31.01.18

[Abgebrochen] Die Chroniken von Amber Teil I & II | Roger Zelazny




Inhalt Teil I:
Nach einem Autounfall wacht Corwin, seiner Erinnerungen beraubt, in einer obskuren Klinik im Staate New York auf – er ist auf der Erde gestrandet, die zu den Schattenwelten gehört. Schnell findet Corwin heraus, dass er Teil der großen Königsfamilie von Amber ist, und er unternimmt alles, um in sein Reich zurückzukehren und seinen Bruder Eric vom Thron zu stürzen.

Prinz Corwin lebte nach einem Gedächtnisverlust auf der Erde, ohne zu wissen, wer er ist. Als eines Tages ein Mitglied seiner Familie versucht, ihn zu töten, beginnt er, nach seiner Vergangenheit zu forschen.

Und so setzt er alles daran, in das Königreich Amber zurückzukehren. Bald schon erfährt er, dass seine Verwandtschaft über einige sehr ungewöhnliche Kräfte verfügt. Alle Nachfahren des Königshauses können zwischen Amber, den Schattenwelten und dem Chaos hin- und herreisen, indem sie die Realität manipulieren. Sie benutzen magische Spielkarten, um zu kommunizieren und sich an andere Orte zu versetzen. Aber vor allem sind sie alle in einen erbarmungslosen Kampf um den Thron verstrickt. Und nicht zuletzt muss das Geheimnis um das Verschwinden ihres königlichen Vaters Oberon aufgedeckt werden.
(Text & Cover: © Klett Cotta Hobbit Presse; Foto: © N. Eppner)

"Die Chroniken von Amber" ist eine Reihe, die in den 70ern des letzten Jahrhunderts erstmalig veröffentlicht wurde. Eine Geschichte in zwei Zyklen, die ursprünglich aus zehn Bänden besteht, von denen fünf seit Herbst 2017 in monatlichem Rhythmus im Klett Cotta Verlag neu veröffentlicht wurden.

Im Mittelpunkt steht Amber, eine Stadt, die sinnbildlich für jede mögliche Stadt steht, und Hauptregierungssitz von König Oberon ist. Um Amber herum herrscht Chaos. Außerdem gibt es einige Duplikate Ambers, die sich in einer Art Schatten wiederspiegeln.

Als Prinz Corwin, einer der neun Nachkommen Oberons, nach jahrelanger Gefangenschaft endlich wieder auf freiem Fuß ist, hat sich Amber verändert. Sein brutaler Bruder Eric ist dort nun an der Macht, Amber entfernt sich mehr und mehr vom Chaos und wird selbst immer mehr zum Schatten. 

So weit die Idee hinter der Reihe, die zunächst auch wirklich spannend beginnt und einiges Mitdenken fordert. Zelazny skizziert ein Amber, das nicht nur jede x-beliebige Stadt in der Fantasie der Leser, sondern auch in der Realität darstellen kann. Was wäre, wenn die Machthaber beliebig austauschbar wären? Wenn sie jederzeit nur darauf warten würden den regierenden Posten zu stürzen? Wenn man keinem trauen könnte? Klingt gar nicht so abwegig.

Was nach einem Spiegel Ambers klingt, ist ein Spiegel der Realität. Überzogen, überdreht und damit eigentlich genau so, dass es zum Nachdenken anregt. 

In Band I "Die neun Prinzen von Amber" ist es mir auch noch recht gut gelungen der Sache zu folgen. Zum Ende hin ließ es jedoch schon nach und in Band II "Die Gewehre von Avalon" habe ich dann leider gänzlich den Faden verloren. 

Mangelt es mir an der Fähigkeit Realität und Fantasie zu verbinden? Oder spielen die physikalischen Gesetze des Chaos gegen mich? Ich weiß es nicht. Letztendlich hatte ich das Gefühl, dass ich nicht mehr verstehe worüber Roger Zelazny nun eigentlich genau redet und deshalb habe ich mich dazu entschieden die Reihe abzubrechen. Ich hoffe, dass Zelazny für seinen mutigen Weg des Denkens und Schreibens trotzdem belohnt wird (auch in unserer aktuellen Zeit) und Leser findet, die seinen Weg mitgehen. 


Buchinfo:

268 Seiten
Taschenbuch 
12,00 €
ÜBERSETZUNG: Thomas Schlück

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27.01.18

#JdKöKi - das war unser Jahr mit den Königskindern.




