24.02.21

Neue Bücher 2 | 2021



 Ach, eigentlich will ich ja meinen SuB mal weglesen, aber dann werden Bücher verschenkt, verlost, ungefragt verschickt oder viel zu günstig verkauft und - zack! - wächst der Stapel wieder. Machste nix.


"Emmy & Oliver" | Robin Benway (Übersetzung: Sandra Knuffinke, Jessika Komina)

Hab ich schon ganz lange auf der Wunschliste und eigentlich auch auf Englisch auf dem Reader. Da die Bücher aus dem Magellanverlag aber so schön sind und dieses im Handel gar nicht mehr erhältlich ist, kann es gerne auch gedruckt in meinem Regal stehen.


"Die Chronik des Siegelmachers 01: Tinte & Siegel" | Kevin Hearne (Übersetzung: Friedrich Mader)

Obwohl meine liebe Freundin Tine mich schon mehrfach darauf hingewiesen hat, dass ich unbedingt die Bücher von Kevin Hearne lesen muss, habe ich das noch nicht gemacht. Vielleicht wird es mit seinem neusten Buch was...


"Ich bleibe hier" | Marco Balzano

Der Roman spielt an meinem Sehnsuchtsort Südtirol. Am Reschensee, der auf dem Cover abgebildet ist, fahren wir meist vorbei. Die Geschichte Südtirols ist spannend, wenn auch schwierig was die Zeit des Nationalsozialismus betrifft, während der auch der Roman spielt. Ich möchte gerne mehr darüber erfahren.


"Elmet" | Fiona Mozley (Übersetzung: Thomas Gunkel)

Eine Familiengeschichte, die ich beim Onlinelesekreis Mariaslesekreis entdeckte und die viel positives Feedback bekam.


"Qualityland" | Marc-Uwe Kling

Auch so ein Autor, von dem ich schon lange etwas lesen möchte. Also habe ich direkt mal zugeschnappt, als ich "Qualityland" in der Mängelexemplarkiste entdeckte.


"Unter Wassernacht" | Kristina Hauff

"Wie lebt man weiter nach einem großen, unerklärlichen Verlust? Mit psychologischem Gespür erzählt Kristina Hauff eine Geschichte voller Hoffnung und Trauer und vom Wert der Freundschaft." (Quelle: Hanser)


"Temper" | Layne Fargo (Übersetzung: Knut Krüger)

Es geht um eine toxische Beziehung zwischen einer jungen Frau und einem Mann. Das Buch hat sehr viele gute Kritiken bekommen und ich hoffe sehr, dass es keine Bad Boy Lovestory ist, in der alles verherrlicht wird, sondern ein kritischer Blick auf Abhängigkeit und das Ausspielen von Macht.


"Eine Familie in Deutschland 02. Am Ende der Hoffnung" | Peter Prange

Ich habe Band 1 noch nicht gelesen, finde es aber gut auch schon Band 2 zu besitzen. Da die Trilogie zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielt und ich auch schon andere Bücher des Autors mochte, bin ich mir sicher, dass mir die Reihe gefallen wird.


"Die Verlorenen" | Stacey Halls (Übersetzung: Sabine Thiele)

Der Roman wurde mir überraschend vom Verlag zugesandt. Die Geschichte spielt 1745 und ich bin gespannt, ob sie mir gefallen wird. Ich hoffe sie ist nicht kitschig. Gerade im historischen Genre ist der Grad oft sehr schmal (finde ich). Die Autorin wird mit Hilary Mantel verglichen. Mal schauen, ob der Vergleich passt.


Kennst du eins der Bücher / Autorinnen / Autoren ? Hast es schon gelesen oder im Regal / auf der Wunschliste?

