08.12.22

Natürlich weihnachtlich. Nachhaltige Bastel- und Geschenkideen für ein stimmungsvolles Fest | Doris Kern






Einfache Handarbeit mit natürlichen Materialien, wie sie unsere Großeltern noch schätzten – das ist der Fokus dieses Weihnachtsbuchs. Doris Kern teilt auf ihrem Blog Wissen über altbewährte Hausmittel, leckere Genussrezepte und nachhaltige Bastelideen.
In diesem Bastelbuch hat sie alle wichtigen Rezepte und Anleitungen rund um eine Weihnachtszeit voll Achtsamkeit und Besinnung zusammengestellt. Nachhaltige Geschenke, umweltbewusste Verpackungen und Dekorationen aus Zapfen oder Nüssen: In diesem Buch findet jeder die passende Idee für ein stimmungsvolles Fest ohne Konsumwahn!
(Text & Cover: ©Servus; Foto: ©N.Eppner)


Basteln ist nur was für Kinder? Auf keinen Fall. Doris Kern zeigt in ihrem Buch "Natürlich weihnachtlich" wie stilvolle Weihnachtsdeko aus Naturmaterialien hergestellt werden kann.

Ihr Buch wird in verschiedene Abschnitte eingeteilt, die von Grundlagen wie Salzteig oder Lebkuchen backen über festliche Tischdeko bis hin zu Geschenkideen reichen. Meine Sorge, dass es die immer gleichen Ideen sind, ist unbegründet. Neben altbewährtem setzt Doris Kern aus Neuinterpretationen oder gar gänzlich neue Ideen.





Schon längst ist aus der besinnlichen Weihnachtszeit, in der Ruhe, Entschleunigung und Werte im Fokus stehen sollten, eine Zeit des Konsums geworden. Dies macht sich auch beim Umweltschutz bemerkbar. Der Verpackungs- und Plastikmüllberg wächst. Doris Kern setzt auf Nachhaltigkeit. Gibt Tipps für schöne Verpackungen, die wiederverwendbar oder gar essbar sind, setzt auf Deko, die bei Nichtgefallen im Biomüll landen kann. Getrocknete Orangenscheiben bspw. sind über viele Jahre nutzbar. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

"Natürlich weihnachtlich" ist so schön gestaltet. Verpackt in einen Leineneinband, ausgestattet mit hübschen Fotografien und kleinen Gedichten als Extras eignet es sich auch hervorragend als Geschenk.





Doris Kern, bekannt vom Blog/Instagram Account "Mit Liebe gemacht", bietet ein wertvolles Rundum Paket für die Vorweihnachtszeit. Rezepte und Basteleien sorgen für Gemütlichkeit und eine stimmungsvolle Adventszeit. Die Beschaffung der Materialien kann mit einem Spaziergang verbunden werden, so dass Achtsamkeit und gemeinsame Zeit in der Natur mit einbegriffen sind. Ist das nicht viel schöner, als Deko shoppen im Internet?


Buchinfo:

192 Seiten
22,- €


02.12.22

Die Senfblütensaga 01: Zeit für Träume | Clara Langenbach



 

Metz, Elsass-Lothringen, 1908: Emma möchte mehr im Leben erreichen, als Ehefrau und Mutter zu sein. Am liebsten würde sie in Straßburg studieren. Stattdessen soll sie mit dem Sohn des Fuhrunternehmers Seidel verkuppelt werden. Emma und Carl sind einander - zu ihrer eigenen Überraschung - sofort sympathisch. Emma ist von Carls Leidenschaft für Aromen und Düfte begeistert und ermutigt ihn, seine eigene Senffabrik zu gründen. Und auch Emmas Unternehmerinnengeist ist geweckt. Während er die Vorbereitungen trifft, lässt Carl Emma an allen Entscheidungen teilhaben, fragt sie um Rat. Aber liebt sie Carl wirklich? Und warum ist sie so fasziniert von Carls Freund Antoine? Mit seinem Charme droht er einen Keil zwischen Emma und Carl zu treiben.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)

Studieren, mitentscheiden, heiraten wen sie liebt - das alles scheint für Protagonistin Emma in weiter Ferne. Eine gute Partie heiraten ist das, was nicht nur im Hause der Familie Bergmann zählt. Für Emma ist das ein Graus. Sie möchte etwas lernen, möchte Wissen erlangen und dieses auch in der Praxis anwenden. Bei vielen männlichen Wesen in ihrem Umfeld stößt sie damit auf Ablehnung. Bei Carl Seidel hingegen findet sie Gehör.

