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30.06.24

#dickebüchercamp 2024




 Alle Jahre wieder...

... packen wir im Juni die Koffer, um im Juli ins #dickebüchercamp einzuziehen. Das war mal so eine verrückte Idee von Marina, um den dicken Büchern im Regal mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ich muss sagen ich finde die Sommermonate eher ungünstig für dicke Bücher, weil ich selbst die im Herbst oder Winter bevorzuge, aber trotzdem bin ich jedes Jahr - mehr oder weniger erfolgreich - dabei. 

Für dieses Jahr habe ich mir ganz optimistisch 4 Bücher rausgesucht. Ich liebe es ja Listen zu machen und ich liebe es genau so sehr diese wieder über den Haufen zu werfen und etwas ganz anderes zu tun. Zum Bsp. ganz andere Bücher zu lesen. 

Prinzipiell möchte ich mit "Die verborgene Stadt Percepliquis", dem sechsten und letzten Band der "Riyria"-Reihe beginnen, denn diese Serie möchte ich eigentlich schon seit einem halben Jahr abschließen.

Als weiteren Fantasyroman habe ich mir "Die Stadt aus Messing" von S.A. Chakraborty übersetzt von Kerstin Fricke, rausgesucht. Ich freue mich darauf, weil Steffi das Buch schon oft empfohlen hat und auch auf das orientalische Setting, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das Buch nicht doch noch mal gegen etwas leichteres austausche (also leichter vom Schreibstil, nicht vom Gewicht, denn mind. 500 Seiten sind Pflicht, um am #dickebüchercamp teilnehmen zu dürfen).

"Demon Copperhead" von Barbara Kingsolver, übersetzt von Dirk van Gunsteren, musste ich unbedingt kaufen, weil ich dem Hype darum nicht entgehen konnte. Meine Freundin Sarah, die es ebenfalls sehr mochte, hat es mir auf den Urlaubsstapel gepackt.

Um "Das Gemälde" von Geraldine Brooks übersetzt von Judith Schwaab bin ich in der Buchhandlung ganz oft herum geschlichen. Es ist ein Pferd auf dem Cover...I mean...! Dann habe ich bei Alex gesehen, dass sie es mochte und dank ihrem Zuspruch bin ich dann nochmal in den regionalen Bookstore und habe es adoptiert.

Kennst du das #dickebüchercamp? Bist du vielleicht sogar auch dabei? Wenn ja mit welchen Büchern? Oder packst du jetzt vielleicht noch spontan deine Büchertasche und dein fiktives Zelt und kommst mit auf Reisen?

#dickebüchercamp2018 

#dickebüchercamp2020

#dickebüchercamp2021




26.06.24

Nellie Bly - Journalistin und Vorreiterin für Frauenrechte




Nellie Bly wurde 1864 in Pennsylvania geboren. Als Kind hörte sie auf den Spitznamen Pink, wuchs in einem wohlbehüteten Elternhaus auf, mit vielen Geschwistern und liebevollen Eltern. Als ihr Vater starb, verlor die Familie all ihr Geld und damit auch ihre Sicherheit. Um die Kinder versorgen zu können, heiratete die Mutter erneut. Von diesem Mann, der soff und ihr und den Kindern gegenüber gewalttätig war, ließ sie sich nach ein paar Jahren scheiden. Das war in Pennsylvania tatsächlich schon erlaubt, allerdings lag die Schuld natürlich bei der Frau. Nellie Bly, die damals noch Elizabeth Jane Cochrane hieß, schwor sich niemals von einem Mann abhängig zu sein und auf eigenen Füßen zu stehen. Durch einen Leserinnenbrief wurde die New York World, die Zeitung von Joseph Pullitzer auf sie aufmerksam. Trotz dem Interesse an ihrem Schreibtalent, musste Nellie Bly dafür kämpfen als Reporterin ernst genommen und nicht in die Abteilung "Kultur" oder so etwas wie Klatsch und Tratsch (Frauenrubriken eben *Augen verdreh*) abgesetzt zu werden. Sie überzeugte mit der Idee über die Nervenanstalt für Frauen Blackwell's Island zu schreiben und dafür als Undercover Journalistin dort zu leben.

So beschreibt es Nicola Attadio in seiner Biografie "Nellie Bly - Die Biografie einer furchtlosen Undercover-Journalistin", die unter anderem auf den Tagebüchern der berühmten Journalistin beruhen. Die Biografie hat einen ganz eigenen, sehr interessanten Schreibstil, durch den wir uns immer wieder in Nellies Gedanken hineinversetzen können. Das lockert das Lesen ein wenig auf, auch wenn die Biografie dieser bewundernswerten Frau sowieso sehr kurzweilig und spannend ist.

Ich wurde aufmerksam auf Nellie Bly, die zwar in ihrem Jahrhundert eine Berühmtheit, mir (und vielen anderen) aber gänzlich unbekannt war, durch den Roman "Reporterin für eine bessere Welt" von Ulrike Fuchs. Darin geht es um Blys Aufenthalt in "Blackwell's Island". Ein unterhaltsamer Einstieg in Blys Leben mit wenig Dramatik und etwas romantisierter, als es vermutlich tatsächlich war. Dennoch wurde ich neugierig auf Nellie Bly und kaufte mir "Miss Bly und die Wette gegen Jules Verne" von Eva-Maria Bast.

