18.09.20

Wild | Ella Blix





Sie hören dich denken. Doch du kannst sie nicht verstehen. Noch nicht.

Während einer Exkursion verschwindet die fünfzehnjährige Noomi auf rätselhafte Weise. Erst einen Tag später wird sie endlich gefunden: angsterfüllt und ohne Gedächtnis.

Verstörende Erinnerungsfetzen an eine blutige Jagd und massive Felsgipfel führen sie schließlich in ein abgelegenes Waldcamp. Was ist dort mit ihr geschehen? Auf der Suche nach Antworten folgt sie einer Spur tief ins Herz des Waldes. Doch ist sie bereit für die Wahrheit, die dort lauert?

Ein einsames Camp.
Ungezähmte Natur.
Ein Wald voller Mysterien.
Ein Geheimnis von zerstörerischer Kraft.
(Text & Cover: © Arena; Foto: © N. Eppner)

Wer noch nichts von Tania Witte (Interview) oder Antje Wagner, die gemeinsam als Autorenduo unter dem Namen Ella Blix schreiben und veröffentlichen, sollte das dringend ändern. Beide Autorinnen sind Meisterinnen ihres Fachs. Ihre Geschichten sind handwerklich auf einem sehr hohen Level, was die Freude an den größtenteils mystisch angehauchten Romanen noch mehr erhöht. Ich bewundere ihre Fähigkeit mit Wörtern zu jonglieren und sie so zusammenzusetzen, dass ein Sog von großer Stärke entsteht. Ihre Bücher sind so gut, dass ich gar nicht so genau weiß, wie ich sie mit eigenen Worten beschreiben und meine Begeisterung darüber zum Ausdruck bringen soll. Lest unbedingt ihre Bücher!

Allen voran "Wild", das mich so sehr fesseln konnte, dass ich bis tief in die Nacht hinein gelesen habe. Die Geschichte hat mich bis zur letzten Seite nicht losgelassen. Es war nicht mal unbedingt die Auflösung des Rätsels, sondern die Art wie Wagner und Witte aka Ella Blix ihre Erzählung aufbauen.

Im Vordergrund stehen vier Jugendliche, die in einer Art Boot-Camp ihren Sommer verbringen. Alle vier entgehen durch den Aufenthalt im Camp einer Jugendstrafe. Jede*r einzelne hütet ein Geheimnis, um den Grund ihres Aufenthalts. Nach und nach erfahren wir, was hinter der Fassade eines coolen Jungen oder dem Mädchen mit der Smartwatch steckt. Das ist typisch für Ella Blix. Die beiden Autorinnen schreiben keinen oberflächlichen Spannungsroman. In ihren Geschichten geht es um was. Sie geben ihren Figuren Tiefe, erzeugen Nähe zwischen mir und den Protagonist*innen. Menschlichkeit, Authentizität, das wahre Leben. Ich kenne solche Jugendlichen wie Noomi. Dass sie in einen Sci-Fi Thriller geraten, erhöht die Spannung, nimmt den Figuren aber keinesfalls die Glaubwürdigkeit. Ihre persönlichen Geschichten sind teils tragisch, vor allem faszinierend und letztendlich auch ein bisschen dafür da, um Verständnis zu erzeugen für Lebensläufe, die Ecken, Kanten und Risse haben.

Angesprochen von der Nähe zu den Charakteren, ist es aber vor allem die Atmosphäre, die mich einfängt und nicht mehr loslässt. Ich schwöre, hätte ich das Buch im Wald gelesen, wäre ich bei jedem Blätterrascheln aufgesprungen, so sehr stand ich unter Strom. Erzeugt vom handwerklichen Können der beiden Autorinnen, denen es so sehr gelingt eine mystische Stimmung zu erzeugen. Irgendwann war mir klar, um welches Geheimnis sich die Handlung dreht. Erst recht spät und deshalb keinesfalls als negativen Punkt anzukreiden. Ich bin wenig Thrillererfahren und daher ist es möglich, dass ich eine Weile blind war, aber mir sind vor allem die Emotionen wichtig, die Ella Blix bei mir auslösten. Und davon gab es jede Menge. Vor allem solche, die mit erschrecken verbunden werden können... Große Leseempfehlung für "Wild".