17.02.21

Die Mütter | Brit Bennett






 
«Die Mütter», so nennen sie die alten Frauen in der kleinen kalifornischen Gemeinde Oceanside. Sie sind Zeugen des Skandals, mit dem dieser Roman beginnt. Ein Skandal ist es, wenigstens aus ihrer Sicht: dass Nadia Turner, deren Mutter sich das Leben genommen hat, mit Luke, dem Sohn des Pastors … dass Nadia Turner ein Baby bekommt … oder vielmehr beschließt, es nicht zu bekommen. Und das ist erst der Anfang der Geschichte.
Anders als Luke kehrt Nadia der Kleinstadtenge bald den Rücken. Aber Aubrey, ihre beste Freundin, bleibt und stellt sich auf ihre Weise gegen den Chor der alten Frauen, deren Stimmen mit der Zeit merklich auseinandergehen. Es dauert nicht lange, und sie feiern ein neues Paar in Oceanside: Aubrey und Luke Sheppard. Und das beschäftigt die vom College heimgekehrte Nadia mehr, als sie vor der besten Freundin zugeben kann.
(Text & Cover: © Rowohlt; Foto: © N. Eppner)

Schon beim Erscheinen des Hardcovers von "Die Mütter" im April 2018, habe ich das Buch ins Auge gefasst. Doch genau wie Nadias zweifelhafter Ruf in der Geschichte, ist der Roman in Vergessenheit geraten. Bis er für den Online Lesekreis Mariaslesekreis zur Auswahl stand und so den Weg zurück in mein Gedächtnis, die preisgünstigere Taschenbuchausgabe in mein Regal, fand.

"Die Mütter" ist die Skizze einer Gesellschaft, bestehend aus mehreren Generationen mit ihren Werten, Wünschen und Hoffnungen. Mit ihren Zielen und Niederschlägen, Träumen und Ängsten. Dass es sich um eine Gemeinde Schwarzer handelt, wird immer dann bewusst, wenn es um Ängste geht. Schwarze junge Männer, die bei den Marines sicherer leben, als auf der Straße, Schwarze junge Frauen, die von Ungleichheiten noch mehr gebeutelt werden, als weiße Mädchen. Ich vergesse es oft während des Lesens, doch dann überfallt mich der Rassismus immer wieder wie ein Messerstich.

"Subtiler Rassismus war auf gewisse Weise schlimmer, weil er einen irremachte. Dauernd musste man sich fragen: War das jetzt wirklich rassistisch? Oder habe ich mir das eingebildet?"

Im Fokus des Romans stehen Nadia und Luke, zwei junge Menschen, deren Wege vom Schicksal gezeichnet wurden und die aneinander Halt suchen. Nadia in der Trauer um ihre Mutter, Luke, weil sein großer Traum von einer Footballkarriere mit einem Unfall und den darauffolgenden körperlichen Beschwerden geplatzt ist. Sie treffen sich heimlich, lieben sich heimlich, zeugen heimlich ein Kind. Eins, das von der Mutter nicht gewollt ist. Nadia möchte ihr Leben in die Hand nehmen, niemandem verpflichtet sein, Karriere machen und ihren Heimatort Oceanside verlassen können, wann immer ihr danach ist. Luke muss bleiben, gefesselt durch seine Verletzung, seine Verpflichtungen. Sie gehen getrennte Wege und sind doch für immer miteinander verbunden.

Ich mochte "Die Mütter" sehr. Es steckt so viel ehrliches über Zwischenmenschliche Beziehungen darin, so viel Ironie des Schicksals, so viel Erkennen und Verstehen. Aber eben auch die Dramatik des Lebens. Brit Bennett schreibt über die Schwäche, die man uns Frauen versucht anzuerziehen, und die Stärke, die wirklich in uns steckt. Sie schreibt von Freundschaft und Familie, von Verbundenheit und gemeinsamen Erlebnissen. Ich könnte soviel über "Die Mütter" sagen, aber es gibt so vieles über Menschen, menschliches Verhalten, Zwischenmenschliches im Roman zu entdecken und Jede*r sollte die Möglichkeit haben, sich ein eigenes Bild zu machen, eigene Erfahrungen zwischen den Zeilen zu entdecken und Bekanntschaften zu schließen.