Ich habe überlegt, ob ich meinen Artikel mit "ein Abschied" benenne, denn nicht nur die Aktion #JdKöKi ist nun zu Ende, im Frühling erscheint das letzte wundervolle Königskinder Programm.
Aber nein - ein Abschied hat etwas endgültiges. Und das sollte mein Beitrag nicht haben.
Meine Liebe zu den Königskinderromanen ist gewachsen, hat sich vertieft und wird auch mit dem Ende der Aktion / des Imprints nicht vergehen. Ich wünsche mir, dass die Königskinder nicht von der Bildfläche verschwinden. Dass ihr die Bücher auch dann noch lest, wenn die Aktion schon längst verjährt ist.



Mein Highlight aus einem Jahr #JdKöKi ...

... ist "Cavaliersreise" von Mackenzie Lee. 
Das Buch ist sprachlich hochwertig und steckt voller Überraschungen. 
Zwei homosexuelle junge Männer und ein querdenkendes Mädchen stellen sich den enggespannten Konventionen ihres Jahrhunderts und geraten in ein spannendes Abenteuer. Eine Geschichte, die sich von der Masse abhebt und einfach ganz viel Lesefreude bereitet.





Am meisten überrascht hat mich...

"Winger" von Andrew Smith.
Ich hatte ehrlich gesagt nicht so wirklich Lust auf dieses Buch, weil der Klappentext gar nicht so aussagekräftig ist. Dann dieser Protagonist - so bekloppt und herzlich, diese richtigen fiesen Typen und ein Ende, das mir wirklich die Schuhe ausgezogen hat.






Geweint habe ich...

bei "Salz für die See" von Ruta Sepetys.
"Salz für die See" erzählt aus dem zweiten Weltkrieg, ist sprachlich wie inhaltlich das perfekte Buch und auch für die Leser geeignet, die sagen, dass sie für Jugendbücher schon zu alt sind.






Einen besonderen Platz in meinem Herzen...

hat "Der Himmel über Appleton House" von S. E. Durrant bekommen.
Weil es so deutlich und gleichzeitig sanftmütig erklärt, wie es in einsamen Kinderherzen aussieht und wie diese damit umgehen.





Gefreut habe ich mich...

darüber dass "Der Geruch von Häusern anderer Leute" von B.-S. Hitchcock den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 gewonnen hat. Keine leichte Kost mit eigenwilligen Schicksalen und so lesenswert.






Unbedingt lesen...

all die anderen Königskinder, die bereits erschienen sind, die im Frühjahr noch erscheinen werden. 




Das tolle an der Aktion war...

all die begeisterten, Literaturliebenden Menschen, die sich so sehr für die wundervollen Königskinder engagiert haben. Danke an dich für unermüdliches Abstimmen und Königskinderlesen, danke an Dani, die Initiatorin der Aktion und das kreative Team Sandy, Anja, Anni, Ina und Nils und danke an Königskinder Verlag / Carlsen für die Unterstützung.




20.01.18

Reiseproviant 1 | 18




Geplauder:

19 Tage ist das neue Jahr schon alt und nach anfänglichen Startschwierigkeiten läuft es nun ganz gut.
Nach einem Formtief habe ich nun wieder zu meinem Rhythmus gefunden und schaffe es, so einiges zu erledigen. Es wäre noch mehr bzw. wäre auch noch mehr Zeit für die Räubertochter da, wenn sie nicht die Fähigkeit besäße, ein Zimmer innerhalb von Minuten in allergrößtes Chaos zu verwandeln.

Dennoch gelingt es mir - momentan - bloggen und lesen auch noch ganz gut unterzubringen. Dabei hilft mir eine gut durchdachte Tagesstruktur, die MUTivationen von Karla Paul und mein diesjähriger Kalender von Moka.

Dort ist nicht viel Platz zum Notieren, aber eine kleine Wochen To-Do-List. Beides hilft dabei die wirklich wichtigen Aufgaben im Auge zu behalten. Ich neige dazu sehr viele Dinge auf meine Liste zu schreiben. Mehr, als ich überhaupt erledigen kann. Am Ende bleibt das Gefühl nichts geschafft zu haben. Das ist mit dieser übersichtlichen Liste anders und ich gehe abends mit einem positiven Gefühl aufs Sofa, schalte mein Handy aus bzw. den Flugmodus ein und konzentriere mich einzig und allein aufs Lesen.

Wie schon in den letzten Jahren, gibt es auch in 2018 eine Leseliste. Darauf befinden sich fünf gelesene Bücher und zwei, die ich gerade aktuell lese.





