir klar, um welches Geheimnis sich die Handlung dreht. Erst recht spät und deshalb keinesfalls als negativen Punkt anzukreiden. Ich bin wenig Thrillererfahren und daher ist es möglich, dass ich eine Weile blind war, aber mir sind vor allem die Emotionen wichtig, die Ella Blix bei mir auslösten. Und davon gab es jede Menge. Vor allem solche, die mit erschrecken verbunden werden können... Große Leseempfehlung für "Wild".





Ich möchte unbedingt noch erwähnen, dass "Wild" auf, vom blauen Engel zertifiziertem, Umweltpapier gedruckt wurde. Das macht sich vor allem am Gewicht des Buches bemerkbar. Mir gefällt die Haptik und die Schwere richtig gut und ich hoffe, dass der Arena Verlag und viele weitere Verlage diesen Gedanken des Umweltschutzes weiter verfolgen werden.


Buchinfo:

Arena (2020)
376 Seiten
Hardcover
18,00 €


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner


11.09.20

[Lesechallenge] Ende gut - Alles gut. Reihen beenden mit Faanielibri und Nannis Räuberleben




Neulich kam ich mit der lieben Steffi vom Blog Faanielibri darüber ins Gespräch, wie viele angebrochene Reihen wohl in unseren Regalen stehen. Ich machte sofort eine Bestandsaufnahme und siehe da: 32 begonnene Reihen. Ach du Schreck! Ganz schön viele. 
Vor allem frage ich mich bei allen, warum ich sie nicht beendet habe, denn alle diese Reihen haben mir gut gefallen. Zumindest der erste oder auch der zweite und dritte Band. 

Die Gefahr, dass ich mir die Reihen zerlese, ist durch die lange Zeit, die zwischen den einzelnen Büchern liegt, ja schon recht groß. Das ist schade und eigentlich nervt es mich auch.

Da die Liebe zu den Büchern verbindet und gemeinsam lesen Spaß macht, haben Steffi und ich kurzerhand beschlossen eine Reihen-Challenge daraus zu machen, an der jede*r Leser*in teilnehmen kann. Egal, ob du einen Blog hast oder nicht. Im Fokus steht  das Lesen, das Beenden der Reihen und der gemeinsame Austausch.

ABLAUF:

  • Du meldest dich bei Steffi oder mir an.
  • Steffi trägt dich in eine Tabelle ein, in der dein Lesepensum festgehalten wird. Solltest du einen Blog führen oder auf Instagram aktiv sein, verlinken wir deine Seite/Account gerne. Über einen entsprechenden Beitrag mit Verlinkung zu uns, freuen wir uns sehr.
  • Bitte teile uns bis zum 7. des Folgemonats mit, wie viele Bücher angebrochener Reihen du im Vormonat gelesen hast.
  • Pro gelesenes Buch erhälst du einen Punkt (wir vertrauen auf deine Ehrlichkeit)
  • Die Leserin / der Leser mit den meisten Punkten erhält am Ende der Challenge einen Buchgutschein im Wert von 15,- €
  • Ein weiterer Buchgutschein über diesen Betrag, wird unter allen Teilnehmer*innen, die jeden Monat mitlesen, verlost.
  • Die Challenge läuft vom 1.10.2020 - 31.03.2021

Noch Fragen? Immer her damit. 

Ich gehe jetzt mal Reihen raussuchen und fotografieren, die ich während des Challengezeitraums lesen möchte, damit ich sie dir demnächst in einem weiteren Beitrag vorstellen kann.

Ich freue mich auf dich und bin gespannt auf die Reihen, die gelesen werden (damit ich welche kaufen und neue beginnen kann 😋 )

06.09.20

Four Dead Queens | Astrid Scholte



 „Sei schnell und noch schneller wieder weg“, das ist das Motto von Keralie Corrington, Taschendiebin aus Quadara. Im Regierungsbezirk von Quadara stiehlt sie dem Boten Varin Erinnerungschips – ein begehrtes Gut auf dem Schwarzmarkt. Allerdings muss sie feststellen, dass es sich keinesfalls um leere Chips handelt: Unfreiwillig wird sie Zeugin, wie Quadaras vier regierende Königinnen ermordet werden. Keralie und Varin werden unfreiwillig zu Spielbällen einer weitreichenden Verschwörung. Zusammen versuchen sie, den Strippenziehern zu entkommen und deren Pläne zu vereiteln.
(Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


Was wäre, wenn wir uns in unserem Leben auf eine Sache fokussieren müssten? Wenn wir nur Technik oder nur Natur zulassen dürften? Alles, um des Friedens Willen, also um ein höheres Ziel zu verfolgen, uns selbst aber möglicherweise dafür aufgeben müssten. Es sind diese Gedanken, die Astrid Scholte mit ihrem Phantastik Roman bei mir anstößt. Gedanken, die mich auch nach dem Lesen begleiten und das Buch nachhaltig werden lassen.

