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06.11.16

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Nadine Erdmann



Beschreibe dich bitte kurz selbst (Name, was machst du, in welcher Verbindung stehst du zu Büchern / der Literatur).

Mein Name ist Nadine Erdmann und ich bin Jugendbuchautorin. In meinen "CyberWorld"-Geschichten lasse ich meine Protagonisten nicht nur gegen virtuelle Monster antreten, sondern sie müssen sich auch im echten Leben einigen Herausforderungen stellen, weil manchmal Schicksalsschläge die grausamsten Monster überhaupt sind.


(c) Nadine Erdmann


  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst? 

    Mein absolutes Lieblingsbuch als Kind war "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren. Prinzessin war nie so meins, ich wollte immer Räubertochter werden – und das hat sich bis heute auch nicht geändert. ;o)

    Ich mochte aber auch die "Rätsel um …" und "Geheimnis um …" Bücher von Enid Blyton und später kamen dann "Die drei Fragezeichen" und die "Burg Schreckenstein"-Reihe von Oliver Hassencamp dazu. Ich war ständig in unserer Stadtbücherei und hab die Bücher rucksäckeweise nach Hause geschleppt.

  2. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten?

    Ich habe nicht "das eine Lieblingsbuch", von dem ich denke, dass es unbedingt jeder lesen muss. Wenn ich Bücher empfehle oder verschenke, gehe ich eigentlich immer eher von der zu beschenkenden Person aus und was ihm oder ihr gefallen könnte, denn das muss ja nicht unbedingt das sein, was mir auch am besten gefällt.

    Das Buch, das mich bisher in diesem Jahr aber am meisten beeindruckt hat, ist "S. – Ship of Theseus" vom fiktiven Autor V.M. Straka, das Doug Dorst und J.J. Abrams herausgebracht haben. Es ist definitiv nicht einfach zu lesen und man muss sich darauf einlassen, aber wenn man es tut, ist es ein wirklich einmaliges Leseerlebnis, das mich ziemlich fasziniert hat.

  3. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?

    Das Eintauchen in fremde Welten und andere Leben. Neue Sichtweisen kennenzulernen, fantastische Abenteuer zu bestehen, mich vor Geistern zu gruseln, mit Charakteren mitzufiebern, mitzulachen, mitzuleiden … Lesen ist einfach wahnsinnig abwechslungsreich, intensiv und spannend und es fällt mir immer schwer, mir vorzustellen, dass nicht jeder das von morgens bis abends tun möchte. Außer man schreibt selbst Geschichten. Schreiben ist eine fanstatische Alternative, all das Obengenannte zu erleben – nur mit dem zusätzlichen Bonus, dass man dabei selbst Regie führen kann. ;o)

  4. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?

    Mir ist Authentizität sehr wichtig. Das, was ich lese, muss für mich glaubhaft und "ehrlich" sein. Dabei darf es gerne ein bisschen schräg oder "anders" sein, aber nicht gekünstelt, sondern es muss einfach "echt" sein, mich neugierig machen und mich auf irgendeine Weise ansprechen und berühren. Und ich muss die Figuren mögen. Wenn die Charaktere mich nicht mitnehmen, hat die Geschichte meistens leider verloren.

  5. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?

    Einzelne Wörter, die ich in Rezensionen nicht mag, gibt es eigentlich nicht. Jeder, der schreibt (egal was), hat seinen eigenen Stil und dafür soll er die Worte benutzen, die er will. Was ich dagegen nicht mag, sind Aussagen wie: "Das kann der Autor besser". So was finde ich ziemlich anmaßend. Schwierig finde ich auch, wenn sich (erwachsene) Leser*innen in Rezensionen drüber beschweren, dass es in einem Jugendbuch um Jugendliche und ihre Probleme geht. Oder dass in einer Serie am Ende des ersten Teils nicht alle Fragen beantwortet, sondern – im Gegenteil – noch neue aufgeworfen werden. Natürlich hat jeder ein Recht auf seine eigene Meinung, aber einem Buch vorzuwerfen, dass es Genre oder Zielgruppen typische Merkmale aufweist oder Stilmittel einsetzt, finde ich daneben.

  6. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht?

    Ich bin eine totale "Figurenleserin". Wenn mich die Figuren einer Geschichte nicht packen, hat die Geschichte leider verloren, egal, wie packend der Plot vielleicht auch sein mag. Dabei mag ich Figuren, die mir gleich auf den ersten Seiten ans Herz wachsen, genauso sehr wie Figuren mit Ecken und Kanten, mit denen ich mich zusammenraufen muss. Aber wenn Charaktere mir völlig egal bleiben, sind mir leider meistens auch ihre Geschichten ziemlich schnell egal und ich breche Bücher ab. Gleiches gilt, wenn Figuren mich total nerven oder wütend machen. Deren Geschichten haben meistens leider auch keine Chance bei mir und da würde ich mir ab und an ein bisschen mehr Geduld wünschen.

  7. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?

    Ich persönlich finde das, was in der Szene gerade "in" ist, immer etwas schwierig, denn meistens wird man dann innerhalb kürzester Zeit von diesen "Trendthemen" dermaßen überschüttet, dass mir daran ganz schnell die Lust vergeht.