Literarische Reise:


Bereits gelesen und rezensiert habe ich den Auftakt der neuen Licia Troisi Trilogie. "Die Dominium Saga 01: Die Eiskriegerin" knüpft an das schriftstellerische Niveau an, das die junge Italienerin bei früheren Reihen wie "Die Drachenkämpferin" oder "Die Feuerkämpferin" bewiesen hat.

Eine große Sympathie hege ich für die herzerwärmende Geschichte von Mister Frank. In "Mister Franks fabelhaftem Talent für Harmonie"  von Rachel Joyce geht es darum wie wichtig es ist miteinander zu kommunizieren und das nicht jede Erneuerung zwangsläufig zur Verbesserung unseres Soziallebens führt.

Tiefgründiger als erwartet ist der Roman "Die Ungehörigkeit des Glücks" von Jenny Downham. Eine Geschichte über Schuld und Verlust und Gefühle, die von Generation zu Generation weiter gegeben werden.



Gelesen, aber unrezensiert sind "Die souveräne Leserin" von Alan Bennett, ein Roman, der mit wundervollem Humor am Beispiel der Queen aufzeichnet, was Lesen bewirken kann. Wie es hilft die Augen für uns und andere zu öffnen, wie es unseren Perspektiven verändern und unseren Horizont erweitern kann. Große Empfehlung für dieses kleine Buch.

Ebenfalls unrezensiert ist "Ein grundzufriedener Mann" von Richard Russo. Ein Blick in eine Kleinstadt und die Vorgärten ihrer schrulligen Bewohner. Protagonist Sully sorgt für Gesprächsstoff bei seinen Nachbarn, aber auch beim Leser, denn er ist so eigen, dass man ihm gerne all seine Fehler verzeihen möchte.





Netzreise:


Seit der FBM 17 überlege ich, ob ich "Illuminae" von Amy Kaufmann & Jay Kristoff lesen möchte. Das Buch hat ein ganz besonderes Layout und ich bin mir einfach nicht sicher, ob mich das beim Lesen stört. Nun war es schon mehrfach auf der Phantastik Bestenliste und Ramona hat auf ihrem Blog El Tragalibros so begeistert davon berichtet, dass es nun wohl doch auf meiner Wunschliste landen wird.

Die phantastische Akademie hat die Longlists des SERAPH 2018 bekannt gegeben. Ich glaube in diesem Jahr wird es nochmal richtig spannend.

Auf Herzpotenzial wurde "Die Bar Bibel" vorgestellt. Ein Must Have für Freunde des geschmackvollen Alkoholgenusses.

Auf Die Liebe zu den Büchern bekommt ihr einen Einblick in "Ohne Wenn und Abfall", das Buch der großartigen Milena Glimbovski, die ihr eigenes Verpackungsfrei-Kaufhaus gründete.

Karla Paul bietet auf ihrem Blog Buchkolumne fünf alternative, für einen Büchernerd genehme, Entsorgung der Bücher, die ihren Platz im Regal räumen müssen.



Kulinarische Reise:


Ich habe Knäckebrot gebacken. Nach diesem Rezept.
Es ist zwar nicht knackig, aber so lecker, dass ich es innerhalb kürzester Zeit aufgegessen habe.
Beim nächsten Mal werde ich versuchen es glutenfrei zu backen und statt Dinkelmehl Buchweizenmehl verwenden.


Ich wünsche dir ein fantastisches Wochenende. Hab's fein und lass es dir gut gehen.



18.01.18

Die Ungehörigkeit des Glücks | Jenny Downham





Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Mit wenig Erwartungen bin ich an "Die Ungehörigkeit des Glücks" heran gegangen. Dem zweiten Roman der Schauspielerin Jenny Downham, die mit "Bevor ich sterbe" einen weltweit verkauften Bestseller schrieb. Die Überraschung welch tiefgründige Geschichte sie geschrieben hat, war dafür umso größer.

Im Mittelpunkt stehen drei Generationen, die aus unterschiedlichen Gründen Distanz zueinander aufgebaut haben. Mary ist schon sehr jung schwanger geworden, hat ihre Tochter Caroline geboren und ist dann abgehauen. Caroline ist bei ihrer Tante aufgewachsen, hat den einige Jahre jüngeren Steven kennengelernt und mit ihm die Kinder Katie und Chris bekommen. Caroline ist alleinerziehend, ihr Mann hat eine neue Frau, ein weiteres Kind. Katie lernt brav, macht das, was ihre Mutter von ihr verlangt, denn eine gute schulische Bildung bewahren sie vor dem Schicksal einem Mann zum Opfer zu fallen und außerdem ist ihr Bruder Chris durch eine Erkrankung schon anstrengend genug. Katie muss das ausgleichen.

