15.10.19

Sieben Heere 03. Befreiung | Tobias O. Meißner




Für die Sieben Heere Nafarroas war die Eroberung des friedfertigen Landes Akitanien nicht mehr als ein einfach auszuführender Auftrag. Aber ihr Hochmut kam die Elitekrieger teuer zu stehen: Mithilfe akitanischer Zauberer gelang es einer Gruppe aufständischer Dörfler, eines der Heere auszuschalten und eine Revolution anzuzetteln, die mehr und mehr im Land um sich greift. Ein finaler Vernichtungsschlag soll die Widerstandskämpfer nun ein für alle Mal ausmerzen, und diesmal nimmt Nafarroa ihren unberechenbaren Gegner ernst: Achtzehntausend Soldaten ziehen in eine alles entscheidende Schlacht gegen die tausend Mann starken Aufrührer. Doch sie kämpfen gegen einen Gegner, für den es kein Zurück mehr gibt. Denn je mehr Blut die Akitanier für ihr Land vergießen, umso grimmiger und verzweifelter verteidigen sie ihre Ideale.
(Text & Cover: Piper; Foto: N. Eppner)

"Befreiung" ist das Finale der "Sieben Heere" Trilogie, die auf spannende und - ja man könnte es unterhaltsam nennen - Art mit dem Aufbau eines Kriegs- bzw. Gewaltkonstrukts beschäftigt. 

Die Trilogie beginnt mit "Sieben Heere". Ein kleiner Ort wird von Soldaten eingenommen. Friedlich. Sie teilen lediglich mit, dass sie nun die neuen Gesetzesgeber sind. Von der Königin ihres Landes ausgesendet. Ein besonders mutiger Bursche des Ortes denkt nicht weiter nach und zettelt eine Revolution an. Einige andere aus dem Ort schließen sich an und siehe da: auch wenige können etwas bewirken, wenn sie sich nur trauen. Der Funke der Auflehnung ist gesät.

Es folgt "Sieben Heere. Revolution", der Band, in dem die Bewohner des kleinen Orts an Stärke gewinnen und damit beginnen auch andere eingenommene Dörfer zu befreien. Doch zu welchem Preis? Der Gegener wird in die Flucht geschlagen, doch erstmals fallen auch Menschen aus den eigenen Reihen. Mord und Totschlag werden zum Alltag. Die Gesichter der Toten verfolgen die einstmals friedlichen Bürger bis in den Schlaf.


"'[...] Es ist schließlich die Zukunft der Kinder, um die es in diesem Krieg vor allem geht. Und die zu Grabe getragen wird, wenn alles so weiterläuft wie bisher.'" (S. 76)

Etliche Menschen sind der Revolution zum Opfer gefallen. Auf gegnerischer und auf heimischer Seite und man fragt sich, ob das alles wirklich Sinn macht. Wofür? Hat man eigentlich noch ein ehrbares Ziel vor Augen? Und kann man überhaupt noch von ehrbar sprechen, wenn so viele Wohnräume zerstört, so viele Menschen getötet wurden? Ab wann steht man mit der ausführenden Macht auf einer Stufe?

Wie eigentlich die ganze Trilogie, ist auch der Finalband geschickt aufgebaut. Der Wunsch nach Frieden keimt vermehrt in den Bürgern und man stellt fest, dass der Feind ja auch nur ein Mensch ist. Dass es in beiden Reihen sowohl nette, als auch fiese Persönlichkeiten gibt und hinterfragt nun auch den Grund für die Besatzung. Neben dem eigentlichen Trupp der Revolution haben sich nun eigenständige Gruppierungen gebildet, die nur auf Rache und Profit aus sind. Die Gewalt hat sich verselbstständigt. Wird immer aggressiver. Die Revolutionäre immer müder des Kampfes. Doch wie entkommt man solch einer Situation? Wie geht man in solch gewaltvollen Zeiten, in einer scheinbar festgefahrenen Situation aufeinander zu? Eine Frage, die nicht nur im Großen zutreffend ist, sondern auch auf einzelne Personen zugeschnitten ist. Wenn nicht wir als Einzelperson unsere Streitigkeiten beilegen, aufeinander zugehen, für ein besseres Miteinander sorgen, erst denken und hinterfragen, bevor wir handeln, dann wird sich auch im Großen nichts ändern.


"Diese Aufsplitterung der Dinge in verschiedene Sichtweisen machte Varlie ihre Entscheidung aber letztlich einfacher anstatt schwieriger. Denn wenn alles nur eine Frage des eigenen Standpunkts war - welchen Standpunkt sollte sie dann einnehmen, als ihren eigenen? Es wäre Vermessenheit gewesen, etwas anderes, Höheres anzustreben." (S. 324)

Wie immer bin ich sehr begeistert von Meißners Schreibe. Seiner Art Kritik zu üben. So klar, so einfach ausgedrückt, dass man sich fragt, warum nicht alle Menschen auf der Welt auf den Trichter kommen, dass Gewalt Sch***e ist? Ganz besonders mag ich den leicht sarkastischen Unterton, der mit seiner Schreibe einhergeht und den Fokus seiner Kritik noch verstärkt. 

Die "Sieben Heere" - Trilogie ist ein richtig gutes Gesamtkonzept. Lesenswert.


Buchinfo:

Piper (2018)
416 Seiten
Paperback
17,00 €

Reiheninfo:

3. Sieben Heere. Befreiung


Rezensionen: 2019, Nanni Eppner

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