    Eine der positivsten Entwicklungen der letzten Jahre ist für mich aber nach wie vor der eReader. Ich mag Bücher zwar sehr gerne auch "oldschool" auf Papier, aber da ich viele Bücher im Original auf Englisch lese, war es früher oft ziemlich mühsam, an diese heranzukommen. Meist hieß es im Buchhandel: "Haben wir leider nicht." Dann mussten sie kompliziert über irgendwelche Großhändler im Ausland bestellt werden und man hat ewig darauf warten müssen. Heute geht das alles viel entspannter. Die Bücher landen mit einem Klick auf meinem Reader und ich kann loslesen. :o)

Vielen Dank, liebe Nadine, für deine spannenden Antworten.


Bücher der Autorin:


 




09.09.16

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Adriana Popescu



Beschreibe dich bitte kurz selbst (Name, was machst du, in welcher Verbindung stehst du zu Büchern / der Literatur).

Mein Name ist Adriana Popescu, ich bin Schriftstellerin und Teilzeit-Nerd. In meinen Jugendbüchern schicke ich junge Leute auf abenteuerliche Reisen, während in meinen Erwachsenenromanen oft Stuttgart Schauplatz ihrer turbulenten Leben ist. Bücher sind also per se ein großer Teil meiner Realität. Und dann macht es natürlich viel Spaß die Dinge zu lesen, die meine Kollegen schreiben.

(c) Notker Mahr

  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?
In meiner Kindheit habe ich tatsächlich hauptsächlich die Bücher von Enid Blyton gelesen. Die 'Geheimnis um ...'-Bücher habe ich geliebt, dann natürlich auch '5 Freunde' und ziemlich viele TKKG-Bücher. Ich habe es geliebt mit ihnen auf den Buchseiten Abenteuer zu erleben.

  1. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten??
Jeder, der mich kennt, weiß genau, dass die Antwort auf diese Frage 'The perks of being a wallflower' von Stephen Chbosky lautet. Ich werde nie müde dieses Buch zu empfehlen. Als ich es damals gelesen habe, fand ich es so großartig, dass ich es vielen meiner Freunde geschenkt habe. Das tue ich auch heute noch.

  1. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?
Das gleiche Gefühl wie damals, als ich ein Kind war: Dinge erleben, die ich ohne die Bücher, die Figuren und die Geschichten wohl nie erleben dürfte. Sei es nun die große Liebe, ein großes Abenteuer oder ein Studienjahr in Hogwarts. Es ist einfach eine nie enden wollende Faszination, die jedes mal zuschlägt, wenn ich ein Buch kaufe.

  1. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?
Es muss mich unterhalten. Je nach Genre erwarte ich natürlich andere Dinge. Manchmal reicht es mir, wenn ich tollen Charakteren folgen darf. Da rückt die Handlung eher in den Hintergrund. Oder es ist die Handlung, die mich komplett umhaut, dann können auch die Figuren austauschbar sein. Ich will schöne Liebesgeschichten zum träumen und weinen, ich will spannenden Fälle bei englischen Geheimdienst oder eben ein bisschen Magie.

  1. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?
'Unrealistisch'. Das mag albern klingen, aber ich mag es nicht, wenn Romane aus dem Bereich Fiktion mit diesem Attribut abgeschlachtet werden. Vieles muss in Büchern schneller passieren, als im wahren Leben. Sei es nun eine Liebe oder eine Ermittlung in einem Mordfall. Ich erwarte keine Dokumentation oder eine Reportage. Deswegen finde ich es schade, wenn viele Rezensenten da urplötzlich ein gesteigertes Realismusverlangen entwickeln.
Ansonsten sind Rezensionen ja immer sehr subjektive Wahrnehmungen und da sollte jeder auch die Worte benutzen können, die er will.

  1. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht?
Gerade merke ich, wie mich ein Buch unglaublich anödet und nervt. Dennoch schaffe ich es nicht, es abzubrechen. Ich breche einfach so gut wie nie Bücher ab, selbst dann nicht, wenn mich alles nervt. Das würde ich gerne abschaffen.

  1. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?

Ich denke, es ist einfach großartig, dass Leute wieder mehr lesen. Ob nun auf Papier ganz 'oldschool' oder auf dem eReader. Nicht jeder Buchtrend ist auch meiner, manche kann ich nicht verstehen und bin überrascht, wieviele Leser sich so begeistert zeigen. Doch das einzige, was wirklich zählt, ist die Tatsache, dass die Leute lesen. Ich wünschte mir sehr, dass das Lesen in der Schule wieder mehr Spaß machen würde, vielleicht ein paar Klassiker aussortieren und durch neue ersetzen. Aber alles in allem freut es mich als Schriftsteller natürlich, dass die Leute lesen, sich in Büchercommunities austauschen, Buchblogs führen und so zahlreich zu Buchmessen anreisen. Das zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.


Vielen Dank, liebe Adriana, für deine spannenden Antworten.


Bücher der Autorin:


Me1 Me1 Me1


  




Adriana als Carrie Price:

  

24.06.16

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Autorin Claudia Balzer



Mein Name ist Claudia Balzer und ich bin Autorin, Leserin und Fangirl mit Leib und Seele. Bücher spielen bereits mein ganzes Leben eine große Rolle. Meine Eltern haben mich immer mit Bücher versorgt und gute Noten wurden mit neuem Lesefutter belohnt. Mit vierzehn oder fünfzehn tauchte ich in die Welt der Fanfiction ein und kam darüber selbst zum Schreiben. Mein erstes Werk war eine Geschichte um Lily und James Potter, die ich heute niemanden mehr zumuten würde (und auch auf irgendeiner längst vergessenen Festplatte tummelt). Danach konzentrierte ich mich zunächst aufs Zeichnen, bis ich 2012 zu den Wörtern zurück fand, weil ich nichts Gutes mehr zu lesen finden konnte. Seitdem habe ich bei Forever by Ullstein drei Bücher veröffentlichen dürfen.