Dann tritt unverhofft Mary in das Leben der kleinen Familie. Wirbelt mit ihrer "Blaupause", den Lücken in ihrem Gehirn, den Zeitsprüngen durch ihr Leben, alles durcheinander. Sie schwört Erinnerungen herauf, die vergessen werden sollten und zeigt Katie, dass das Leben alles andere als berechenbar ist.

Die Schwierigkeit eine Bindung einzugehen, Nähe zuzulassen, anderen, aber vor allem sich selbst zu vertrauen, zieht sich durch die drei Generationen hindurch. Angefangen bei Mary, die so viel Feuer hat, dass jeder Junge die Sehnsucht verspürt sich an ihr zu verbrennen, und die erst sehr spät in der Lage ist eine realistische, echte Bindung einzugehen und erst dann in der Lage ist ein starkes Fundament zu bauen. Über Caroline, die ihr Leben lang Schuldgefühle in sich trägt und diese nicht loswerden kann, auch wenn sie zum größten Teil von ihr selbst konzipiert wurden. Bis hin zu Katie, die nicht so recht weiß, wer sie ist, was auch daran liegt, dass sie keine Wurzeln hat bzw. nicht kennt, so dass sie nichts hat, worauf sie bauen kann.

Jenny Downham kann sehr gut mit Worten umgehen. Schreibt schöne, kluge Sätze. Konstruiert eine tiefgründige Geschichte, die nachdenklich stimmt und das in einem lockeren Erzählton, der dafür sorgt, dass ich regelrecht durch die Seiten fliege.

Neben den sehr authentisch gezeichneten Personen (ich kann allerdings nicht einschätzen wie realistisch Marys Alzheimer Erkrankung dargestellt ist, weil ich mich damit nicht auskenne), mag ich ganz besonders das Ende. Es ist schön, aber es ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen, wir vergeben und vergessen und alle Probleme sind gelöst, weil Mary krank ist. Es gibt tiefsitzende Verhaltensmuster und die können nicht von einer Woche auf die andere gelöst werden, was Downham meines Erachtens gut herausarbeitet. Trotzdem oder gerade deswegen kann ich das Buch mit einem Lächeln schließen.


Buchinfo:

480 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag 
19,99 €
ÜBERSETZUNG: Astrid Arz


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16.01.18

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie | Rachel Joyce




Der neue wunderbare Roman der Autorin des Weltbestsellers »Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry«. 
Mister Frank hat eine besondere Gabe: Er spürt, welche Musik die Menschen brauchen, um glücklich zu werden. In Franks kleinem Plattenladen in einer vergessenen Ecke der Stadt treffen sich Nachbarn, Kunden und die anderen Ladenbesitzer der Straße. Da taucht eines Tages die Frau in Grün vor Franks Schaufenster auf. Sie ist blass und schön, zerbrechlich und stark zugleich. Doch sosehr er sich auch bemüht, Frank kann einfach nicht hören, welche Musik in ihr klingt …
(Text & Cover: © Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Rachel Joyce hat in mir genau das ausgelöst, was Mister Franks Kunden erleben, wenn er ihnen Musik empfiehlt: sie hat die richtigen Töne getroffen, die Melodie in mir geweckt, die darauf wartete abgeholt zu werden.

Eigentlich war ich dem Lesen von Wohlfühlbüchern etwas überdrüssig. Da ich Musik und ihre Eigenschaft Gefühle einzusammeln und Erinnerungen zu wecken aber sehr schätze, habe ich die Empfehlung angenommen und "Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie" gelesen. Verschlungen. Aufgesogen.

Mister Frank ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Er schaut hinter die Fassade seiner Mitmenschen und entdeckt dort, welche Töne, welche Melodien, welche Musikstücke in ihrem Leben fehlen. Von Klassik über Jazz bis hin zu Rock kann das alles sein. Melodien, die Gefühle auslösen. Die helfen wieder klar zu sehen. Die Last von Schultern nehmen und Hoffnung geben.