Ich möchte unbedingt noch erwähnen, dass "Wild" auf, vom blauen Engel zertifiziertem, Umweltpapier gedruckt wurde. Das macht sich vor allem am Gewicht des Buches bemerkbar. Mir gefällt die Haptik und die Schwere richtig gut und ich hoffe, dass der Arena Verlag und viele weitere Verlage diesen Gedanken des Umweltschutzes weiter verfolgen werden.


Buchinfo:

Arena (2020)
376 Seiten
Hardcover
18,00 €


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner


11.09.20

[Lesechallenge] Ende gut - Alles gut. Reihen beenden mit Faanielibri und Nannis Räuberleben




Neulich kam ich mit der lieben Steffi vom Blog Faanielibri darüber ins Gespräch, wie viele angebrochene Reihen wohl in unseren Regalen stehen. Ich machte sofort eine Bestandsaufnahme und siehe da: 32 begonnene Reihen. Ach du Schreck! Ganz schön viele. 
Vor allem frage ich mich bei allen, warum ich sie nicht beendet habe, denn alle diese Reihen haben mir gut gefallen. Zumindest der erste oder auch der zweite und dritte Band. 

Die Gefahr, dass ich mir die Reihen zerlese, ist durch die lange Zeit, die zwischen den einzelnen Büchern liegt, ja schon recht groß. Das ist schade und eigentlich nervt es mich auch.

Da die Liebe zu den Büchern verbindet und gemeinsam lesen Spaß macht, haben Steffi und ich kurzerhand beschlossen eine Reihen-Challenge daraus zu machen, an der jede*r Leser*in teilnehmen kann. Egal, ob du einen Blog hast oder nicht. Im Fokus steht  das Lesen, das Beenden der Reihen und der gemeinsame Austausch.

ABLAUF:

  • Du meldest dich bei Steffi oder mir an.
  • Steffi trägt dich in eine Tabelle ein, in der dein Lesepensum festgehalten wird. Solltest du einen Blog führen oder auf Instagram aktiv sein, verlinken wir deine Seite/Account gerne. Über einen entsprechenden Beitrag mit Verlinkung zu uns, freuen wir uns sehr.
  • Bitte teile uns bis zum 7. des Folgemonats mit, wie viele Bücher angebrochener Reihen du im Vormonat gelesen hast.
  • Pro gelesenes Buch erhälst du einen Punkt (wir vertrauen auf deine Ehrlichkeit)
  • Die Leserin / der Leser mit den meisten Punkten erhält am Ende der Challenge einen Buchgutschein im Wert von 15,- €
  • Ein weiterer Buchgutschein über diesen Betrag, wird unter allen Teilnehmer*innen, die jeden Monat mitlesen, verlost.
  • Die Challenge läuft vom 1.10.2020 - 31.03.2021

Noch Fragen? Immer her damit. 

Ich gehe jetzt mal Reihen raussuchen und fotografieren, die ich während des Challengezeitraums lesen möchte, damit ich sie dir demnächst in einem weiteren Beitrag vorstellen kann.

Ich freue mich auf dich und bin gespannt auf die Reihen, die gelesen werden (damit ich welche kaufen und neue beginnen kann 😋 )

06.09.20

Four Dead Queens | Astrid Scholte



 „Sei schnell und noch schneller wieder weg“, das ist das Motto von Keralie Corrington, Taschendiebin aus Quadara. Im Regierungsbezirk von Quadara stiehlt sie dem Boten Varin Erinnerungschips – ein begehrtes Gut auf dem Schwarzmarkt. Allerdings muss sie feststellen, dass es sich keinesfalls um leere Chips handelt: Unfreiwillig wird sie Zeugin, wie Quadaras vier regierende Königinnen ermordet werden. Keralie und Varin werden unfreiwillig zu Spielbällen einer weitreichenden Verschwörung. Zusammen versuchen sie, den Strippenziehern zu entkommen und deren Pläne zu vereiteln.
(Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


Was wäre, wenn wir uns in unserem Leben auf eine Sache fokussieren müssten? Wenn wir nur Technik oder nur Natur zulassen dürften? Alles, um des Friedens Willen, also um ein höheres Ziel zu verfolgen, uns selbst aber möglicherweise dafür aufgeben müssten. Es sind diese Gedanken, die Astrid Scholte mit ihrem Phantastik Roman bei mir anstößt. Gedanken, die mich auch nach dem Lesen begleiten und das Buch nachhaltig werden lassen.