(Bildrechte: Claudia Balzer)


  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?
Ich bekam mein erstes Harry Potter Buch mit etwa elf Jahren und mehr Worte bedarf es dazu fast gar nicht, oder?
Ich bin noch die Generation, die lange bis zur Veröffentlichung des nächsten Bandes warten musste. Jahre! Verflucht lange Jahre! Die Bücher erschienen immer um meinen Geburtstag herum und in den Jahren einer Veröffentlichung habe ich mein Älterwerden mit lesen gefeiert. (Nur um spätestens am nächsten Tag das jahrelange Warten neu zu starten.)
J K Rowling hat mich damals vielleicht nicht als Autorin geprägt, aber doch sicher als Mensch und hat ihren Fußabdruck in meinem Charakter hinterlassen.
Es gibt genug Studien, die belegen, dass die Harry Potter Fans die tolerantesten, friedlichsten und aufgeschlossensten Menschen sind.
Und ich hoffe, dass es sich genauso auf mich ausgewirkt hat. Ich versuche tagtäglich diesem Erbe gerecht zu werden.
  1. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten??
Viele wissen, dass Colleen Hoover meine absolute Lieblingsautorin ist. Doch eigenartiger Weise empfehle ich am meisten Left Drowning von Jessica Park. Wäre das deutsche Cover von Amazon nicht so dermaßen unglücklich und unpassend gewählt, würde ich es definitiv auch mehr verschenken. So drücke ich es jedem in die Hand, der gerne englisch liest.
Die Geschichte um Blythe und Chris reibt genau an den richtigen und falschen Stellen.
Sabin, Chris´ Bruder ist mir dabei am meisten ans Herz gewachsen. Er hat inzwischen auch sein eigenes Buch bekommen. Es liegt auch ganz oben auf meinem Stapel, aber auch nach Jahren habe ich Left Drowning noch nicht genug verarbeitet, um mich auf die tiefen Abgründe in Sabins Seele einzulassen. Weil, wenn Jessica Park etwas kann, dann raue, schonungslose Gefühle.
  1. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?
Es gibt vieles, was das Lesen reizvoll macht und für jeden wird es sicherlich etwas anderes sein. Ich habe nicht mal ein festes Genre in dem ich mich bewege. Ich lese fast alles.
Aber wenn ich es auf ein Wort zusammenfassen müsste, wäre es folgendes:
Realitätsflucht.
Als Teenager war es vor allem die Realitätsflucht, die das Lesen für mich so unverzichtbar gemacht hat. Ich hatte eine tolle, liebevolle Kindheit, davor musste ich nicht flüchten, aber bin ich in einem Umfeld aufgewachsen, in denen Bücher, Geschichten und Fantasie nicht so einen Stellenwert haben, wie sie es für mich persönlich haben. In meiner unmittelbaren Umgebung war ich die Einzige, die gelesen hat. Ich habe das einfach nicht verstanden und kann es auch heute nicht wirklich. Sich richtig in einer Story zu verlieren, daraus zu lernen und seinen Emotionen freien Lauf lassen - gibt es etwas schöneres? Ich neige zur Überdramatik, sonst wäre ich kein Fangirl geworden, aber ohne das Lesen wäre ich heute nicht die Person, die ich jetzt bin und das fände ich furchtbar.
  1. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?
Ein wirklich gutes Buch muss mich emotional brechen. Es mag im ersten Moment hart klingen, aber für mich gibt es kaum etwas Schöneres. Nur wenn es mich so mitnimmt, dass mein Herz rast, dass ich weine und mitfiebere, dass ich mich in den Charakter hineinversetzen kann, obwohl wir vielleicht nicht die gleiche Anschauungen teilen, dann ist es ein gutes Buch für mich.
So geschehen bei Left Drowning von Jessica Park, Ugly Love von Colleen Hoover und F*ck Love von Tarryn Fisher und noch so vielen mehr.
Aber ich muss auch gestehen, ich bin von Haus aus ein sehr emotionsgeladener Mensch. Ich kann mich viel zu leicht und viel zu schnell in so ziemlich jeden hineinversetzen, selbst in die Bösewichte und Sympathie entwickeln.
  1. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?
Als Autorin habe ich ehrlich gesagt eine Hassliebe zu Rezensionen und mich nerven nicht wirklich bestimmte Worte. Mich nervt keine Rezension, weil ich mich über jede freue, ob nun gut oder weniger gut. Es gibt jedoch eine Sache, die mich sehr verwundert. 80 % meiner Rezensionen beginnen mit:
„Ich hatte keine großen Erwartungen in das Buch, aber…“
„Ich hatte keine Lust das Buch zu lesen, aber…“
„Ich war auf den typischen NA-Einheitsbrei vorbereitet, aber…“

Es freut mich, dass diese 80 % auch meistens in einer vier bis fünf Sterne Rezension enden und das Buch sie überzeugen konnte, aber es lässt mich immer wieder aufs Neue wundern. Ich weiß nicht wirklich, woher diese Erscheinung kommt, aber es lässt mich schmunzeln.
Und es ruft die alte Bücherweisheit „Don´t judge a book by it´s cover“ immer wieder aufs neue in mein Gedächtnis.