"[...] wenn er vor einem Kunden saß und ihm wirklich zuhörte, vernahm er Musik. [...] Nur ein paar Töne. Wenn es hoch kam, eine kleine Melodie." (S. 28)

Musik ist wie eine Heimat, die uns erdet, wenn wir die Orientierung verloren haben. Sie hilft, die Stille in uns zu spüren, aber auch diese auszuhalten und zu überwinden. Sie beschwört Gefühle und Erinnerungen herauf, auch wenn diese schon weit zurückliegen. Musik kann uns helfen zu fliegen und uns auffangen, wenn wir fallen.

Mister Frank ist gar nicht so außergewöhnlich wie er auf den ersten Blick scheint. Er hat ein umfangreiches Musikwissen, aber das ist nur die Hälfte von dem, was ihn so liebenswert macht. Mister Frank nimmt sich Zeit für seine Mitmenschen. Er hört genau hin, er schaut sie an, nimmt sie wahr. Möchte unter die Oberfläche schauen. 

In unserer schnelllebigen Zeit (die Mister Frank übrigens nicht für gut heißt. CDs!! Püh!) ist es vielen zu anstrengend einen Moment innezuhalten, in die Tiefe zu sehen und nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. Das führt zu zwischenmenschlichen Problemen aufgrund von Missverständnissen und fehlender Aussprache. Kommunikation ist das was uns verloren geht.

"Die Stille ist der Ort, wo sich die Magie ereignet." (S. 50)

Diese Erfahrung muss auch Frank machen, als Ilse Brauchmann in sein Leben fällt. Es ist sofort um ihn geschehen, doch aus Erfahrung weiß er, dass die Liebe schmerzhaft sein kann. Er traut sich wenig zu, verstrickt sich in Fehlverhalten, trifft im Gespräch nicht den richtigen Ton und hangelt sich von Missverständnis zu Missverständnis. Und Ilse Brauchmann? Der geht es nicht anders.

"Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie" ist einfach nur schön. Es ist liebevoll und herzlich. Es hat mich zum Lachen gebracht, aber auch zum Weinen. Aus Freude, aus Glück, voller Hoffnung und Erinnerungsschmerz. Ich möchte nun unbedingt viele liebgewonnene Musikstücke hören, denen ich lange Zeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe, spüre aber auch das Verlangen nach Vivaldi, Bach und Beethoven.

Eine ganz große Leseempfehlung für "Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie".


Buchinfo:

S. Fischerverlage (2017)
384 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,99 €
ÜBERSETZUNG: Maria Andreas

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14.01.18

Das geheime Leben der Bäume | Peter Wohlleben




Erstaunliche Dinge geschehen im Wald: Bäume, die miteinander kommunizieren. Bäume, die ihren Nachwuchs, aber auch alte und kranke Nachbarn liebevoll umsorgen und pflegen. Bäume, die Empfindungen haben, Gefühle, ein Gedächtnis. Unglaublich? Aber wahr! – Der Förster Peter Wohlleben erzählt faszinierende Geschichten über die ungeahnten und höchst erstaunlichen Fähigkeiten der Bäume. Dazu zieht er die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ebenso heran wie seine eigenen unmittelbaren Erfahrungen mit dem Wald und schafft so eine aufregend neue Begegnung für die Leser: Wir schließen Bekanntschaft mit einem Lebewesen, das uns vertraut schien, uns aber hier erstmals in seiner ganzen Lebendigkeit vor Augen tritt. Und wir betreten eine völlig neue Welt ...
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Vor etwas längerer Zeit entdeckte ich in einer Talkshow eines dritten Programms einen Förster, der davon erzählt, wie gut unsere Wälder vernetzt sind. Ganz unromantisch, unesoterisch, aber ziemlich leidenschaftlich. Als Naturmensch, aufgewachsen zwischen Mischwäldern, in einer Familie, die von der Land- und Forstwirtschaft lebt, hatte dieser Förster namens Peter Wohlleben sofort meine volle Aufmerksamkeit. Ich wusste nicht wenig über den Wald, seine Flora, seine Fauna, aber Wohlleben erzählte dort Dinge, die mir bisher gänzlich unbekannt waren.

Wusstest du z.B. dass Laubbäume über ein soziales Netzwerk verfügen? Dass sie in ihrem "Gehirn", das ziemlich viele Daten erfassen kann, nicht nur abspeichern, wenn ein trockenes Jahr stattfindet und dementsprechend mit Verbrauch und Sammlung von Wasservorräten reagieren, sondern dass sie auch noch versuchen ihre Artgenossen zu unterstützen, um sie ebenfalls am Leben zu halten?