Carl ist der Sohn eines Fuhrunternehmers und soll das elterliche Geschäft übernehmen. Doch Carls Leidenschaft ist der Senf. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als eine eigene Senffabrik zu eröffnen, in der Qualität durch Handwerkskunst im Vordergrund steht. 

Es kommt noch ein zweiter Protagonist ins Spiel, der ebenso fasziniert ist wie Carl von Emmas starkem Willen und doch auf eine ganz andere Weise. So als wolle, ja als müsse er sie zähmen, aber gleichzeitig ihren Eigensinn bewahren. Es hat etwas vom Halten eines wilden Tieres, was Antoine in seinen Vorstellungen hervorruft. Sein Denken stößt mich ab und gleichzeitig empfinde ich Mitleid mit ihm, denn es gibt so einige Geister, die ihn verfolgen und zu dem machen, was er ist. 

Clara Langenbach hat einen spannenden Auftakt zu einer Trilogie geschrieben, die ein Spiegel der Zeit ist, in der Frauen bevormundet und fremdbestimmt wurden. In einem Ausmaß, wie es für uns heute kaum vorstellbar ist. Emma ist eine sehr sympathische Protagonistin. Ich mag ihre fröhliche Art, mit der sie aus ihrer Zeit gefallen scheint und trotzdem wirkt sich das nicht negativ auf die Authentizität oder Fluss der Geschichte aus, durch die ich regelrecht durchgeflogen bin. Die letzten hundert Seiten sind so spannend, dass ich froh darum bin den zweiten Teil schon bereit stehen zu haben. Obwohl einzelne Erzählstränge vorhersehbar sind, konnte ich mich so gut in die Geschichte hineinfallen lassen, dass ich immer noch mit Emma mitfiebere, ob sie ihrem erhofften Ziel im zweiten Band "Wege des Schicksals" näher kommen wird.

Buchinfo:

528 Seiten
Taschenbuch 11,99 €

01.11.22

"Die Kunst des Verschwindens" | Mel Raabe

 





Gibt es das, eine Seelenverwandtschaft zwischen bislang Unbekannten? Ist es manchmal leichter, mit einer Fremden zu sprechen als mit den Menschen, die man schon lange kennt und liebt? Als die junge Fotografin Nico zufällig zwischen den Jahren der Schauspielerin Ellen Kirsch auf den nächtlichen, winterlichen Straßen Berlins begegnet, fühlt sie fast unmittelbar eine unheimliche Nähe, die sie sich nicht erklären kann. Was haben sie schon gemeinsam, der inzwischen weltberühmte Hollywoodstar und die noch um Anerkennung ringende Fotografin? Was sieht Ellen in ihr, was sie selbst nicht erkennen kann? Vor allem aber: Warum schert sich Nico darum, dass Ellen eines Tages einfach wieder aus ihrem Leben verschwindet? Und zwar so plötzlich, wie sie gekommen ist? Als Nico endlich begreift, warum sie nicht loslassen kann, macht sie sich auf die Suche – nicht nur nach Ellen, sondern auch nach ihrer Mutter und ihrer eigenen Geschichte.
(Text & Cover: © btb; Foto: © N. Eppner)





Es ist dieser Abschnitt, der wie ein Echo durch meine Gedanken schallt. Es ist dieser Abschnitt, der in Verbindung mit dem Epilog eine Flut an Tränen bei mir auslöste. Der mit Zugang zu Emotionen verschaffte, die ich manchmal verdränge. Es ist dieser Abschnitt, der mich an einen geliebten Menschen erinnert, berührt, tröstet.

Als ich das neue Buch von Melanie Raabe in der Buchhandlung sah, war mir klar, dass ich es kaufen musste. Ich wusste tatsächlich gar nichts über den Inhalt, obwohl ich Melanies Arbeit sehr bewundere, ihren Podcast mit Laura Kampf liebe und sie unfassbar sympathisch finde. Trotz allem war mir nicht klar, welche Geschichte mir begegnen und wie sehr sie mir unter die Haut gehen würde.

Rein von der Story ist gar nicht so besonders. Aber Melanie Raabe macht etwas mit ihr, dass kaum greifbar ist. Ich glaube, sie füllt sie nicht nur mit Leben, mit der Liebe, die sie beim Schreiben empfindet, ich glaube, es ist auch ein kleines bisschen Magie durch ihre Finger geflossen, während sie den Roman in die Tasten tippte. 

