17.02.20

Hurenmord. Die Rose von Whitechapel | Tabea König





Whitechapel, 1888: Die junge Witwe Christine Gillard macht eine schwierige Zeit durch. Einst eine ehrlose Hure aus Glasgow, leitet sie heute in Whitechapel ein Frauenhaus. Der Körper ihres verstorbenen Gatten ist kaum erkaltet, da beginnen in ihrer Einrichtung die grausamsten Morde der Londoner Geschichte. Zusammen mit Liam und Emily unterstützt Christine die Polizei bei den Ermittlungen. Dabei kommt sie nicht nur dem attraktiven Inspektor John Pike näher, sondern auch in das Visier von „Jack the Ripper“. (Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


"Hurenmord. Die Rose von Whitechapel" ist ein weiterer Band aus der Feder Tabea Königs, der im viktorianischen England spielt. Einem Setting, das an sich schon faszinierend und spannend ist, von König aber noch durch selbstbewusste Frauenfiguren und einer Handlung rund um Jack the Ripper aufgepeppt wird.

Im Mittelpunkt des Romans steht Christine Gillard, deren Bekanntschaft ich schon in "Hurentochter. Die Distel von Glasgow" machen durfte. Obwohl es einige Überschneidungen zwischen den beiden Büchern gibt, können sie auch unabhängig voneinander gelesen werden. Mehr Lesevergnügen entsteht, wenn zuerst die Distel und dann die Rose gelesen werden.

Christine Gillard habe ich als selbstbewusste, moderne und etwas aufmüpfige junge Frau kennengelernt. Nun lebt sie in London und ist bereits Witwe. Ihr Mann war gut betucht, hat ihr reichlich Vermögen hinterlassen und war etliche Jahre älter als Christine. Sein Sohn Adrian ist eher ihr Jahrgang, ist aber nie mit der ehemaligen Prostituierten warm geworden und wirft ihr vor den Vater nur des Geldes wegen geheiratet zu haben. Dies ist niemals Christines Hintergedanke gewesen. Der Tod ihres geliebten Mannes stürzt sie in tiefe Trauer.

Dadurch vernachlässigt sie auch ihr Herzensprojekt: ein Frauenhaus. Ein Heim für Frauen, die mittellos sind oder vor dem eigenen Mann oder der Familie fliehen müssen. Ein weiterer Dorn in Adrians Auge.

Als grausame Morde London erschüttern muss Christine aus ihrer Lethargie erwachen. Die verstümmelt und zerschnitten aufgefundenen Frauenleichen sind allesamt Bewohnerinnen des Frauenhauses. Wer hat es auf die armen Geschöpfe abgesehen? Wer ist so grausam so hart gegen sie vorzugehen? Oder ist die Brutalität gar gegen Christine gerichtet, die mit dem Frauenhaus gegen viele Konventionen verstößt?

Wieder einmal ist Tabea König ein ausgesprochen kurzweiliger Roman gelungen, der mich sogar  noch mehr fesseln konnte, als der Vorgänger. Zwischen fiktiven Figuren und Geschichten bettet sie den Mythos Jack the Ripper, der sicherlich nicht derselbe war, wie im Roman, aber in der Realität durch eben diese Grausamkeit beim Morden berühmt wurde. 

Ich hatte zu Anfang eine Ahnung, wer der Mörder sein könnte, doch niemals eine Idee für das Motiv. Tabea König hat mich von Seite zu Seite in die Irre geführt, so dass die Aufklärung der Mordfälle letztendlich eine große Überraschung waren. 

Aus einigen Berichten der Autorin weiß ich, dass sie sehr ausführlich recherchiert. Dadurch bekomme ich als Leserin einen sehr guten Einblick in die Verhältnisse und das Leben der viktorianischen Zeit. Im Vordergrund des Buches steht das Bild der Frau. Widrigkeiten mit denen sie zu kämpfen hatten, Missstände ihrer Rechte und Erwartungen, die sie erfüllen sollten. 

Weil mich Tabea König bereits zweimal so begeistern konnte, werde ich auf jeden Fall auch "Hurenglück. Die Lilien von London" lesen.


Buchinfo:

Piper (2019)
336 Seiten
eBook 6,99 €

Reiheninfo 

(die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden)
Hurenmord. Die Rose von Whitechapel
Hurenglück. Die Lilien von London


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

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