Grund dafür ist das Setting. Vier Königreiche, jedes mit einem bestimmten Fokus, abhängig voneinander, weil sie nur als Ganzes funktionieren. Um den Frieden zu wahren, herrscht über jedes Königreich eine Königin, die im Königreich ihrer Geburt, aber nicht in unmittelbarer Nähe zur Mutter aufwachsen muss. Alle vier Königinnen leben in einem Palast, um dort unabhängig, aber gemeinsam zu regieren.

Als eine der Königinnen ermordet wird, gerät der Palast in Aufruhr. Gibt es einen Maulwurf? Hatte die Königin Feinde? Sind möglicherweise auch die anderen Königinnen in Gefahr?

Der Palast der Königinnen ist nur eine Erzählebene. Die andere ist die Geschichte der Taschendiebin Keralie Corrington, die von den Morden erfährt. Scheinbar ist es schon zu spät noch etwas zu tun und eigentlich würde sie die Sache am liebsten vergessen. Doch es steckt mehr Herz in ihrem harten Kern, als sie ahnt. Gemeinsam mit dem Boten Varin sucht sie nach dem Mörder / der Mörderin.

Scholte schafft es eine komplexe Geschichte sehr süffig zu erzählen. Keine Schnörkel, keine Ausführungen, in die ich mich verlieren kann, sondern Tiefe, Spannung, Überraschungen.

Die Figuren sind extrem eingängig, auch wenn ich an einem gewissen Punkt nicht mehr wusste, wem ich noch glauben soll. Keralie ist eine Heldin, wie ich sie mag. Kantig, mutig, mit dem Herz am rechten Fleck. 

Die Königinnen sind sehr interessante Protagonistinnen. Während des Lesens geistert die Frage in meinem Kopf herum wie gut wohl eine Herrscherin sein kann, wenn sie ohne die Wärme der eigenen Familie aufwächst? Wenn sie das eigene Kind hergeben und keinen Kontakt dazu hat? Wenn sie eine*n Partner*in lediglich zur Fortpflanzung wählen darf, aber keine emotionale Bindung eingehen darf? 

Wie empathisch kann solch eine Königin herrschen? Oder ist Empathie gar nicht nötig, um für das Wohl und die Sicherheit eines Volkes zu sorgen, sondern rationales Denken?

Ich mag es sehr, dass Scholte mich so zum Nachdenken bringt und bin ein bisschen traurig darüber, dass sie diese Gedanken etwas wenig in die Auflösung der Geschichte einfließen lässt. Es ist okay, aber meiner Meinung nach wäre mehr drin gewesen. Trotzdem ist "Four Dead Queens" ein spannender Fantasyroman mit starken Frauenfiguren und guten Ideen, den ich sehr gerne gelesen habe und genauso gerne weiterempfehle.


Buchinfo:

Piper (2020)
448 Seiten
Klappenbroschur
16,00 €
Übersetzung: Diana Bürgel


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

04.09.20

Ramona Blue | Julie Murphy




Ramona war erst fünf Jahre alt, als der Hurrikan Katrina ihr Leben für immer veränderte. Seitdem scheint es, als habe sich die Welt gegen sie und ihre Familie verschworen. Mit ihrer außergewöhnlichen Größe von 1,80 Metern und ihren unverwechselbaren blauen Haaren, sind für Ramona drei Dinge sicher: Sie mag Mädchen, sie ist der totale Familienmensch, und sie weiß, dass sie für etwas Größeres bestimmt ist als für ein Leben in dem Wohnwagen in Eulogy, Mississippi, den die Familie ihr zu Hause nennt. Ramona jongliert mit mehreren Jobs, ihrer exzentrischen, unzuverlässigen Mutter und ihrem gutmeinenden, aber überforderten Vater, und ist so gezwungen, die Erwachsene in der Familie zu sein. Jetzt, mit ihrer schwangeren Schwester Hattie, wiegt die Verantwortung schwerer als je zuvor.