  1. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht.
Wenn ich selbst an einem Buch schreibe, komme ich kaum bis gar nicht zum Lesen. Ich hätte in erster Linie gern erst einmal eine Lesegewohnheit.
Das wäre schön… hach, ich vermisse das Lesen. Das ist wirklich das Einzige, dass mich am Schreiben stört. Die Zeit, in der man Wörter aneinander reiht fehlt beim Lesen.
  1. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?
Ganz klar Gay-Romance.
Ich komme wie gesagt im Ursprung aus dem Fanfiction-Milieu und dort sind Gay-Charaktere das natürlichste auf der Welt und an der Tagesordnung. Es freut mich, dass dieses Genre immer mehr Fuß in den Bücherregalen fasst. Ich habe nie verstanden, warum dieses Thema immer totgeschwiegen, gar nicht erst registriert oder wenn, dann mit einem Mary Sue Charakter besetzt wird und noch seltener ein Happy End findet. Schrecklich.

Als ich mein erstes Buch plante (kein veröffentlichtes, einfach das erste Buch, dass ich je beendet habe), habe ich als erstes ein Gay-Pärchen geschaffen, das in einer glücklichen Beziehung steckt, erfolgreich ist und auch bleibt und nicht nur als Lückenfüller gehandelt hat. Dieses Buch lud ich auf Wattpad hoch und nicht eine einzige Person hatte etwas gegen sie zu sagen. Im Gegenteil. Sie wurden zu einen der Lieblingscharaktere. Für mich ist es daher unverständlich, dass diese Bücher erst jetzt so ins Rollen kommen und plane auch bereits ein eigenes Buch in diesem Genre und ich freue mich so verdammt darauf es zu schreiben, dass es schon weh tut.

Vielen Dank, liebe Claudia, für deine spannenden Antworten.


Bücher der Autorin:


02.04.16

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Die Liebe zu den Büchern



Beschreibe dich bitte kurz selbst (Name, was machst du, in welcher Verbindung stehst du zu Büchern / der Literatur).

Ich bin Petzi, komme aus der Nähe von München und bin hauptberuflich in einer ganz anderen Richtung unterwegs. Bücher liebe ich aber schon, seit ich denken kann und ich liebe die Online-Welt. Deshalb war der Blog nur eine logische Konsequenz.


  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?
Wahrscheinlich ist das so eine typische Antwort. Aber ich mochte sehr gerne Astrid Lindgren. Übrigens bin ich gar nicht so ein Pippi Fan, sondern mochte viel lieber ‚Die Kinder aus Bullerbü‘ und ich habe ganz klassisch auch Hanni & Nanni gelesen. Aber schon mit 11 habe ich heimlich den ersten Thriller verschlungen und habe seitdem eine ganz besondere Liebe zu diesem Genre.

  1. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten??
Das ist im Prinzip die gleiche Frage, wie wenn du mich nach meinem Lieblingsbuch fragst. Und das kann ich auch nie beantworten. Es gibt viel zu viele tolle Bücher, dass ich mich da kaum festlegen kann und auch nicht mag. Und wenn ich Bücher verschenke, dann kommt es sowieso immer auf den Beschenkten drauf an. So, jetzt habe ich mich ganz elegant aus dieser Frage gewunden. 

  1. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?
Entspannen, abschalten, vergessen, den Horizont erweitern, neue Dinge lernen, auf neue Ideen kommen, über Dinge nachdenken, einen anderen Blickwinkel auf manche Dinge bekommen – all das sind Dinge, die ich mit Lesen in Verbindung bringe.

  1. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?
Ein gutes Buch fesselt mich im Idealfall ab der ersten Seite, lässt mich nicht mehr los, zwingt mich die Nächte durchzulesen, bringt mir etwas bei und lässt mich auch nach der Lektüre lange nicht los.

  1. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?
Worte sind es gar nicht unbedingt. Aber „Das Buch ist toll. Lest es!“ mag zwar toll sein, ist für mich aber keine Rezension. Wenn ich Rezension drüberschreibe, dann will ich doch eine etwas fundiertere und aussagekräftigere Meinung lesen.

  1. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht
An meinen Lesegewohnheiten habe ich nichts auszusetzen. Ich würde viel eher die Tatsache ändern, dass ich ganz gerne mal noch schnell auf Instagram und Twitter vorbeischaue und danach eine Stunde vergangen ist und ich immer noch nicht zum Lesen angefangen habe. Schlechte Eigenschaft.

  1. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?

Ich kann es nur aus Bloggersicht beurteilen. Wenn man die jetzige Szene mit der vor vier Jahren vergleicht, liegt hier ein sehr großer Unterschied. Ich finde es spannend dies alles zu verfolgen, interessant wie auch das digitale Lesen immer mehr Einzug hält und bin total neugierig drauf, was da noch kommen wird. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich da noch einige Zeit mit dabei bin. Denn auch die Entwicklung der Wahrnehmung von Literaturblogs ist eine positive Sache, die sich erst in den letzten Jahren so ergeben hat. 

Vielen Dank, liebe Petzi, für deine spannenden Antworten!

26.02.16

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Laura Sonnefeld



Laura Sonnefeld, Feel-Good-Managerin und Kommunikationsbeauftragte bei Edel eBooks und edel & electric. Studierte Philosophie und Literatur in Hildesheim und Berlin, arbeitete als Buchhändlerin (Buchbox Berlin und ocelot) und in verschiedenen Verlagen (z.B. Verlagsgruppe Oetinger) bevor sie im Juli 2015 zu Edel eBooks kam. Seitdem unterstützt sie Karla Paul als Assistenz und geht mit ihrer Liebe zu digitaler Literatur auch beruflich hausieren.