Melanies ganz eigene Magie, die mich nach dem Hören ihres Podcasts immer wieder dazu bringt motiviert, inspiriert und mutig an die Arbeit zu gehen, neue Gedanken zu entwerfen und diese kreativ und im Kontakt mit Klient*innen umzusetzen. Genau diese Magie hat mich auch beim Lesen von "Die Kunst des Verschwindens" erfasst. Nach der letzten Seite habe ich einfach mal eine Viertelstunde geheult. So richtig. Aus tiefstem Herzen. Das hat so gut getan. Und gleichzeitig tröstet sie mich mit diesen Abschnitten über Leben und Tod, die eine solche Ruhe ausstrahlen.

In einer Podcastfolge sagt Mel, dass sie aus den Rückmeldungen der Leser*innen schließt, dass ihr Buch vielfältige Lebensentwürfe aufgreift und verschiedene Menschen unterschiedliche Kernpunkte für sich entdecken. Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich glaube, dass es in der Geschichte sehr viele, sehr verschiedene Berührungspunkte gibt.

Es klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber es gibt für mich keine andere Beschreibung als zu sagen: "Die Kunst des Verschwindens" hat die Wirkung eines Gesprächs mit einer guten Freundin. Eines Gesprächs, in dem ehrlich und offen Gefühle und Verletzlichkeit auf den Tisch kommen können, in dem geweint und gelacht wird und aus dem ich am Ende mit einer wohligen Umarmung herausgehe, nicht ohne diesen Moment fest in meinem Herzen zu verankern. "Die Kunst des Verschwindens" ist ein Herzensbuch.

Buchinfo:

400 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
22,00 €


Rezensionen: © 2022, Nanni Eppner

30.10.22

[*Werbung | bezahlte Kooperation ] Poster und Bilderrahmen von DESENIO + 40 % Rabattcode

Vor einiger Zeit bekam ich eine Kooperationsanfrage von DESENIO, die ich eigentlich zuerst ablehnen wollte, weil ich doch die Bilder, die bei uns aufgehängt werden, immer selbst knipse.

Doch dann schaute ich mir den Shop einmal genauer an und entdeckte, dass es dort Poster von Astrid Lindgren gibt. Genauer gesagt von Pippi und Michel. Und was für Schöne.

Pippi Langstrumpf No. 1


Natürlich musste ich die direkt bestellen. Möglichst groß, damit die Zeichnungen von Ingrig Vang Nyman auch gut zur Geltung kommen. Den passenden Rahmen habe ich direkt mitbestellt. Aus Holz, ganz wie wir es mögen.

Und da mensch nie genug Astrid Lindgren Stuff haben und es nicht schaden kann den ganzen Tag die supertolle, starke, mutige und witzige Pippi Langstrumpf anzuschauen (ich sage nur "Energie folgt der Aufmerksamkeit"), bestellte ich direkt noch das Poster "Pippi Langstrumpf No.2" mit.




Diese beiden hängen nun im Zimmer des kleinen Räubermädchens, das ja selbst ein kleines bisschen Pippi Langstrumpf ist. Die große Räubertochter durfte sich natürlich auch etwas aussuchen. 

Für sie war es wichtig, dass Tiere darauf sind und ein bisschen Fantasytouch darf auch nicht fehlen. Zuerst wollte sie ein Lama mit Einhorn-Horn, doch dann entdeckten wir den Elefant mit Schmetterlinsflügeln (Poster: Butterphant), der einen Hauch von Magie ausstrahlt, und die Katze mit dem Schmetterling (Poster: Butterfly Cat), die thematisch dazu passt.



Ich bestellte mir noch einige Bilderrahmen für eigene Fotografien und weil mir die, sowohl für Kinder als auch Erwachsene, sehr stilvollen Poster gut gefallen, ein paar weitere, die ich hier aber noch nicht zeigen kann, weil sie erst zu Weihnachten verschenkt werden.

Falls du also in diesem Jahr auch schon rechtzeitig Weihnachtsgeschenke bestellst oder dir etwas schönes gönnen möchtest, habe ich etwas für dich:

40% Rabatt auf Poster*

mit dem Rabattcode NANNI

vom 30.10.-2.11.2022

Lass mich gerne wissen, welches der tollen Poster du dir bestellt hast. Tove Jansson Fans kommen übrigens auch auf ihre Kosten.


*ausgenommen personalisierte Poster und Bilderrahmen



27.10.22

Pause.