Grund dafür ist das Setting. Vier Königreiche, jedes mit einem bestimmten Fokus, abhängig voneinander, weil sie nur als Ganzes funktionieren. Um den Frieden zu wahren, herrscht über jedes Königreich eine Königin, die im Königreich ihrer Geburt, aber nicht in unmittelbarer Nähe zur Mutter aufwachsen muss. Alle vier Königinnen leben in einem Palast, um dort unabhängig, aber gemeinsam zu regieren.

Als eine der Königinnen ermordet wird, gerät der Palast in Aufruhr. Gibt es einen Maulwurf? Hatte die Königin Feinde? Sind möglicherweise auch die anderen Königinnen in Gefahr?

Der Palast der Königinnen ist nur eine Erzählebene. Die andere ist die Geschichte der Taschendiebin Keralie Corrington, die von den Morden erfährt. Scheinbar ist es schon zu spät noch etwas zu tun und eigentlich würde sie die Sache am liebsten vergessen. Doch es steckt mehr Herz in ihrem harten Kern, als sie ahnt. Gemeinsam mit dem Boten Varin sucht sie nach dem Mörder / der Mörderin.

Scholte schafft es eine komplexe Geschichte sehr süffig zu erzählen. Keine Schnörkel, keine Ausführungen, in die ich mich verlieren kann, sondern Tiefe, Spannung, Überraschungen.

Die Figuren sind extrem eingängig, auch wenn ich an einem gewissen Punkt nicht mehr wusste, wem ich noch glauben soll. Keralie ist eine Heldin, wie ich sie mag. Kantig, mutig, mit dem Herz am rechten Fleck. 

Die Königinnen sind sehr interessante Protagonistinnen. Während des Lesens geistert die Frage in meinem Kopf herum wie gut wohl eine Herrscherin sein kann, wenn sie ohne die Wärme der eigenen Familie aufwächst? Wenn sie das eigene Kind hergeben und keinen Kontakt dazu hat? Wenn sie eine*n Partner*in lediglich zur Fortpflanzung wählen darf, aber keine emotionale Bindung eingehen darf? 

Wie empathisch kann solch eine Königin herrschen? Oder ist Empathie gar nicht nötig, um für das Wohl und die Sicherheit eines Volkes zu sorgen, sondern rationales Denken?

Ich mag es sehr, dass Scholte mich so zum Nachdenken bringt und bin ein bisschen traurig darüber, dass sie diese Gedanken etwas wenig in die Auflösung der Geschichte einfließen lässt. Es ist okay, aber meiner Meinung nach wäre mehr drin gewesen. Trotzdem ist "Four Dead Queens" ein spannender Fantasyroman mit starken Frauenfiguren und guten Ideen, den ich sehr gerne gelesen habe und genauso gerne weiterempfehle.


Buchinfo:

Piper (2020)
448 Seiten
Klappenbroschur
16,00 €
Übersetzung: Diana Bürgel


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

04.09.20

Ramona Blue | Julie Murphy




Ramona war erst fünf Jahre alt, als der Hurrikan Katrina ihr Leben für immer veränderte. Seitdem scheint es, als habe sich die Welt gegen sie und ihre Familie verschworen. Mit ihrer außergewöhnlichen Größe von 1,80 Metern und ihren unverwechselbaren blauen Haaren, sind für Ramona drei Dinge sicher: Sie mag Mädchen, sie ist der totale Familienmensch, und sie weiß, dass sie für etwas Größeres bestimmt ist als für ein Leben in dem Wohnwagen in Eulogy, Mississippi, den die Familie ihr zu Hause nennt. Ramona jongliert mit mehreren Jobs, ihrer exzentrischen, unzuverlässigen Mutter und ihrem gutmeinenden, aber überforderten Vater, und ist so gezwungen, die Erwachsene in der Familie zu sein. Jetzt, mit ihrer schwangeren Schwester Hattie, wiegt die Verantwortung schwerer als je zuvor.