Die Rückkehr ihres Jugendfreunds Freddie ist somit eine willkommene Ablenkung. Ramonas Freundschaft mit dem ehemaligen Wettkampfschwimmer geht genau da weiter, wo sie damals aufhörte, und bald hat er sie überredet, mit ihm im Becken ihre Bahnen zu ziehen. Als Ramona ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt, beginnen sich auch, ihre Gefühle für Freddie zu verändern, was sie so gar nicht erwartet hätte. Mit ihrer wachsenden Zuneigung für Freddie, die ihre sexuelle Identität in Frage stellt, beginnt Ramona sich zu fragen, ob sie vielleicht Mädchen und Jungs mag oder ob diese neue Anziehung womöglich gar nichts damit zu tun hat. Auf jeden Fall wird Ramona erkennen, dass sich das Leben und die Liebe meist ähnlich anfühlen wie das Wasser, durch das sie ihre Bahnen zieht – fließend und veränderlich.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Obwohl ich Julie Murphys Debüt "Dumplin'" schon sehr mochte, konnte mich die in Texas lebende Autorin mit "Ramona Blue" überraschen. Mit einer großartigen Protagonistin hatte ich gerechnet. Dass sie so ein tiefes, intensives Setting bauen, dass sie so lässig über Homosexualität schreiben und mich mit einer sehr besonderen Liebesgeschichte, auf die ich mich zuerst gar nicht einlassen wollte, so sehr rühren würde, damit habe ich nicht gerechnet.

Ramonas kämpft mit den typischen Problemen eines jungen Mädchens, das irgendwie auf der Schwelle zwischen Teenager und erwachsen sein steht. Und gleichzeitig ist sie so wenig Stromlinienförmig und als Protagonistin abgedroschen, dass ich sie vom ersten Moment an in mein Herz schließe.

Ihr Alltag ist nicht gerade leicht. Sie hält sich mit diversen Jobs über Wasser, denn für Ausgaben wie Kleidung oder College, haben ihre Eltern kein Geld. Die leben getrennt, zur Mutter hat sie wenig Kontakt, zum Vater ein inniges Verhältnis. Gemeinsam mit ihm, ihrer Schwester Hattie und deren Wanzenartigem Freund Tyler, lebt sie in einem viel zu engen Trailer. Hurrikan Katrina hat ihr Elternhaus und die Ehe ihrer Eltern zerstört, Ramonas Leben für immer verändert.

Ramona leidet unter Liebeskummer. Was für sie wie eine Sommerromanze begann, fühlte sich zum Ende des Sommers nach großer Verliebtheit an. Für das andere Mädchen, das zum ersten Mal gleichgeschlechtlich geküsst hat, ist es eher kompliziert. Neben dem akuten Problem der Sehnsucht, trifft sie ein andere Belastung viel mehr. Sie leidet unter einer Verschiebung der Eltern-Kind-Fürsorge. Sie ist vernünftig, empathisch, verantwortungsbewusst. Übernimmt die Rolle der Mutter (und des Vaters), obwohl sie die Jüngste der Familie ist. 

"...aber der Gedanke, dass ich jemandes beste Freundin bin, erfüllt meine Brust mit Sommer."


Erst als Freddi, ihr Kumpel aus Kindertagen wieder auftaucht, und aus ehemaligen Spielereien eine Freundschaft erwächst, und beide gemeinsam zum Schwimmtraining gehen, hat Ramona das Gefühl ein bisschen Last abgeben zu können. Trotzdem bleibt sie das Mädchen aus der sozial schwachen Familie. Ohne Zukunft. Ohne Hoffnung. Mit einem Haufen verrückter Freunde und einem Riss im Herzen.

Murphy hat eine ganz wunderbare Geschichte geschrieben, die mich von der ersten Seite an gepackt und auf den letzten Seiten zu Tränen gerührt hat. Diese starke Protagonistin, die so viel Last auf ihren Schultern trägt und innerlich einfach ein Mädchen ist, das Erfahrungen sammeln, das etwas vom Leben sehen, lernen und geliebt werden möchte. Ich liebe dieses von Murphy geschaffene Konstrukt so sehr, dass ich "Ramona Blue" ganz unbedingt empfehlen möchte. 