 



Sonntags oder montags schreibe ich mir immer meine Wochenplanung in den Kalender. Termine, Einkäufe, Aufgaben. Und Pausen.
Das ist gut, um überhaupt Pausen zu machen. Und nicht erst dann, wenn ich erschöpft bin.
Zum anderen hilft es mir aber auch meine Zeit, meine Freiräume sichtbar zu machen und den Fokus nicht nur auf das zu lenken, was ich erledigen muss oder was mir Energie raubt.
Ich gehe viel entspannter durch die Woche, wenn ich weiß, dass sie nicht nur aus einem Berg aus Arbeit besteht, sondern auch Lesezeit oder ein Kaffee auf dem Balkon für mich drin ist. Natürlich gibt es immer Zeiten, in denen es richtig rund geht, aber seien wir mal ganz ehrlich, meistens ist es doch eine Frage der Organisation und des bewusst einrichtens 😉
Probier es mal 2, 3 Wochen oder auch nur 5 Tage aus und berichte mir dann gerne wie du dich damit fühlst.

18.10.22

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit | Natasha Pulley (Übersetzung: Jochen Schwarzer)





1898 erwacht Joe Tournier ohne jegliche Erinnerungen am Bahnhof Gare du Roi in Londres. Die Welt steht Kopf: England ist französisch, und Joe wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Nur wenig später, als er wieder in Freiheit ist, trifft eine rätselhafte Postkarte bei ihm ein, die 90 Jahre zu ihm unterwegs war.

Auf der Postkarte ist ein Leuchtturm auf einer Insel in den Äußeren Hebriden mit dem Namen Eilean Mor abgebildet, auf der Rückseite steht ein kurzer Text: "Liebster Joe, komm nach Hause, wenn du dich erinnerst. M." Was hat es mit dem Leuchtturm auf sich und wie kann ein Mann mittleren Alters aus einer 90jährigen Vergangenheit heraus vermisst werden? Und wer ist M.? Joe macht sich schließlich auf die nicht ungefährliche Reise nach Schottland, um den Leuchtturm zu suchen und findet stattdessen einen Weg in die Vergangenheit. Unversehens gerät er in die Turbulenzen der großen Schlachten zwischen England und Frankreich, die lange vor seiner Geburt entschieden wurden. Schnell wird klar, dass jeder Schritt in die Vergangenheit auch seine Zukunft beeinflusst.


Joe leidet an einer epileptischen Amnesie. Immer wieder schwinden seine Erinnerungen, etwas, das er gerade erst erlebt hat, ist im nächsten Moment wieder aus seinem Gedächtnis gelöscht. Hin und wieder fällt ihm ein Erinnerungsfetzen zu. Eine Art Déja vu. Es scheint ihm als kenne er eine Frau namens Madeline. Als sei sie der Schlüssel zu seinen Erinnerungen. Als er eine über hundert Jahre alte Postkarte bekommt, auf der steht "Komm nach Hause, M." zieht es ihn zu einem mysteriösen Leuchtturm, der ein Schlüssel in all diesen Wirrungen sein könnte.

Ich rauschte geradezu durch "Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit". Vor dem Hintergrund des dritten napoleonischen Krieges entwirft Natasha Pulley eine Zeitreisegeschichte über Liebe, Schicksal, Verlust und Angst. 

Roh sind die Zeiten, in denen gierige Männer über Leben und Tod entscheiden. Einer von ihnen ist Kite, der Pirat, der kämpft und mordet und versucht die Zeit für sich zu nutze zu machen. Eine Figur, die zunächst Antipathie auslöst und sich mehr und mehr ins Herz kämpft. 

Die Sprache der Autorin ist zart und atmosphärisch. Ihr besonderer Stil enthält die Fähigkeit Bilder zu zeichnen, die ausdrucksvoll und fantastisch sind, die wärmen, nähren, aber auch erschüttern. Sie ist eine derjenigen, die dir unter die Haut schreiben. Anfangs ist etwas Durchhaltevermögen gefragt, denn nicht alle Elemente scheinen schlüssig oder einen Sinn zu ergeben. Erst nach und nach erschließen sich die Handlungen und fügen sich am Ende zu einem wunderschönen Bild zusammen, dass ich mir sicher gerne wieder ins Gedächtnis rufen werde.

Auch die Geschichte ist etwas sehr besonderes. Es gelingt Pulley mühelos vor dem historischen Hintergrund moderne Gedanken einfließen zu lassen. Sie wird es nicht müde zu betonen, wie sehr Frauen in der Ehe dem Patriarchat unterliegen können und dass es gelingen kann ein System zu erschaffen, in dem Arbeit und Kinderbetreuung einhergehen. 