Die Rückkehr ihres Jugendfreunds Freddie ist somit eine willkommene Ablenkung. Ramonas Freundschaft mit dem ehemaligen Wettkampfschwimmer geht genau da weiter, wo sie damals aufhörte, und bald hat er sie überredet, mit ihm im Becken ihre Bahnen zu ziehen. Als Ramona ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt, beginnen sich auch, ihre Gefühle für Freddie zu verändern, was sie so gar nicht erwartet hätte. Mit ihrer wachsenden Zuneigung für Freddie, die ihre sexuelle Identität in Frage stellt, beginnt Ramona sich zu fragen, ob sie vielleicht Mädchen und Jungs mag oder ob diese neue Anziehung womöglich gar nichts damit zu tun hat. Auf jeden Fall wird Ramona erkennen, dass sich das Leben und die Liebe meist ähnlich anfühlen wie das Wasser, durch das sie ihre Bahnen zieht – fließend und veränderlich.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Obwohl ich Julie Murphys Debüt "Dumplin'" schon sehr mochte, konnte mich die in Texas lebende Autorin mit "Ramona Blue" überraschen. Mit einer großartigen Protagonistin hatte ich gerechnet. Dass sie so ein tiefes, intensives Setting bauen, dass sie so lässig über Homosexualität schreiben und mich mit einer sehr besonderen Liebesgeschichte, auf die ich mich zuerst gar nicht einlassen wollte, so sehr rühren würde, damit habe ich nicht gerechnet.

Ramonas kämpft mit den typischen Problemen eines jungen Mädchens, das irgendwie auf der Schwelle zwischen Teenager und erwachsen sein steht. Und gleichzeitig ist sie so wenig Stromlinienförmig und als Protagonistin abgedroschen, dass ich sie vom ersten Moment an in mein Herz schließe.

Ihr Alltag ist nicht gerade leicht. Sie hält sich mit diversen Jobs über Wasser, denn für Ausgaben wie Kleidung oder College, haben ihre Eltern kein Geld. Die leben getrennt, zur Mutter hat sie wenig Kontakt, zum Vater ein inniges Verhältnis. Gemeinsam mit ihm, ihrer Schwester Hattie und deren Wanzenartigem Freund Tyler, lebt sie in einem viel zu engen Trailer. Hurrikan Katrina hat ihr Elternhaus und die Ehe ihrer Eltern zerstört, Ramonas Leben für immer verändert.

Ramona leidet unter Liebeskummer. Was für sie wie eine Sommerromanze begann, fühlte sich zum Ende des Sommers nach großer Verliebtheit an. Für das andere Mädchen, das zum ersten Mal gleichgeschlechtlich geküsst hat, ist es eher kompliziert. Neben dem akuten Problem der Sehnsucht, trifft sie ein andere Belastung viel mehr. Sie leidet unter einer Verschiebung der Eltern-Kind-Fürsorge. Sie ist vernünftig, empathisch, verantwortungsbewusst. Übernimmt die Rolle der Mutter (und des Vaters), obwohl sie die Jüngste der Familie ist. 

"...aber der Gedanke, dass ich jemandes beste Freundin bin, erfüllt meine Brust mit Sommer."


Erst als Freddi, ihr Kumpel aus Kindertagen wieder auftaucht, und aus ehemaligen Spielereien eine Freundschaft erwächst, und beide gemeinsam zum Schwimmtraining gehen, hat Ramona das Gefühl ein bisschen Last abgeben zu können. Trotzdem bleibt sie das Mädchen aus der sozial schwachen Familie. Ohne Zukunft. Ohne Hoffnung. Mit einem Haufen verrückter Freunde und einem Riss im Herzen.

Murphy hat eine ganz wunderbare Geschichte geschrieben, die mich von der ersten Seite an gepackt und auf den letzten Seiten zu Tränen gerührt hat. Diese starke Protagonistin, die so viel Last auf ihren Schultern trägt und innerlich einfach ein Mädchen ist, das Erfahrungen sammeln, das etwas vom Leben sehen, lernen und geliebt werden möchte. Ich liebe dieses von Murphy geschaffene Konstrukt so sehr, dass ich "Ramona Blue" ganz unbedingt empfehlen möchte. 

Murphys Erzählton ist lässig, unaufgeregt, mit viel Tiefe und Herz und obwohl an einigen Stellen vorhersehbar ist, was passieren könnte, fühle ich mich nie in einem künstlich herbeigeführten Konstrukt, sondern immer im Gefühl, dass die Geschichte einfach so weitergehen muss, wie sie weitergeht. Weil das so sein muss. Weil das so sehr Ramona ist. Weil das passt und weil Murphy mit so viel Herz diese Geschichte geschrieben hat, dass ich auch mein Herz an "Ramona Blue", an den kompletten bunten und verrückten Haufen liebenswerter Figuren verloren habe.