Murphys Erzählton ist lässig, unaufgeregt, mit viel Tiefe und Herz und obwohl an einigen Stellen vorhersehbar ist, was passieren könnte, fühle ich mich nie in einem künstlich herbeigeführten Konstrukt, sondern immer im Gefühl, dass die Geschichte einfach so weitergehen muss, wie sie weitergeht. Weil das so sein muss. Weil das so sehr Ramona ist. Weil das passt und weil Murphy mit so viel Herz diese Geschichte geschrieben hat, dass ich auch mein Herz an "Ramona Blue", an den kompletten bunten und verrückten Haufen liebenswerter Figuren verloren habe.


Buchinfo:

400 Seiten
Gebundene Ausgabe 18,99 €
Übersetzung. KATTRIN STIER


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

03.09.20

Büchershopping: Regalfutter aus der Buchhandlung Jakobi in Frankenberg

Seit Montag sind wir erkältet. Beim kleinen Räubermädchen fing es mit Schniefnase an, bei mir geht es mit Halsweh weiter. Ich hoffe, die beiden anderen Familienmitglieder bleiben verschont. Dazu ein Auf und Ab der Temperaturen, Dunkelheit in den frühen Abendstunden und die nahende Gemütlichkeit des Herbstes.

Was liegt näher, als neue Bücher zu kaufen?


Da uns der Herbstschuhkauf der Räubermädchen sowieso ins nahe gelegene Frankenberg lockte, war ein Besuch der Buchhandlung unabdingbar. Die Inhabergeführte Buchhandlung Jakobi (weitere Läden in Marburg) ist richtig gut sortiert. Aktuelle Neuerscheinungen finden Platz neben Schätzchen der Backlist, die Sachbuchabteilung ist richtig gut bestückt von Kochen über Natur bis hin zu Büchern, die der aktuellen Rassismus Debatte Feuer geben.

Die Kinderbuchabteilung ist sehr liebevoll gestaltet. Eine kleine Sitzbank lädt zum Schmökern ein und die Auswahl an Kinderbüchern ist richtig gut. Wenn wir dem Wunsch der Räubertochter gefolgt wären, hätten wir bis in die späten Abendstunden Zeit zwischen den Regalen verbracht. Keine Ahnung von wem sie das hat...




Ich habe mir diesmal ausschließlich Bücher von meiner Wunschliste gekauft. Es gab zwar noch viele weitere tolle Bücher in der Auslage, aber irgendwie musste ich mich ja entscheiden.

Ich liebe die Naturbilderbücher von Katrin Wiehle. Bei Beltz & Gelberg ist eine neue Reihe der Autorin erschienen und "Ich bin das Eichhörnchen" passt so gut in die Herbstzeit, das ich es unbedingt mitnehmen musste. 

"Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay, ist schon seit erscheinen des Buches auf meiner Wunschliste. Die Aktivistin beschreibt wie Sprache unser Denken prägt. Ein Thema, das mich sehr interessiert.


"Sterne leuchten nur im Dunkeln", das Debüt der sympathischen Autorin Meike Werkmeister, konnte mich so begeistern, dass ich auch ihren neuen (nicht mehr so ganz neuen) Roman "Über dem Meer tanzt das Licht" lesen möchte.

Auf Instagram bin ich Mitglied des virtuellen Lesekreises "Marias Lesekreis", gegründet von der Berliner Buchhändlerin und Moderatorin Maria-Christina Piwowarski. Im Abstand von 6 Wochen stellt sie vier Bücher zur Auswahl. Unter diesen Büchern wird abgestimmt und das Buch mit den meisten Stimmen wird das Lesekreis Buch. Diesmal standen zur Auswahl "Alte Sorten" von Ewald Arenz, "Die Mütter" von Brit Bennett (Übersetzung: Robin Detje), "Heiße Milch" von Deborah Levy (Übersetzung: Barbara Schade) und "Von Verschlungenen verschlungen" von Réjean Ducharme (Übersetzung: Till Bardoux). Bis auf Letzteres interessieren mich alle, weshalb ich die anderen drei gekauft habe. Lesekreistitel ist übrigens "Alte Sorten", das schon länger auf meiner Wunschliste stand.


Der Kampa Verlag hat mit Kampa Pocket bereits erschienene Werke von starken Autorinnen in neuem, klimaneutralem Gewand veröffentlicht. Darunter z.B. Virginia Woolf, Astrid Rosenfeld, Deborah Levy und Olga Tokarczuk. Die Gestaltung ist so wunderschön, dass ich neben "Heiße Milch" noch ein weiteres Exemplar vom Büchertisch adoptieren musste. Auch "Gesang der Fledermäuse" ein Roman der polnischen Literaturnobelpreis Gewinnerin Olga Tokarczuk (Übersetzung: Doreen Daume) ist ein Titel meiner Wunschliste.