Ich würde gerne noch so viel mehr sagen, aber zu schnell ist zu viel verraten und ich möchte niemandem den Genuss nehmen, Handlungen und Gedanken selbst kennenzulernen. "Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit" hat etwas magisches, ohne klassische Elemente einer magischen Fantasygeschichte zu enthalten. Es geht ein gewisser Zauber von der Geschichte aus, die sich fühlen, aber nur schwer in Worte fassen lässt. Daher setze ich auf dein Vertrauen, wenn ich dir sage: lies es. Es wird dich traurig, aber auch sehr glücklich machen.


Buchinfo:

Klett Cotta Hobbit Presse (2022)
Hardcover mit Schutzumschlag
544 Seiten
25,- €




















13.10.22

Ein unendlich kurzer Sommer | Kristina Pfister

 



Wo soll man eigentlich hin, wenn man vor sich selbst davonläuft? In irgendeinen Zug einsteigen und bis zur Endstation fahren? So jedenfalls landet Lale auf dem heruntergekommenen Campingplatz an diesem See, der fast zu schön ist. Sie hilft dem alten, grantigen Besitzer Gustav beim Renovieren der maroden Bäder, füttert die flauschigen Kaninchen, trägt jeden Tag die gleiche, alte Latzhose und schweigt .Bis Christophe diese vermeintliche Ruhe durcheinanderbringt. Christophe mit den dunklen Augen, angereist vom anderen Ende der Welt, auf der Suche nach seinen Wurzeln. Christophe, der zu spüren scheint, was Lale fühlt.
Gemeinsam erleben sie den einen Sommer, der bleibt: Flirrende Hitze, glitzerndes Wasser, gemeinsame Floßfahrten, ausgeblichenes Haar.
(Text & Cover: © S. Fischer Verlage, Foto: © N. Eppner)

"Ein unendlich kurzer Sommer" ist das perfekte Buch, um in das Gefühl des Sommers einzutauchen. In die Hitze, in das Gefühl von Abenteuer und Möglichkeiten, in eine kleine Sommerliebe und in die sehnsuchtsvollen Erinnerungen, die das Ende des Sommers mit sich bringt. Mit Kristina Pfister reise ich in den Sommer und in die Vergangenheit. Ich bleibe zurück mit dem Gefühl auch etwas erleben oder zumindest verändern zu wollen, mit einer süßen, aber nicht greifbaren Sehnsucht.

Lale ist auf der Flucht. Oder auf der Suche. So ganz genau weiß sie das nicht. Auch nicht so recht wovor sie wegläuft oder was sie sucht. Es ist mehr so ein Gefühl loszufahren, auszusteigen und zu bleiben. Bleiben war eigentlich nicht beabsichtigt, aber der Campingplatz mit seinem muffeligen Besitzer Gustav erfüllt sie irgendwie mit Ruhe. Ihr Handy schaltet sie erst gar nicht an. Sie möchte keinen Kontakt zu ihrem richtigen Leben, das ihr anstrengend erscheint und Entscheidungen von ihr erwartet. Das Ansprüche stellt und so fordernd ist.

Auch Christophe ist auf der Suche. Er findet. Allerdings nicht das, was er erhofft hat. Keine innere Ruhe nach dem Tod seiner Mutter, der ihn aus der Bahn warf. Was er findet entfaltet eine ungeahnte Intensität. Er fühlt, erlebt, bekommt Zugang zu seinen Emotionen und dann droht alles wieder zu scheitern. Ist er einer, dem das Leben nichts Gutes verheißt?

Kristina Pfister schreibt mit der Leichtigkeit eines Sommerwindes, der die Haut streift und trotzdem Spuren hinterlässt. Gefühle, Sehnsüchte, Erinnerungen. Ich fliege durch ihren Roman, mag die charmanten und eigensinnigen Figuren gar nicht verlassen, wünsche ihnen am Ende nur das Beste. Sie sind mir ans Herz gewachsen mit ihren Ecken und Kanten, mit ihren manchmal scheiternden Versuchen ihr Leben zu leben und dabei nur so vor sich hinzudümpeln, statt nach den Sternen zu greifen. Etwas, das ein Sommer, einer dieser Sommer zu ändern vermag.

Buchinfo:

S. Fischer Verlage (2022)
368 Seiten
Paperback 16,- €


Rezensionen: ©2022, Nanni Eppner