28.08.19

Der Horizont der Freiheit | Ines Thorn




Frankfurt 1848. Die Stadt ist in heller Aufregung. Die Nationalversammlung tagt in der Paulskirche. Auch der Verleger Joseph Rütten wird von dieser Aufbruchsstimmung angesteckt. Mit seinem Geschäftspartner Zacharias Löwenthal möchte er all die wesentlichen Texte drucken, um die Revolution zu befördern – allen voran den Roman »Wally – die Zweiflerin « von Gutzkow. Doch seinen Verlag plagen nicht nur Probleme mit der Zensur, sondern zudem große Geldsorgen. Und er ist verliebt – in Wilhelmine Pfaff, die Witwe eines Druckers. Die revolutionäre Atmosphäre in der Stadt droht umzuschlagen. Zwei Delegierte werden ermordet – und bald hat die Obrigkeit eine Verdächtige gefunden: Henriette Zobel, eine Freiheitskämpferin und Wilhelmines beste Freundin.
(Text & Cover: © Aufbau; Foto: © N. Eppner)


"Der Horizont der Freiheit" ist ein spannender und authentischer Ausflug in die deutsche Geschichte. Die Reise führt uns ins Frankfurt des aufrührerischen 1848. Revolten, politische Forderungen und Umbrüche bringen das Volk in Bewegung. Die Rede ist von der sogenannten Märzrevolution, über die ich bisher viel zu wenig wusste.

Ines Thorn packt nun diesen Teil der deutschen Geschichte in einen Roman, so dass die Auswirkungen der Märzrevolution und was sie für einfache Bürger bedeutete, deutlich und greifbar wird. Aus realen Geschehnissen und historischen Figuren wird gemeinsam mit fiktiven Figuren und Handlungen ein Roman, der mich gut unterhalten und mir zugleich einiges Wissen über die politischen Verhältnisse der Jahre 1848/49 vermittelt hat, aber auch über die Geschichte der Literatur.

Grundlage dafür sind unter anderem Figuren wie Joseph Rütten, der später gemeinsam mit seinem Geschäftspartner den Verlag Rütten & Löning gründete und Henriette Zobel, die für die Abschaffung der Monarchie und Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger kämpfte. Außerdem treffen wir auf den Autor des Struwwelpeter.

Joseph Rütten und Zacharias Löwenthal gehören zu denen, die fortschrittlich denken. Sie verlegen Schriften wie Marx und Engels, die sich für den Kommunismus aussprachen und für die Durchsetzung desselbigen Gewalt einforderten. Ihre aufrührerischen Schriften zu verbreiten konnte das gesellschaftliche Aus bis hin zu Haft bedeuten. 

Rüttens Nachbarin ist die Witwe Wilhelmine Pfaff, die seit dem Tod ihres Mannes die Druckerei weiterführt und als Frau auf vielerlei Gegenwehr und Hindernisse trifft, die ihr als Mann nicht begegnet wären. Neben Rütten und Zobel ist Pfaff eine eher blasse Figur. Sie traut sich nicht zurecht sich aufzulehnen, möchte von Politik nichts wissen und hält eigentlich an der klassischen Rollenverteilung fest. Durch den Tod ihres Mannes ist sie jedoch darauf angewiesen neue Wege zu gehen. An ihr zeigt die Autorin deutlich wie abhängig Frauen im 19. Jahrhundert von Männern gemacht wurden, wie sie systematisch klein gehalten und von jeglichen tragenden Entscheidungen fern gehalten wurden und so auch keinerlei Möglichkeit besaßen in der Öffentlichkeit Einfluss zu bekommen. Es ist immer wieder erschütternd welche Rechte wir Frauen uns erkämpfen mussten, welche Möglichkeiten uns immer noch vorenthalten werden, aber auch wie sehr wie uns manchmal selbst davon distanzieren unsere Rechte auch zu nutzen und somit eher wieder rückwärts arbeiten.

"Der Horizont der Freiheit" ist sehr gut recherchiert und wirkt dadurch sehr authentisch. Die Schreibe der Autorin ist flüssig und so fand ich immer wieder schnell in die Geschichte rein, die ich als sehr spannend empfand. Ein Buch, das ich schnell inhalierte, das kurzweilig und gut verständlich ist und mein Wissen zur deutschen Geschichte bereicherte.


Buchinfo:

Klappenbroschur
392 Seiten
18,00 €

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