Auf dem Rückweg zum Parkplatz machten wir noch einen kleinen Abstecher durch einen kleinen Park an der Eder. Die pöbelnden Jugendlichen konnten mich nicht davon abhalten dort schon mal ein paar Bücherfotos zu machen und die Abendsonne zu inhalieren. Am liebsten wäre ich dort sitzen geblieben und hätte in meine neu erworbenen Schätze reingelesen.

01.09.20

Melnitz | Charles Lewinsky



 

Als 1871 nachts ein entfernter Verwandter an die Tür der Meijers klopft, ahnt keiner in der Familie, wie radikal sich ihr Leben ändern wird. Janki Meijer, aus der französischen Armee entflohen, mischt die Familie des Viehhändlers Solomon Meijer, der im Judendorf Endingen für Ehrlichkeit steht, gehörig auf.

Wie sich die Geschichte dieser weit verzweigten jüdischen Familie bis ins Jahr 1945 entwickelt, erzählt Lewinsky mit einer solchen Gestaltungskraft, dass der Leser unweigerlich zu einem bangenden und hoffenden Teil der Familie wird.
(Text & Cover: © Nagel & Kimche / DTV; Foto: N. Eppner)

Zwei Jahre stand "Melnitz" ungelesen im Regal, obwohl ich es sofort kaufen musste, als es mir von einer Autorin empfohlen wurde. Charly Lyne, die sich als Gegnerin des Faschismus sieht, sagte auf einer Lesung, dass sie versuche zu verstehen wie Faschismus entsteht. Seit dieser Aussage lese ich uneingeschränkt was sie empfiehlt. "Melnitz" ist sicher eins dieser Bücher, die zum Verstehen der Prozesse beitragen kann.

Eigentlich ist "Melnitz" eine Familiensaga. Eine großartige Familiensaga, die zunächst einmal hoffnungsvoll beginnt. Als ein neues Familienmitglied zur zusammengewürfelten, aber eingeschworenen Bande hin zustößt, sieht man ihm zuerst mit Skepsis entgegen, später bekommt er die Herzenswärme zugeteilt, die jeder einzelne Person der Familie in der entsprechenden Portion zugedacht ist. Man verliert sich in Geschichten und Fantasien, verliert ein wenig den Blick auf die Realität und ahnt nicht, welchen Rattenschwanz dies mit sich zieht.

Dem Familienstammbaum wachsen neue Zweige. Hoffnung und Fleiß sind ebenso Dünger wie Abneigung und Neid. Alles auf einem Boden aus Unsicherheit und Argwohn.

Es wird viel geredet (hier kommt Lewinskys trockener Humor zum Tragen), manchmal miteinander, häufig aneinander vorbei. Das Schicksal geht seine Wege und ab und an darf eins der Familienmitglieder in die gleiche Richtung gehen. Die Dramatik spitzt sich zu. Wir alle wissen, was jüdische Menschen in den 30er und 40er Jahren erwartet. 

Über mehrere Generationen erzählt Lewinksy die Geschichte einer jüdischen Familie. Berichtet von Konflikten, die durch Generationenwechsel und Traditionen entstehen, von Strukturen, die sich durch Familie und Religion ergeben und von der Ablehnung Menschen jüdischen Glaubens. 

Mit viel Charme, einem gewissen Humor und Stärke und geprägt von Dialogen, denen ich ewig folgen könnte, wird "Melnitz" zu einem Werk großer Erzählkunst. Durch das Einfließen historischer Fakten gewinnt der Roman an Authentizität.

Vordergründig eine große Familiengeschichte, trägt "Melnitz" viel Kritik in sich. Onkel Melnitz, eine fiktive Figur, die immer wieder daran erinnert, mit welchem Argwohn die Mitbürger den Juden gegenüberstehen, ist der rote Faden der Geschichte. Hass und Ablehnung gegenüber Juden ist kein Ding des Zweiten Weltkriegs und ist mit Kriegsende auch nicht verschwunden. Das verdeutlicht Lewinsky indem er skizziert auf welchen teils banalen, teils albernen Begründungen die Verachtung gegenüber Juden fußt. 

