15.01.20

Nach dem Tod gleich links | Anna Buchwinkel




Else glaubt mit Ende 50 in Schlagersänger Bernhard Bardensiehl endlich die große Liebe gefunden zu haben, auch wenn sie ihn vorerst nur aus der Ferne anschmachtet. Doch der Tod macht ihr einen Strich durch die Rechnung, denn Bernhard verunglückt. So schnell lässt sich Else ihr Glück jedoch nicht nehmen und so verteidigt sie ihn gegen den Außendienstmitarbeiter des Todes, Detlef, der Bernhard holen soll. Als neuer Mitarbeiter der Life Limited Ltd. ist Detlef eigentlich dafür zuständig, Lebensfäden zu durchtrennen, findet jedoch bald mehr Gefallen daran, stattdessen Leben zu retten.  Während er sich mehr und mehr von seinem Arbeitgeber entfernt und schließlich eine Revolution beim Tod lostritt, beginnt für Else und ein ganzes Sammelsurium an schrulligen, aber liebenswerten Menschen, eine turbulente Reise, bei der es buchstäblich um Leben und Tod geht - und natürlich um die Liebe. (Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


Ich habe selten eine Geschichte gelesen, die witzig und rührend zugleich ist. Doch genau diese Eigenschaften vereint "Nach dem Tod gleich links", das Debüt der sympathischen deutschen Autorin Anna Buchwinkel, die glücklicherweise an ihrem zweiten Roman schreibt.

Im Klappentext wird die über 50-jährige Else als Protagonistin beschrieben, doch eigentlich gibt es gar keine Hauptfigur im Roman, sondern viele Figuren mit Lebensgeschichten, die auf der einen Seite sehr eigensinnig klingen, auf der anderen Seite aber auch aus deiner oder meiner Nachbarschaft stammen könnten. Das Leben schreibt eben die interessantesten Geschichten.

Das dachte auch Anna Buchwinkel und so hat sie einige in ihrem Roman zusammen getragen. Wer sich für Menschen und deren Schicksale interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.

Lebenswege, die in Kurven verlaufen und von vielen Steinen geprägt sind, werden auf Buchwinkels eigene Art gezeichnet. Mit viel Respekt vor den Schwierigkeiten, die sie durchlaufen müssen, aber einem gewissen Lächeln auf den Lippen. Getreu dem Motto "mit einem Lächeln ist alles leichter zu ertragen" bringt sie Leserinnen und Leser an schwierige Themen heran. Depressionen, Suizid, Verlust geliebter Menschen - Probleme, die im Buch angesprochen und sehr gut erklärt werden. Buchwinkel kennt sich mit psychischen Erkrankungen und Folgen von schwer zu verarbeitenden Schicksalssschlägen aus, das macht die authentische Darstellung eben solcher deutlich. Die Leichtigkeit mit der sie über diese Themen schreibt, sorgt dafür, dass sie für Leserinnen und Leser eingängig sind. Gleichzeitig gelingt es ihr Emotionen hineinzubringen, die Empathie wecken und Vorurteile auslöschen können.

Die Schreibe ist etwas eigenwillig und eventuell nicht jedermanns Geschmack. Ähnlich einem Theaterstück wechselt die Handlung in Akten. Beschreibungen zu Orten und Personen werden hinzugefügt. Der Erzählton ist inbrünstig und passt sehr gut zu den Ereignissen.

"Nach dem Tod gleich links" ist ein humorvoller Roman über Liebe, Hoffnung, über Geben und Geliebt werden, über Vertrauen und Mut. Ein Roman, in dem es sehr menschelt und der mit Witz und Charme berührt. Eine liebenswerte Geschichte, die ich sehr gerne weiterempfehle.


Buchinfo:

Piper (2019)
368 Seiten
Taschenbuch
14,99 €

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