Buchinfo:

Rowohlt (2019)
320 Seiten
Taschenbuch 12,00 €
Übersetzung: Robin Detje


Rezensionen: © 2021, Nanni Eppner

16.02.21

[Pepper und Emma] Transformation Tuesday



Ich habe mich entschlossen auch mal an der Aktion #TransformationTuesday teilzunehmen, denn wenn ich die vorher nachher Fotos von Pepper betrachte, hat sich doch ordentlich was getan.

Im Januar 2020 wechselten wir den Stall und wollten motiviert ins Training starten. Eine Lahmheit, deren Ursache über mehrere Wochen nicht geklärt werden konnte, hielt uns davon ab. Die Vermutung eines Hufgeschwürs bestätigte sich irgendwann, wurde vom Hufschmied aber immer wieder abgestritten.




Auch nach Aufbrechen des Geschwürs war keinerlei Besserung seiner Gesundheit erkennbar. Dadurch wurde Pepper nicht wirklich in der Herde aufgenommen und hatte zusätzlich zu seinen gesundheitlichen Problemen einen Mangel an Sozialkontakten. Eine erste Linderung brachte die Behandlung durch Osteopathin Katja Krause. Sie konnte ihm Kopfschmerzen nehmen und brachte seinen durch Schonhaltungen mittlerweile völlig in Schiefe geratenen Körper wieder in Spur. Nicht mit einer Behandlung, aber nach und nach mit viel Geduld, Kinesio Tapes und etlichen Terminen.

Gleichzeitig konnten wir das Training wieder aufnehmen. Zuerst langsam an der Longe, später unter dem Sattel, nach und nach auch wieder mit Unterricht.




Das zweite Foto zeigt Pepper drei Monate später. Es ist unser erstes Training bei einem externen Trainer. Ich war völlig begeistert wie gut Pepper mitarbeitet und welche Freude er wieder am arbeiten bekam. Immer noch schwach bemuskelt und ausbaufähig was Losgelassenheit, Anlehnung und Schwung angeht, aber seitdem sind wir wieder auf dem Weg. Der Rücken hängt nicht mehr durch. Er kann wieder Taktrein laufen. Die 4 Jahre Babyzeit haben ihm gar nicht gut getan. Er ist ein Pferd, das Bewegung braucht, und vor allem gymnastiziert werden muss. 

Wie er weitere drei Monate später ausgesehen hat und wie es ihm heute geht, das erzähle ich ein anderes Mal. 




15.02.21

[Lustig ist das Räuberleben] Wunderschönes Winterwochenende

Am Wochenende war das Wetter traumhaft schön. Kalt, aber sonnig. So darf der Winter von mir aus noch zwei Wochen bleiben. 

Wir haben das Wetter genutzt, sind Schlitten gefahren und fleißig durch den Schnee gestapft.














14.02.21

Backlist lesen [februar]



Im Februar findet ausgehend von den Vereinigten Staaten und Kanada der #BlackHistoryMonth statt. Begründet auf Black History Week, einer Feierbewegung, die 1926 initiiert wurde, um auf den Beitrag von Afroamerikanern zur Geschichte des Landes aufmerksam zu machen. Bis dato wurden Schwarze entweder nicht in Büchern erwähnt oder mit niederem sozialen Status dargestellt.

Im Februar möchte ich deshalb mehr Aufmerksamkeit auf Bücher von PoC-Autorinnen richten und habe mir deshalb entsprechende Bücher aus dem Regal gezogen. Zu meinem erschrecken musste ich feststellen, dass ich a) nicht genau weiß, welche AutorInnen in meinem Regal Person of color sind und b) noch nie beim Kaufen bewusst darauf geachtet habe. Ein Beweis dafür, dass solche besonderen Aktivitäten wie der Black History Month etc. immer noch von Nöten sind, um das Bewusstsein zu schärfen und Schwarzen mehr Stimme zu geben. 





"Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" | Alice Hasters

Im Regal, weil...