"Melnitz" dient der Unterhaltung, aber vielmehr noch der Aufklärung. Dem Aufrütteln und Infrage stellen von lang übermittelten Werten, Traditionen und Überzeugungen.

Eine ganz große Leseempfehlung für Lewinskys "Melnitz"!

Buchinfo:

DTV (2007)
784 Seiten
Taschenbuch 
16,90 €

04.08.20

[Monatsrückblick] Juli 2020





Der erste Monatsrückblick, der nicht mehr unter Fantasie und Träumerei, sondern Nannis Räuberleben online geht. Ich fühle mich so wohl mit dem nicht mehr ganz neuen Namen, den ich auf Instagram schon seit letztem Sommer benutze, und vor allem mit meinem neuen Logo, dass so hübsch und absolut Nanni ist. 

Am Seitenlayout, Linklisten, Labels usw. muss ich noch ein bisschen arbeiten. Hier fehlt noch ein wenig Feinschliff, aber dazu werde ich erst in der nächsten Zeit kommen.





Im Juli haben wir sehr, sehr viel Zeit im Stall verbracht. Ich habe meine Reitschülerinnen auf Reitabzeichenprüfungen vorbereitet und selbst ziemlich viel trainiert, was sich zu meiner Freude, bemerkbar macht. Sowohl meine, als auch Peppers Körperspannung, Ausdauer und Feinfühligkeit haben sich verbessert.




Die Räubertochter durfte im Juli endlich wieder in den Kindergarten. Große Freude.
Der Wiedereinstieg wurde von den Erzieherinnen und Erziehern liebevoll gestaltet. Trotz aller Sonderregelungen, die nach wie vor bestehen, fühlen sich die Kinder sichtlich wohl.




Hier auf dem Land merken wir die Corona Einschränkungen gar nicht so stark. Wir verbringen viel Zeit an der frischen Luft, gehen sonntags wandern, reiten oder Fahrrad fahren. Das war schon vor dem Lockdown so. Indoor Angebote nahmen wir wenig wahr. Im Juli mussten wir mit dem kleinen Räubermädchen in die Kinderklinik (nichts dramatisches, wie sich später herausstellte). Dort wurde mir nochmal so richtig bewusst, wie sehr Corona teil des Alltags ist und wie gut wir es auf dem Land haben. 

Ich habe im Juli recht fleißig gelesen, aber kaum Zeit gefunden Rezensionen zu schreiben. Hier stapeln sich mindestens 10 Bücher, die unbesprochen sind. Ich hoffe sehr, dass ich das in der kommenden Woche endlich mal nachholen kann. 

Chaos SuB



JULI:

39) "Die Spiegelreisende. Die Verschwundene vom Mondscheinpalast" | Christelle Dabos | Suhrkamp
40) "Ein anderes Brooklyn" | Jaqueline Woodson | Piper
41) "Daisy Jones & The Six" | Tara Jenkins Reid | Ullstein
42) "Glück & los. Lina und die Sache mit den Wünschen | S. Fischer
43) "Das Schwert der Totengöttin" | Katharina V. Haderer | Knaur Fantasy
44) "Swing Time" | Zadie Smith | KiWi




Alle im Juli gelesenen Bücher waren richtig gut. Jedes auf seine Art.

"Die Spiegelreisende. Die Verschwundene vom Mondscheinpalast"  von Christelle Dabos (Übersetzung: Amelie Thoma) war mein erster Ausflug ins #dickebüchercamp.
10 Tage lang war ich auf der Arche Pol unterwegs. Eine spannende Zeit, in der meine Reisebegleitung Ophelia zur Vize-Erzählerin gekürt wurde und Drohbriefe kam. Dass ihre chaotische Verwandtschaft anrückte, nahm dem Aufenthalt dort keinerlei Turbulenzen. Der zweite Teil der "Die Spiegelreisende"- Reihe ist super. Eine perfekte Fortsetzung. Es macht so viel Freude in diese Welt einzutauchen und richtig fesselnd ist die Story auch. Am besten gefallen mir die, zum Teil sehr skurrilen, Charaktere.
Klare Leseempfehlung auch für Nicht-Fantasy-Leserinnen und- Leser.