Buchinfo:

400 Seiten
Gebundene Ausgabe 18,99 €
Übersetzung. KATTRIN STIER


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

03.09.20

Büchershopping: Regalfutter aus der Buchhandlung Jakobi in Frankenberg

Seit Montag sind wir erkältet. Beim kleinen Räubermädchen fing es mit Schniefnase an, bei mir geht es mit Halsweh weiter. Ich hoffe, die beiden anderen Familienmitglieder bleiben verschont. Dazu ein Auf und Ab der Temperaturen, Dunkelheit in den frühen Abendstunden und die nahende Gemütlichkeit des Herbstes.

Was liegt näher, als neue Bücher zu kaufen?


Da uns der Herbstschuhkauf der Räubermädchen sowieso ins nahe gelegene Frankenberg lockte, war ein Besuch der Buchhandlung unabdingbar. Die Inhabergeführte Buchhandlung Jakobi (weitere Läden in Marburg) ist richtig gut sortiert. Aktuelle Neuerscheinungen finden Platz neben Schätzchen der Backlist, die Sachbuchabteilung ist richtig gut bestückt von Kochen über Natur bis hin zu Büchern, die der aktuellen Rassismus Debatte Feuer geben.

Die Kinderbuchabteilung ist sehr liebevoll gestaltet. Eine kleine Sitzbank lädt zum Schmökern ein und die Auswahl an Kinderbüchern ist richtig gut. Wenn wir dem Wunsch der Räubertochter gefolgt wären, hätten wir bis in die späten Abendstunden Zeit zwischen den Regalen verbracht. Keine Ahnung von wem sie das hat...




Ich habe mir diesmal ausschließlich Bücher von meiner Wunschliste gekauft. Es gab zwar noch viele weitere tolle Bücher in der Auslage, aber irgendwie musste ich mich ja entscheiden.

Ich liebe die Naturbilderbücher von Katrin Wiehle. Bei Beltz & Gelberg ist eine neue Reihe der Autorin erschienen und "Ich bin das Eichhörnchen" passt so gut in die Herbstzeit, das ich es unbedingt mitnehmen musste. 

"Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay, ist schon seit erscheinen des Buches auf meiner Wunschliste. Die Aktivistin beschreibt wie Sprache unser Denken prägt. Ein Thema, das mich sehr interessiert.


"Sterne leuchten nur im Dunkeln", das Debüt der sympathischen Autorin Meike Werkmeister, konnte mich so begeistern, dass ich auch ihren neuen (nicht mehr so ganz neuen) Roman "Über dem Meer tanzt das Licht" lesen möchte.

Auf Instagram bin ich Mitglied des virtuellen Lesekreises "Marias Lesekreis", gegründet von der Berliner Buchhändlerin und Moderatorin Maria-Christina Piwowarski. Im Abstand von 6 Wochen stellt sie vier Bücher zur Auswahl. Unter diesen Büchern wird abgestimmt und das Buch mit den meisten Stimmen wird das Lesekreis Buch. Diesmal standen zur Auswahl "Alte Sorten" von Ewald Arenz, "Die Mütter" von Brit Bennett (Übersetzung: Robin Detje), "Heiße Milch" von Deborah Levy (Übersetzung: Barbara Schade) und "Von Verschlungenen verschlungen" von Réjean Ducharme (Übersetzung: Till Bardoux). Bis auf Letzteres interessieren mich alle, weshalb ich die anderen drei gekauft habe. Lesekreistitel ist übrigens "Alte Sorten", das schon länger auf meiner Wunschliste stand.


Der Kampa Verlag hat mit Kampa Pocket bereits erschienene Werke von starken Autorinnen in neuem, klimaneutralem Gewand veröffentlicht. Darunter z.B. Virginia Woolf, Astrid Rosenfeld, Deborah Levy und Olga Tokarczuk. Die Gestaltung ist so wunderschön, dass ich neben "Heiße Milch" noch ein weiteres Exemplar vom Büchertisch adoptieren musste. Auch "Gesang der Fledermäuse" ein Roman der polnischen Literaturnobelpreis Gewinnerin Olga Tokarczuk (Übersetzung: Doreen Daume) ist ein Titel meiner Wunschliste.