  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?
Ganz klar, Astrid Lindgren! Ich hatte das Glück, mit ihren Büchern aufzuwachsen und somit stets von selbstbewussten und klugen Kinderfiguren umgeben zu sein. Pippi, Lotta und Ronja finde ich heute wie damals klasse. Michel habe ich mir immer als Bruder gewünscht – allerdings hätten wir natürlich in Bullerbü gewohnt. Klar!
  1. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten?
Egal was? Tatsächlich verschenke ich häufig Bilderbücher. „Wo die wilden Kerle wohnen“ am allerliebsten. Wenn es Leute aus der Kulturbranche sind, kaufe ich mit Vorliebe „Vincent“ von Joey Goebel – eine großartige Abrechnung auf die Popkultur! Außerdem möchte ich allen Menschen dort draußen Mascha Kalekos „Das lyrische Stenogrammheft“ ans Herz legen. So könnte es jetzt ewig weitergehen… Aber dies sind definitiv drei meiner Herzensbücher!
  1. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?
Für mich ist es tatsächlich die Flucht aus dem Alltag. Ich lese gerne absurde Geschichten oder Romane mit phantastischen Elementen. Niemals wahre Begebenheiten, Kriegsgeschichten, selten Familiendramen. Das sind Themen, mit denen ich mich in der Realität schon viel zu oft konfrontiert sehe – bei einem Buch will ich abtauchen. Kein verblödeter Zustand, bei dem ich mich von Schwachsinn berieseln lasse. Aber Gewalt & Krieg bleiben bestenfalls draußen in der Realität. Zwei meiner Lieblingsautoren sind Stanislaw Lem und Vladimir Sorokin. Bei ihnen wird es wohl mal düster und gefährlich, sogar dystopisch, aber immer klar phantastisch überzeichnet.
  1. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?
Es muss mich so packen, dass ich weiterlesen will. Das ist ganz unabhängig von Inhalt oder der Form (Print oder Ebook). Ansonsten bin ich der Meinung, dass jeder einen anderen Lesegeschmack hat und auch haben sollte. Ansonsten wäre die Literatur ein Einheitsbrei und unfassbar langweilig.
  1. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?
Ach mich nerven ja meistens eher die Texte in Vorschauen. Das darf ich natürlich nicht laut sagen – immer mache ich auch PR… Aber ganz ehrlich, privat achte ich auf solche Texte eher wenig. Da muss mich erst die Story packen und dann die Sprache auf den ersten Seiten fesseln. Wenn das zusammen kommt, wird das Buch definitiv gekauft. Ganz egal, welcher Journalist den Titel in den höchsten Tönen lobt. Bloggern vertraue ich übrigens sowieso mehr. Die lesen „dichter an der Zielgruppe“. Zumindest lesen sie dichter an meinen eigenen Lesegewohnheiten.
  1. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht?
Das ist eine schwierige Frage! Ich würde gerne mehr lesen – aber das ist kein Problem, das sich schnell lösen lässt. Mehr fällt mir aber tatsächlich nicht dazu ein…
  1. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?

Ich empfinde die Vernetzung von Lesern in den sozialen Netzwerken als besonders positiv. Es ist so klasse, dass man ganz unkompliziert Gleichgesinnte finden und sich austauschen kann. Ganz egal, was man gerne liest: Jedes Genre hat seine Community! Literaturtrends empfinde ich eher als einschränkend. Ähnliche Stories, ähnliche Cover, riesige Marketingkampagnen – als Leserin bin ich schnell übersättigt. 

Vielen Dank, liebe Laura, für deine interessanten Antworten.

08.01.16

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Pinkfisch



Mit Sarah, die im Netz unter dem Namen Pinkfisch Bücher empfiehlt, plaudert und zwitschert, bin ich schon seit einigen Jahren befreundet. Sie ist ein echtes Allroundtalent, backt und kocht vegan, ist Vielleserin und Buchhändlerin aus Leidenschaft.

Quelle: Pinkfisch.net


1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?

Das ist eine interessante Frage. Ich habe zwar bereits als Kind sehr viel gelesen (in der Bücherei gab es damals ein Limit von fünf Büchern pro Ausleihkarte. Ich habe die von meiner Mutter und Schwester meist mitgehabt und so mein Kontingent auf 15 erhöhen können ;-)) aber ein Besuch im Buchladen war selten. Ich habe mich also durch meine örtliche Bibliothek gelesen und dort habe ich wirklich ganz klassisch begonnen: Enid Blyton in allen Facetten (und ich habe sie geliebt!), Thomas Brezina, Die drei Fragezeichen und natürlich TKKG. Später dann Teenie-Romanzen und Ballettbücher, warum auch immer. Ich glaube aber, das, was ich dann als Jugendliche las, da gab es zwei Autoren, die mich sehr beeindruckt haben. Zum einen war das Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, was sich so sehr von allem bisherigen unterschied und mich enorm beeindruckte und dann Ephraim Kishon, da hatten meine Eltern fast alle Bände. Ich fand ihn schon früh unheimlich lustig, ein Meister der Satire und das waren so meine ersten "Erwachsenen"-Bücher. Mein Vater hatte immer eine ganze Bücherwand in seinem Arbeitszimmer, sehr viel Fachliteratur, aber auch Witziges und Schräges. Da war ich ziemlich oft am Stöbern und das habe ich von ihm auch mitgenommen: Bücher und Bildung, das hat Macht und dein Bücherregal sagt viel über Dich aus. Ach und natürlich muss ich ein Buch noch im speziellen nennen: "Bitte nicht lesen oder der aufregendste Sommer im Leben des Nelson Jaqua" von Monte Merrick. Das bekam ich zu meinem 13. Geburtstag, meine Mama fand den Titel so witzig. Es ist eine Abenteuergeschichte von drei Freunden, die beschließen in der Nachbarschaft einen angeblichen Mord aufzuklären. Es geht um Spannung, die erste Liebe, Familienkrach und Freundschaften die sich bewähren müssen. Der Roman wird von Nelson selbst verfasst, der später mal Schriftsteller werden will. Ich habe das Buch sicherlich 20 Mal gelesen und werde es immer wieder tun. Es hat für mich alles, was es braucht um Jugendliche zu begeistern und auch als Erwachsene lese ich es immer wieder. Kann das nicht bitte nochmal jemand neu auflegen? Danke! 

2. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten??

Also so einen Top-Favoriten gibt es da eigentlich nicht. Die Empfehlungen wechseln ja immer wieder über die Jahre, auch wenn es da Dauerbrenner gibt. Verschenkt wird ebenfalls sehr abwechslungsreich, da ich sehr unterschiedliche Leserinnen und Leser um mich habe. Ein paar Dauerbrenner aus demnächst 13 Jahren Buchhandel:
Glückskind von Steven Uhly 
Miss Lizzie von Walter Satterswhaite 
Schloss aus Glas von Jeanette Walls 
Kafka am Strand von Haruki Murakami 
84, Charing Cross Road von Helene Hanff

3. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?

Ganz oft lese ich die Phrase, dass man beim Lesen in "andere Welten" flüchtet. Dieses Flüchten hat mich schon immer gestört. Ich wähle, ganz bewusst, wie andere Leute das mit ihren Hobbies auch tun, meine Zeit zum Lesen und die Orte, an die mich die Bücher im Kopf bringen. Ich mag mein Leben wie es ist und die Bücher geben ihm lediglich noch ein paar Orte und Menschen mehr, die dazugehören. 

4. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?

Es muss etwas mit mir machen. Etwas mit mir anstellen. Ob das ein Krimi, Belletristik, Jugendbuch oder Sachbuch ist – ganz egal. Durch manche Literatur kämpfe ich mich durch und bin am Ende denoch froh, durchgehalten zu haben, auch wenn sie mich Kraft kostet. Manchmal weine ich bei einem sprachlich eher durchschnittlichen Roman. Und hier und da führt ein Buch dazu, dass ich Entscheidungen treffe, die mein Leben verändern. Solche Bücher möchte ich lesen! 

5. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?

Meist ist es eher der Stil, in dem Rezensionen verfasst werden und selten einzelne Worte. Ich finde die klassische Aufteilung wie in der Schule ganz grässlich, vor allem wenn sie sehr starr ist und die Inhaltsangabe viel mehr verrät als sie sollte und das Fazit aus einem dürren "Hat mir gefallen!" besteht. Genauso Spoiler – da habe ich einen Horror vor und lese daher die meisten Rezensionen erst später, wenn ich mich austauschen möchte. Ansonsten denke ich, manche Sachen sind einfach nicht mein Fall, als Beispiel: Lange Booktuber-Videos, wo fünf Minuten vergehen, bevor überhaupt über das Buch gesprochen wird. Ich mags lieber kurz und knapp, aber das habe ich bisher selten gefunden. 

6. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht?

An Gewohnheiten fällt mir da nicht allzuviel ein. Ich schlafe zu oft beim Lesen ein! Das ist vorallem schade, wenn ich gerade Zeit hätte und dann einfach wegdöse. Und ich sollte ein bißchen weniger Bücher hamstern, mein RuB ist wirklich ausgiebig gefüllt und dank der zweimal im Jahr kommenden Leseexemplarflut ist der Abbau auch wirklich eher schwierig. 

7. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv? 

Ich mag Blogs und ich lese sehr viele davon. Ich mag die Einblicke in Lebenswelten, ich mag es, dass dahinter sehr unterschiedliche Leserinnen und Leser stecken und ich schätze den Austausch via Facebook und Twitter sehr, weil dieser mir ermöglicht auch abseits meiner klassischen Pfade Inspirationen zu finden. Da ist viel ins Rollen gekommen, finde ich, auch seitens der Verlage. Ich bin Social Media Fan seit vielen Jahren und bin damit großgeworden, das Netz gibt einem unheimlich viele Möglichkeiten. Und es ist doch schön: trotz Smartphone, Tablet und Laptop sitzen wir alle am Ende des Tages da und schlagen ein Buch auf. Ganz für uns allein. Um dann später wieder gemeinsam zu diskutieren, uns auszutauschen und im Kontakt zu stehen. I love it!


Vielen Dank, liebe Sarah, für deine spannenden Antworten!

04.12.15

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Micaela Jary



In der heutigen Ausgabe von [7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] steht mir Micaela Jary, eine von mir sehr geschätzte Autorin, Rede und Antwort. 
Um sie kurz vorzustellen, zitiere ich ihre eigenen Worte (Quelle: Homepage Micaela Jary), da ich sie einfach so schön finde.