...Rassismus leider immer wieder, immer noch Thema in unserer Gesellschaft ist und ich dem nicht untätig gegenüberstehen möchte. Das Buch wurde mehrfach als sehr lesenswert empfohlen.

Handelt von...

..."Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden." (Quelle: Hanser) Journalistin Alice Hasters spricht genau diese Dinge an und erklärt, was wir unbedingt wissen sollten.

Möchte ich lesen, weil...

...ich mich nicht mehr von Alltagsrassismus in Gesprächen totreden lassen möchte. Kennst du diese dummen Argumentationen auf Geburtstagen etc.? Dem möchte ich gerne fundiertes Wissen entgegenbringen, das sich durch nichts wegreden lässt.





"Das geträumte Land" | Imbolo Mbue

Im Regal, weil...

...ich es zum Erscheinen als Rezensionsexemplar bekommen, aber immer noch nicht gelesen habe.

Handelt von...

...zwei Familien unterschiedlicher Gesellschaftsschichten, die in eine Krise geraten, die beider Schicksale betrifft.

Möchte ich lesen, weil...

...es damals wie heute gute Kritiken bekommen hat und mich Familiengeschichten reizen.





"Die Mütter" | Brit Bennett (Übersetzung: Robin Detje)

Im Regal, weil...

...ich es mir schon zum Erscheinen positiv aufgefallen war. Kürzlich gekauft, weil ich es beim Onlinelesekreis Mariaslesekreis wiederentdeckte.

Handelt von...

..."Brit Bennett fragt nach dem, was uns hält und was uns bindet: Freundschaft, eine gemeinsame Vergangenheit, eine nicht gelebte Geschichte. In «Die Mütter» erzählt sie voller Respekt und mit der nötigen Respektlosigkeit von Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht, erzählt mit einer gelassenen Genauigkeit, die staunen macht.
Ein lebenskluger Roman über das Amerika von heute und das Amerika von morgen." (Quelle: Rowohlt)

Möchte ich lesen, weil...

... ich stecke schon mitten drin. Bin begeistert von der Schreibe der Autorin und von der Geschichte. 

Kennst du eins der Bücher? Hast es schon gelesen oder ungelesen im Regal stehen?



 

12.02.21

Malfuria | Christoph Marzi


 

Catalina Soleado kann die Welt verändern – mit einem einzigen Federstreich. Doch ihre Gabe ist gefährlich. In einem Barcelona, in dem die Schatten die Macht übernommen haben, machen magische Buchstabenwesen, wispernde Mosaikschlangen und fliegende Galeonen Jagd auf das Mädchen. Während ihr Gefährte Jordi den Kampf aufnimmt, muss Catalina in Malfuria, dem wirbelnden Sturm aus Rabenfedern, über die Meere fliegen. Dort trifft sie auf ein uraltes Geheimnis...
(Text & Cover: © Arena; Foto: © N. Eppner)

Neun Jahre nach dem Beenden des ersten Malfuria Bandes "Die Hüterin der Nebelsteine" bin ich zurückgekehrt nach Barcelona, wo die Schatten die Macht übernehmen wollen. In der Zwischenzeit habe ich etliche Male das Hörbuch von Teil eins gehört und trotzdem die Trilogie nochmal komplett von Anfang an gelesen. Denn ist vor allem Marzis Schreibe, die mich immer wieder begeistert und verzaubert.

In "Malfuria" entführt Marzi seine Leserinnen und Leser nach Barcelona. Nicht in die Stadt, wie wir sie heute kennen, sondern in ein sehr geheimnisvolles, düsteres, Magie durchzogenes Barcelona, das dem des leider bereits verstorbenen Schriftstellers Carlos Ruiz Záfon nicht unähnlich ist. Was auf jeden Fall sehr an Ruiz Záfon erinnert, ist die Schreibe Marzis. Beide sind wahre Meister im erschaffen einer Atmosphäre, die schier lebendig zu werden scheint. Die umhüllt, mitreisst, einbettet und düster und beängstigend sein kann.