"Ein anderes Brooklyn" von Jacqueline Woodson (Übersetzung: Brigitte Jakobeit) ist in der letzten Runde des Instagram Lesekreises Mariaslesekreis ausgewählt worden. Ein großartiger Roman. Fast poetisch, sehr eindringlich erzählt. Die Skizze einer Jugend, die mit all ihren Facetten, Höhen wie Tiefen, starken Belastungen durch Herkunft, Familie und gesellschaftlichen Strukturen unter die Haut geht. So kraftvoll erzählt, dass die Geschichte regelrecht spürbar ist.




"Daisy Jones & the Six" von Tara Jenkins Reid (Übersetzung: Conny Lösch) ist - trotz vieler Empfehlungen - ein unerwartetes Highlight. Die Geschichte einer fiktiven Band, so realistisch und gleichzeitig kunstvoll erzählt, dass ein wahrer Sog entsteht. Was mich besonders beeindruckt ist, wie gekonnt Zwischenmenschliche Höhen und Tiefen, Brüche, Sehnsüchte, wunde Punkt und dunkle Flecken, Hoffnungen und Ängste auf den Punkt gebracht werden. Jenkins Reid wählt das Interview als Erzählform und landet damit einen Treffer. Achtung! Der Wunsch 70er Jahre Musik zu hören steigt mit jeder Seite.




"Glück & Los. Lina und die Sache mit den Wünschen" ist die zweite Reihe von Autorin Dagmar Bach und wieder genau so herzlich, lesenswert und lustig, wie die "Zimt"-Bücher. Ich scheue hier keinen Vergleich mit Kerstin Gier (vom Inhalt vielleicht etwas kindlicher) und genieße die Freude, die beim Lesen von Bachs Büchern aufkommt.




"Das Schwert der Totengöttin" hat mich hin und hergerissen. Spannend erzählt, spritzige Dialoge, richtig gute Charaktere, aber - und das wusste ich dank des Klappentextes im Vorfeld - all diese Untoten. Das ist ja eigentlich so gar nicht meins. Als dann ein Baby totgeboren wurde und dann wieder zum Leben erwachte, überlegte ich ernsthaft, ob ich abbrechen sollte. Dafür ist mein Gemüt nicht geeignet. Aber Katharina V. Haderer schreibt einfach zu gut, um zur Seite gelegt zu werden. Band 2 "Der Garten der schwarzen Lilien" wird also auch bei mir einziehen.




"Swing Time" von Zadie Smith (Übersetzung: Tanja Handels) wurde mir schon mehrfach empfohlen. Zu Recht. Ein guter, klarer Roman über Freundschaft, Herkunft, Verantwortung und Schicksal. Mein erstes Buch der britischen Autorin Zadie Smith, aber ganz sicher nicht mein letztes.





Wie war dein Lesemonat Juli? Welcher Roman war dein Highlight?

Neben Romanen, habe ich auch ein Kochbuch und einen Ratgeber gelesen und besprochen. "Trau dich, Mut steht dir!" ist das neuste Buch von Vanillamind Autorin Melina Royer, deren Coachings ich schon lange verfolge. Zusätzlich zum Buch gibt es tolle Karten zur täglichen Inspiration.




Das "Wald-Kochbuch" von Bernadette Wörndl passt perfekt zu meiner Familie und unserer Ernährung. Rezepte mit Zutaten aus dem Wald, Ideen zum Selbermachen, Tipps zu Pflanzen, die ich sammeln und weiterverarbeiten kann. Z.B. zu sehr leckerem Holunderessig.




Im Juli:
 
...hat der Herzensmann ein tolles Waldsofa gekauft...


...sind die Kinder gemeinsam geritten...

...haben wir endlich mal wieder den Herzensplatz & Herzensmenschen besucht...

...wurde manchmal gekocht...

...haben wir einen ziemlich grünen Gartenbewohner entdeckt...

...uns über Blumen vorm Haus gefreut...

...und Bienen...

...haben wir Scharfgarbe gesammelt...

...mit Ponys gekuschelt...

...am Lagerfeuer gesessen...

...im Bach gespielt...

...Johannisbeeren gegessen...

...eine Rankhilfe für die Erbsen gebaut...