Eva-Maria Bast schreibt über Blys Wette die Welt in 75 Tagen, und damit in einem kürzeren Zeitraum als Phileas Fogg, der Held von Jules Vernes Klassiker "In 80 Tagen um die Welt", zu umrunden. Nachdem ich nun auch ihre Biografie gelesen habe, weiß ich, dass Bast sehr gut recherchiert hat und viele Fakten mit eingebaut hat. Ein spannender Roman, weil er viel wissenswertes über Bly, die politischen und gesellschaftlichen Umstände ihrer Zeit und auch ihrer Reise in sich trägt. Insbesondere über Asien hat die Autorin viel berichtet, so dass ein buntes Bild von diesem Kontinent entsteht. 

Es lohnt sich definitiv eins oder alle Bücher über Nellie Bly zu lesen. Eine sehr interessante historische Figur, die sicherlich vielen Frauen Mut machte und den Weg ebnete. Ich wünschte, dass solche weiblichen Vorbilder weniger in Vergessenheit geraten würden, daher sind solche Romanreihen sicherlich eine gute Möglichkeit ihnen Sichtbarkeit zu verschaffen.

11.06.24

Himmelwärts | Karen Köhler (Illustrationen: Bea Davis)


 



Eine einzigartige literarische Stimme, umwerfend komische Dialoge und zwei mitreißende Mädchen voller kluger Ideen – das erste Kinderbuch von Karen Köhler. In einer sternenklaren Sommernacht funken Toni und ihre beste Freundin YumYum mit ihrem selbst gebastelten kosmischen Radio in den Himmel, um Kontakt zu Tonis verstorbener Mutter aufzunehmen. Toni hat große Vermissung, und Weltall-Expertin YumYum hat Experimentierlust. Bestens ausgerüstet – vor allem mit Snacks – erleben die beiden eine Nacht voller Überraschungen. Denn statt der Mutter antwortet ihnen Astronautin Zanna von einer Raumstation. Mit ihr philosophieren sie über das Dasein und die Sehnsucht, aber vor allem über das großartige Leben auf dem Planeten Erde, das uns so viel Trost und Freude schenkt.
(Text & Cover: Hanser; Foto: Nanni Eppner)

Seit ich "Miroloi" gelesen habe, bin ich begeistert von der Sprachkunst Karen Köhlers. Ebenso von ihrem klugen Blick auf die Welt. Der Fähigkeit Themen mit Tiefe mit Leichtigkeit zum Gespräch werden zu lassen, zum Nachdenken anzuregen. 

Mit "Himmelwärts" trifft sie mich persönlich. So wie Tonis Mutter, ist auch meine Mama viel zu früh verstorben. Ich kenne den Struggle, in dem wir zwischen Verlust und Trauer versuchen wieder aufs Leben aufzuspringen, das sich unaufhörlich weiter dreht. Zäh wie Gummi werden die Bewegungen in Trauer. Freundschaften, Beziehungen, Gespräche schwerfällig und so, als spreche man durch eine Glaswand. Vielleicht habe ich deshalb ein paar Tränen verdrückt, denn Karen Köhler hat mein noch immer nicht ganz verheiltes Herz getroffen, gefüttert, ein kleines bisschen gestopft mit ihren klugen Worten, die humorvoll und tröstend sind.

Wie lässt sich die Lücke der Vermissung füllen? Toni und ihre beste Freundin YummYumm haben eine Idee. Sie entwickeln ein kosmisches Radio, mit dem sie Kontakt zu Tonis Mutter aufnehmen können. Heimlich natürlich, denn den Vater würde das wahrscheinlich noch mehr aus der Bahn werfen - auch er ist noch nicht auf den sich weiterdrehenden Erdball aufgesprungen - und YummYumms Mutter ist sowieso überängstlich. Schwierig mit einem Mädchen mit überbrodelnder Abenteuerlust. 





Toni und YummYumm planen ihre Kontaktaufnahme akribisch. Alles ist perfekt. Der Zeitpunkt. Der Vorrat an Süßigkeiten. Die Sternennacht. Doch dann antwortet statt Tonis Mama Astronautin Zanna. Nimmt sich Zeit die Fragen der Mädchen zu beantworten, auch wenn sie nach 8 Minuten wieder aus dem Empfang verschwindet. Toni kann von ihren Gefühlen erzählen. Von ihrem Empfinden, von wut, Trauer und der schrecklichen Vermissung. Das befreit und irgendwie macht es auch Hoffnung. Und Mut. So eine Astronautin im Weltall, das ist schon was besonderes. Etwas richtig cooles. Etwas, das Tonis Herz wieder ein kleines bisschen füllt.

Karen Köhler ist eine sehr großartige, sehr besondere Geschichte über Trauer und Verlust gelungen.  Eine, die ich allen Wünsche, die jemanden verloren haben oder sich einsam fühlen. Denen, die Mut brauchen und denen, die coole Geschichten mögen. Ich liebs mit welcher Lässigkeit hier Grenzen gebrochen werden. Wie Karen Köhler Möglichkeiten aufzeigt und Hoffnung weckt. Wie sie mir als Leserin das Gefühl gibt, selbst etwas großes und einfach Ich sein zu dürfen. 

Bea Davis bringt mit ihren Illustrationen diese wundervolle Geschichte aufs Papier. Ein perfektes Zusammenspiel aus Worten und Bildern, die "Himmelwärts" zu einem kleinen Schatz im Bücherregal werden lässt.




Buchinfo:

Hanser (2024)
192 Seiten
Hardcover 19,00 €
ab 10 Jahren


Rezensionen: 2024, Nanni Eppner