(c) Rossigraphie
"Als mich mein Vater nach meiner Geburt im UKE in Hamburg zum ersten Mal sah, sagte er: "Die wird mal Schriftstellerin!"  Dies geschah sicher unter dem Eindruck des ein Jahr zuvor in deutscher Übersetzung erschienenen Romans "Bonjour tristesse" der blutjungen, wunderhübschen Françoise Sagan. Ich wuchs als Tochter des Filmkomponisten Michael Jary in der Welt des Kinos - und damit der erfundenen Geschichten - auf und begann schon früh, mir Romanhandlungen auszudenken. Mit 14 schrieb ich nach der Lektüre von Daphne du Mauriers "Des Königs General" und "Vom Winde verweht" von Margaret Mitchell meinen ersten historischen Roman. Dennoch sollte es noch sehr lange bis zur Veröffentlichung meines ersten Buchs dauern. Ich studierte erst einmal Sprachen, machte ein Volontariat bei einer großen deutschen Tageszeitung und wurde Journalistin. Seit etwa zehn Jahren arbeite ich ausschließlich als Schriftstellerin. Ich bin verheiratet, habe eine erwachsene Tochter und lebe nach einem wundervollen, viereinhalb Jahre langen Aufenthalt in Paris heute mit Mann und Hund in Berlin und München."

  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?
Sicher Erich Kästner und da ganz konkret „Das doppelte Lottchen“. Dass ich Kästner als Kind in Lugano einmal persönlich begegnet bin, macht das Buch für mich rückblickend noch wichtiger.
  1. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten??
Diese Frage ist für einen Autor schwierig zu beantworten, weil man in der Regel das eigene Buch oder eines der eigenen Bücher verschenkt. Ich finde es sehr wichtig, sich genau anzuschauen, wen man beschenken möchte. Also zu überlegen, welche Interessen dieser Mensch hat. Bücher sollten keine Ausflucht-Geschenke sein, sondern – ebenso wie alle anderen Geschenke – mit Verstand und Mühe ausgewählt werden. Deshalb ist ein Buch-Geschenk auch immer ein Individual-Geschenk.
  1. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?
Das Versinken in einer anderen Welt, aber auch das Kennenlernen eben dieser Welt. Gute Bücher nehmen einen mit aus dem eigenen Alltag. Das ist Balsam für die Seele.
  1. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?
Ich bin gerade im zweiten Jahr Mitglied in der Jury für den DELIA-Literaturpreis und setze da folgende Kriterien an: Schreibstil, Glaubwürdigkeit, Authentizität, sachliche, geografische und historische Genauigkeit, Sympathie der Figuren.
  1. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?
„Das hätte man besser machen können“ ist so einer der Sätze, bei denen ich schlucken muss. Klar, man kann immer alles besser machen, aber MAN sollte es dann bitte auch mal versuchen. Kritik ist eine Sache, Besserwisserei eine andere.
  1. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht.
Ich habe zu wenig Zeit um all die Bücher zu lesen, die ich gerne lesen möchte. Das würde ich gerne ändern, schaffe es aber nicht 
  1. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?

Auf jeden Fall die Möglichkeit, dass wir ohne Zensur arbeiten können. Das war ja nun über viele Jahrzehnte auch im deutschsprachigen Raum nicht unbedingt selbstverständlich. Heutzutage ist alles irgendwie möglich, das ist großartig.

Vielen Dank, liebe Micaela Jary, für deine interessanten Anworten.

Bücher der Autorin:


Wie ein fernes Lied Micaela  Jary - Das Haus am Alsterufer 

"Wie ein fernes Lied" (PIPER, 2015)
"Das Haus am Alsterufer" (Goldmann, 2014)
"Sterne über der Alster" (PIPER, 2015)

Micaela  Jary - Das Bild der Erinnerung Micaela  Jary - Die Bucht des blauen Feuers Micaela  Jary - Sehnsucht nach Sansibar

"Das Bild der Erinnerung" (Goldmann, 2013)
"Die Bucht des blauen Feuers" (Goldmann, 2012)
"Sehnsucht nach Sansibar" (Goldmann, 2012)

Verlosung:



Unter all denen, die mir im Kommentarfeld bis Mittwoch 09.12.2016 um 23:59 Uhr schreiben, warum sie gerne "Wie ein fernes Lied" (Mein Lesehighlight im August) oder "Sterne über der Alster", den neusten Roman der Autorin, lesen würden, verlose ich jeweils ein Exemplar der genannten Bücher.
Teilnehmen können alle Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Ausgelost wird via random.org

Viel Glück!

06.11.15

[7 auf einen Streich - ein Literatur Interview] Tine vom Blog Lesemomente

 Seit einiger Zeit brodelt es in mir. Gedanken wollen hinaus, suchen das passende Sprachrohr.
Lang ist der Weg von einer Idee zum Projekt.
Schon eine ganze Weile überlege ich, wie ich ein Interview gestalten kann, dass durch Wiederholung der selben Fragen eine Konstante bietet, und für Literaturbegeisterte aller Sparten gleichermaßen interessant und beantwortbar ist. Bisher sind auf Fantasie und Träumerei lediglich Autor*Innen zu Wort gekommen, nun möchte ich, dass auch Blogger*Innen, Buchhändler*Innen, Verlagsmitarbeiter*Innen etc. für einen interessanten Meinungsaustausch auf meinem Blog sorgen. 
7 auf einen Streich - ein Literatur Interview ist geboren.
Und ich freue mich ganz besonders, dass die Fragen der ersten Ausgabe von meiner lieben Freundin und Bloggerkollegin Tine beantwortet wurden.


Tine ist Jahrgang '85 und bloggt seit über 5 Jahren. Seit einem Anbieterwechsel 2013 ist ihr Blog Lesemomente auf WordPress zu finden und zeigt sich dort in schlichter Schönheit. Dass die gebürtige Nordfriesin nicht nur leidenschaftlich gerne liest und bloggt, sondern in ihrer Freizeit auch viel fotografiert, sieht man der ansprechenden Gestaltung des Blogs und ihrer Beiträge auf den ersten Blick an. Sie ist Pädagogin von ganzem Herzen, was sich häufig in ihrer Auswahl an sozialkritischen Jugendbüchern spiegelt. Sie liest eigentlich querbeet, nennt als Lieblingsgenres aber Jugendbuch und Fantasy. Ihre Meinung äußert sie in kurzen, knackigen Rezis, die neben Berichten zu literarischen Themen, einem wöchentlichen Sonntagsgeplauder und einem jährlichen Beitrag zum Deutschen Jugendliteraturpreis, regelmäßig auf Lesemomente zu finden sind.