Im Mittelpunkt stehen Catalina Soleado, in der magische Fähigkeiten schlummern, von denen sie nichts weiß, und Jordi, der Junge aus dem Leuchtturm, der sich mit Catalina verbunden fühlt, und ihr zu Hilfe kommt, wenn die Schatten holen wollen. Es sind ihre Fähigkeiten, die ihre Feinde auf den Plan rufen. Alle Hexen sollen verbrennen, womit Marzi einen Zusammenhang zur spanischen Inquistion und damit auch thematisch ein Buch schafft, dass sich ganz sicher von anderen Romanen für die Altersklasse der ab 12-jährigen unterscheidet.

"Malfuria" sprüht vor Magie, vor Ideen, vor Fantasie. Ist lebendig und klug. Sprachlich ein Genuss, spannend und eine absolute Leseempfehlung. 


Buchinfo:

Arena (2012)
328 Seiten
eBook 7,99 €

Reiheninfo:

1. Malfuria. Das Geheimnis der singenden Stadt
2. Malfuria. Die Hüterin der Nebelsteine
3. Malfuria. Die Königin der Schattenstadt


Rezensionen: © 2021, Nanni Eppner


10.02.21

Kindheit | Tove Ditlevsen



 

In „Kindheit“ erzählt Tove Ditlevsen vom Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahre in einfachen Verhältnissen. Tove passt dort nicht hinein, ihre Kindheit scheint wie für ein anderes Mädchen gemacht. Die Mutter ist unnahbar, der Vater verliert seine Arbeit als Heizer. Sonntags muss Tove für die Familie Gebäck holen gehen, so viel, wie in ihre Tasche hineinpasst, und das ist alles, was es zu essen gibt. Zusammen mit ihrer Freundin, der wilden, rothaarigen Ruth, entdeckt Tove die Stadt. Sie zeigt ihr, wo die Prostituierten stehen, und geht mit ihr stehlen. Aber eigentlich interessiert sich Tove für die Welt der Bücher und hat den brennenden Wunsch, Schriftstellerin zu werden – und dafür ist sie bereit, das Leben, wie es für sie vorgezeichnet scheint, hinter sich zu lassen.
(Text & Cover: © Aufbau; Foto: © N. Eppner)


Schon im Vorfeld wurde die Kopenhagen Trilogie von Tove Ditlevsen, die in ihrem Heimatland Dänemark längst bekannt ist und auch schon vor Jahren ins englische übersetzt wurde, sehr stark beworben und groß angekündigt. Dass man die Bücher der bereits verstorbenen Autorin jetzt ins deutsche übersetzte ist eher einem Zufall zu verdanken, aber gefühlt passen sie kaum besser, als in den aktuell stak aufbrandenden Diskussionen über Frauenrechte und Gleichheit. Obwohl die Situationen, die Ditlevsen beschreibt, bereits über 50 Jahre vergangen sind, habe ich das Gefühl, dass sich kaum etwas oder zumindest nur sehr schleichend ändert. 

Ungleichheit zwischen Männern und Frauen ist seit vielen Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten vorhanden. Wie fest die Denkweise in unserer Gesellschaft verankert ist, kann ich an Ditlevsens Autobiografie zu deutlich erkennen. Frauen und Mädchen sind mit einer Schuld behaftet, die sie nur schwer wieder loswerden, und die heute noch fest in den Köpfen und von Männern und Frauen verankert ist. Es ist eine Rolle, in die wir Frauen geschoben wurden, und die es loszuwerden gilt, und da zählt jeder Satz. 