Auf dem Rückweg zum Parkplatz machten wir noch einen kleinen Abstecher durch einen kleinen Park an der Eder. Die pöbelnden Jugendlichen konnten mich nicht davon abhalten dort schon mal ein paar Bücherfotos zu machen und die Abendsonne zu inhalieren. Am liebsten wäre ich dort sitzen geblieben und hätte in meine neu erworbenen Schätze reingelesen.

01.09.20

Melnitz | Charles Lewinsky



 

Als 1871 nachts ein entfernter Verwandter an die Tür der Meijers klopft, ahnt keiner in der Familie, wie radikal sich ihr Leben ändern wird. Janki Meijer, aus der französischen Armee entflohen, mischt die Familie des Viehhändlers Solomon Meijer, der im Judendorf Endingen für Ehrlichkeit steht, gehörig auf.

Wie sich die Geschichte dieser weit verzweigten jüdischen Familie bis ins Jahr 1945 entwickelt, erzählt Lewinsky mit einer solchen Gestaltungskraft, dass der Leser unweigerlich zu einem bangenden und hoffenden Teil der Familie wird.
(Text & Cover: © Nagel & Kimche / DTV; Foto: N. Eppner)

Zwei Jahre stand "Melnitz" ungelesen im Regal, obwohl ich es sofort kaufen musste, als es mir von einer Autorin empfohlen wurde. Charly Lyne, die sich als Gegnerin des Faschismus sieht, sagte auf einer Lesung, dass sie versuche zu verstehen wie Faschismus entsteht. Seit dieser Aussage lese ich uneingeschränkt was sie empfiehlt. "Melnitz" ist sicher eins dieser Bücher, die zum Verstehen der Prozesse beitragen kann.

Eigentlich ist "Melnitz" eine Familiensaga. Eine großartige Familiensaga, die zunächst einmal hoffnungsvoll beginnt. Als ein neues Familienmitglied zur zusammengewürfelten, aber eingeschworenen Bande hin zustößt, sieht man ihm zuerst mit Skepsis entgegen, später bekommt er die Herzenswärme zugeteilt, die jeder einzelne Person der Familie in der entsprechenden Portion zugedacht ist. Man verliert sich in Geschichten und Fantasien, verliert ein wenig den Blick auf die Realität und ahnt nicht, welchen Rattenschwanz dies mit sich zieht.

Dem Familienstammbaum wachsen neue Zweige. Hoffnung und Fleiß sind ebenso Dünger wie Abneigung und Neid. Alles auf einem Boden aus Unsicherheit und Argwohn.

Es wird viel geredet (hier kommt Lewinskys trockener Humor zum Tragen), manchmal miteinander, häufig aneinander vorbei. Das Schicksal geht seine Wege und ab und an darf eins der Familienmitglieder in die gleiche Richtung gehen. Die Dramatik spitzt sich zu. Wir alle wissen, was jüdische Menschen in den 30er und 40er Jahren erwartet. 

Über mehrere Generationen erzählt Lewinksy die Geschichte einer jüdischen Familie. Berichtet von Konflikten, die durch Generationenwechsel und Traditionen entstehen, von Strukturen, die sich durch Familie und Religion ergeben und von der Ablehnung Menschen jüdischen Glaubens. 

Mit viel Charme, einem gewissen Humor und Stärke und geprägt von Dialogen, denen ich ewig folgen könnte, wird "Melnitz" zu einem Werk großer Erzählkunst. Durch das Einfließen historischer Fakten gewinnt der Roman an Authentizität.

Vordergründig eine große Familiengeschichte, trägt "Melnitz" viel Kritik in sich. Onkel Melnitz, eine fiktive Figur, die immer wieder daran erinnert, mit welchem Argwohn die Mitbürger den Juden gegenüberstehen, ist der rote Faden der Geschichte. Hass und Ablehnung gegenüber Juden ist kein Ding des Zweiten Weltkriegs und ist mit Kriegsende auch nicht verschwunden. Das verdeutlicht Lewinsky indem er skizziert auf welchen teils banalen, teils albernen Begründungen die Verachtung gegenüber Juden fußt. 

"Melnitz" dient der Unterhaltung, aber vielmehr noch der Aufklärung. Dem Aufrütteln und Infrage stellen von lang übermittelten Werten, Traditionen und Überzeugungen.

Eine ganz große Leseempfehlung für Lewinskys "Melnitz"!

Buchinfo:

DTV (2007)
784 Seiten
Taschenbuch 
16,90 €