Header des Blogs Lesemomente
(Bildrechte: C. Johannsen)

1.      Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?

Puh, das ist schwierig. Ich habe in meiner Kindheit so viel gelesen, dass ich keine Rücksicht auf Lieblingsautoren nehmen konnte. Dann hätten einfach nicht genügend Bücher zur Auswahl gestanden. ;)
Ich hatte aber viele Bücher (und vor allem auch Kassetten) von Astrid Lindgren: „Die Kinder von Bullerbü“, „Michel aus Lönneberga“, „Pippi Langstrumpf“. So war zum Beispiel auch „Die Brüder Löwenherz“ das erste Buch, bei dem ich beim Lesen weinen musste – und ich traue mich bis jetzt nicht, es noch ein Mal zu lesen.


2.      Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten??

Grundsätzlich verschenke ich gar nicht so viele Bücher, merke ich gerade. Welche Bücher ich aber sehr viel empfehle und teilweise auch schon verschenkt habe, sind „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer, „Gute Geister“ von Kathryn Stockett und „Der große Trip: TausendMeilen durch die Wildnis zu mir selbst“ von Cheryl Strayed. Alles drei sind Bücher, die viel mit mir gemacht haben. Deswegen glaube ich, dass sie auch andere Menschen bewegen und unterhalten können.
Abgesehen davon finde ich es total spannend, ganz verschiedenen Leuten Bücher zu empfehlen. Man macht mir mit der Frage „Ich möchte gerne ein Buch zu diesem und jenem Thema lesen. Hast du eine Idee?“ eine riesige Freude.

3.      Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?

Zum einen schätze ich am Lesen, dass ich einfach mal abtauchen und die Welt ausschalten kann. Ich bin dann wirklich weg, vergesse Sorgen, Ängste und den Alltagsstress (zumindest bei einem guten Buch) und tauche nach einiger Lesezeit erholt und befriedigt wieder auf.
Zum anderen glaube ich, dass beim Lesen auch die eigenen Emotionen auf ganz besondere Weise kanalisiert werden. Oha! Manchmal fällt es einem leichter, mit einer geliebten Romanfigur zu weinen und Mitleid zu haben, als mit einem selbst. Teilweise genieße ich es richtig, am Ende eines Buches ein paar Tränen zu verdrücken. Ich denke, dass man dadurch eigene Anspannung und eventuell Trauer lösen kann.

4.      Was erwartest du von einem „guten“ Buch?

Eben genau das, was ich zu der vorherigen Frage schon geschrieben habe: Ich erwarte, dass mich ein gutes Buch so gut unterhält, dass ich vom Alltag abgelenkt bin. Ich erwarte, dass ich mit den Charakteren mitfühlen kann: lachen, weinen, trauern und Spaß haben.
Ich erwarte, dass ich Abenteuer miterleben kann – und das ganz sicher und ungefährlich von meinem Lesesessel aus. Denn wer möchte schon wirklich gegen Orks und dunkle Zauberer kämpfen?

Manchmal erwarte ich von einem guten Buch auch, dass es mich selbst ein Stückchen verändert, mich in Gedanken weiterbringt und neue Ideen in mir auslöst. Das gilt aber nicht für alle Bücher, sondern kommt ganz auf meine Stimmung an.

5.      Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?

Ich mag das Wort „Schreibe“ nicht. Irgendwie klingt es immer, als wäre es kein richtiges Wort. „Schreibweise“ finde ich aber auch nicht immer passend. Ansonsten fällt mir gerade nichts Besonderes ein. In meinen eigenen Rezensionen nervt es mich, dass ich das Adjektiv „leichtlesig“ so oft verwende. Also: Wenn jemand einen guten Ersatz dafür hat: Immer her damit!

6.      Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht?

Die Frage ist leicht: Ich würde es so gerne schaffen, das Handy beim Lesen zur Seite zu legen. Warum das für mich so schwer ist, weiß ich nicht. Ständig gucke ich darauf. Scrolle mich durch WhatsApp und Facebook, obwohl doch nichts Neues passiert. Warum eigentlich? Vielleicht gibt diese Frage hier doch noch ein Mal den nötigen Anstoß, um das Handy zumindest sonntags für ein paar Stunden mal ganz weit weg zu legen.

7.      Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?

Was für eine Frage zum Schluss … ! Zur Literaturszene und ihrer Entwicklung kann ich gar nicht so viel zu sagen, da ich diese nicht vielfältig genug verfolge. Die ganzen Diskussionen zum Thema Buchblogs vs. Feuilleton interessieren mich ehrlich gesagt nicht wirklich, da sie mein eigenes Leseverhalten nicht beeinflussen.
Ich bin wirklich dankbar dafür, dass die Fantasyliteratur durch die „ Herr der Ringe“-Filme so einen Aufschwung erhalten hat und von einer breiten Masse gelesen wird. So gibt es für mich mehr Auswahl.
Und ganz besonderes freue ich mich, dass ich in Jugendbüchern endlich weniger Liebesdreiecksgeschichten lesen muss. DAS war nämlich ein ganz furchtbarer Trend.