"Fräulein Matthiassen sagt, ich sei begabt und solle weiter die Schule besuchen dürfen. [...] Trotzdem frage ich meinen Vater, der mit einer Empörung darauf reagiert und abfällig über weibliche Abiturientinnen spricht, die hässlich und eingebildet seien." (S. 90)

Neben der Schuld der Weiblichkeit, die Ditlevsen immer wieder vorgehalten wird, steht der Mangel an Können und Nutzen. Obwohl sie bereits als junges Mädchen einen Faible für Sprache hat und ausgesprochen gut mit Sprache umgehen kann, was in ihr den Wunsch keimen lässt, Dichterin werden zu wollen, spricht man ihr diese Fähigkeit ab. Nur Männer werden Dichter und der Weg für Frauen...naja, den kennen wir ja. Heiraten, Kinder kriegen, den Mann umsorgen. Ganz selten lässt der Vater durchblicken, in wirklich guten Stunden, dass er es mag, dass seine Tochter sich für Worte interessieren, aber dann überfallen ihn wieder die alten Denkmuster und seine eigene Misere, die ihn ganz und gar einnimmt und keinen Raum für Empathie lässt.

Die Mutter ist noch weniger empathisch, verliert sich ganz in ihrer eigenen Bitterkeit. Ich glaube auch sie ist gezeichnet von Desillusionierung und eingesperrt in den engen Rahmen dessen, was ihr als Frau erlaubt ist. Für Tove hat sie wenig Herzlichkeit übrig, begegnet ihr kühl und hofft, dass die Tochter sie nicht noch weiter in Unannehmlichkeiten bringt. Die Handlungsunfähigkeit, in die sie als Frau getrieben wird, lädt sie auf Tove ab, belastet sie dadurch mit einer Schuld, die keine Schultern tragen können und schon gar nicht die eines Kindes.

"Wenn ich an die Zukunft denke, laufe ich ständig gegen Mauern, weshalb ich die Kindheit so lange wie möglich hinauszögern will." (S. 89)

Ein beklemmendes Gefühl begleitet mich beim Lesen. Es belastet mich wie traurig und beklemmend Dilevsens Kindheit ist. Meine eigenen Kinder begleite ich täglich mit dem Gedanken, dass Situationen des Alltags für mich nur ein Teil meines Alltags sind, für meine Kinder aber ein Stück ihrer Kindheit. Toves Kindheit wiegt so schwer wie ein ganzes Leben und trotzdem möchte sie darin verweilen. Nicht der schönen Momente wegen, sondern weil sie keine Zukunft für sich sieht oder vielmehr keine Zukunft, die ihr gefallen könnte. Der Mangel an Selbstbestimmung, an Aussicht auf ein Leben, in dem sie ihre Träume erfüllen kann, in dem sie sich Ziele setzen und diese verwirklichen kann, lässt Ditlevsen in ein negatives Lebensgefühl gleiten. Und trotzdem gelingt es ihr immer wieder eigene Ideen, eigene wünsche durchzusetzen. Oft heimlich, oft im Kleinen, aber Schritt für Schritt erobert sie sich ein wenig selbstbestimmtes Handeln. Ich bin gespannt wie es ihr gelingen wird ihre Jugend zu gestalten und freue mich sehr darauf die Bände "Jugend" und "Abhängigkeit" zu lesen.

"Wie alle Erwachsenen kann sie es nicht ausstehen, wenn Kinder fragen stellen, und gibt nur kurze Antworten. Wohin man sich auch wendet, ständig stößt man dabei gegen seine Kindheit und tut sich weh, weil sie kantig und hart ist und erst aufhört, wenn sie einen vollkommen zerrissen hat." (S. 35)

Besonders herausragend ist Ditlevsens Schreibe. Poetisch und von großer Kraft. Modern für das Jahrzehnt, in dem das Buch geschrieben wurde, zeitlos und eindringlich. Es gibt viele Sätze, die ich mehrmals lese, weil sie mir so gut gefallen oder sehr aussagekräftig sind. Ich möchte mir viele von ihnen notieren, merken, darüber nachdenken und sie in meinem Alltag als Antrieb für Umdenken und Respekt nutzen. Ich glaube, Ursel Allenstein hat ihre Aufgabe als Übersetzerin richtig gut gemeistert.


Buchinfo:

Aufbau (2021)
118 Seiten
Hardcover 18,00 €
ÜBERSETZUNG: Ursel Allenstein


Rezension: © 2021, Nanni Eppner