Kennst du einige der Symbioseartigen Lebensformen, die in Wäldern stattfinden? Weißt du, welchen Schaden das eindeutschen (oder eineuropäern) der Nadelbäume mit sich bringt? Weißt du wie alt eine Buche wird oder mit welchen anderen Gewächsen sie gerne zusammenleben?

All das und noch viel mehr bringt uns Peter Wohlleben auf ganz sachliche, aber sehr interessante Form bei. Sein Tonfall ist weder belehrend, noch langweilig, sondern spiegelt die Begeisterung mit, die er für seinen Beruf, für die Natur, aufbringt. Eine Begeisterung, die so ansteckend ist, dass dieses Sachbuch sich liest wie ein Roman. Obwohl ich mich schon immer für den Wald interessiert und dort aufgehalten habe, betrachte ich ihn nun mit anderen Augen. Ein Sachbuch, das Freude macht und nachhallt.

Buchinfo:

Ludwig (2015)
224 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,99 €

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Vernetzt:


10.01.18

Die Dominium-Saga 01: Die Eiskriegerin | Licia Troisi




An ihrem achten Geburtstag endet die Kindheit der kleinen Myra auf tragische Weise: Ihr Zuhause wird von vermummten Männern überfallen, ihr über alles geliebter Adoptivvater Fadi, wird getötet, Myra selbst gelingt in letzter Sekunde die Flucht in die eisigen Wälder Biaswads im Süden des Tränenreiches. Zehn Jahre später ist aus dem kleinen Mädchen eine starke Kriegerin geworden, die mit ihren beiden brennenden Klingen an der Seite des mächtigen Acrab für Frieden und Freiheit kämpft. Doch dann wird Myra von ihrer Vergangenheit eingeholt. Warum musste Fadi wirklich sterben? Und was weiß Acrab über den Tod ihres Vaters? Auf der Suche nach der Wahrheit stößt Myra auf Geheimnisse, die das ganze Reich in seinen Grundfesten erschüttern könnten ...
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Vor einigen Jahren habe ich mit großer Freude die Fantasyromane der damals noch recht jungen Italienerin Licia Troisi gelesen. Ihre Trilogien der Aufgetauchten Welt gefielen mir sehr gut, ihre zuletzt erschienenen Reihen "Nashira" und "Drachenschwester" waren nicht mehr so meins, waren gefühlt aber auch eher auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. 

Einige Zeit hat man nichts mehr von ihr gehört und deshalb war ich freudig überrascht im Herbst- / Winterprogramm 2017 des Heyne Verlags wieder einen Roman von Troisi zu entdecken. Einen High Fantasy Roman im Erwachsenenprogramm. 

Der Einstieg ins Buch war großartig. Spannend, voller Überraschungen und starker Charaktere. Vielversprechend. Dann wurde es jedoch etwas holpriger. Man könnte sagen, dass "Die Eiskriegerin" und ich so einige Auf und Abs hatten.

Was man Troisi definitiv nicht absprechen kann ist handwerkliches Geschick. Sie versteht es Spannung aufzubauen. Immer wieder springt sie zwischen verschiedenen Ebenen hin und her. Mal wechselt der auktoriale Erzähler den Blick auf die Protagonisten, mal springt Troisi in der Zeit. Nicht chronologisch, sondern so, dass mehr und mehr Spannung aufkommt. Hier hätte ich mir hin und wieder gewünscht, dass nicht nur neue Fragen dazu kommen, sondern auch schon früher welche aufgeklärt werden, da es hin und wieder mühsam wird, all die unaufgedeckten Geheimnisse korrekt im Kopf zu behalten.

Die Charaktere sind allesamt stark. Vielschichtig, klar und deutlich herausgearbeitet, mit Charaktereigenschaften ausgestattet, die ich mir in einem Fantasyroman wünsche. 

Troisi zeigt, dass Frauen ihre Ziele umsetzen können. In zweierlei Hinsicht. Einmal indem sie ihre weiblichen Figuren mit viel Mut und innerer Stärke ausstattet, zum anderen indem sie erfolgreich in einem Genre veröffentlicht, das von Männern dominiert wird. 

Was mir sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass nicht klar ist, wer eigentlich gut und wer böse ist. Dass Troisi Abstand nimmt vom schwarz weiß denken und aufzeigt, dass gute Absichten manchmal böse enden können. 

Distanz zur Aussage "das ist ein richtig gutes Buch" schaffen die Dialoge. Die sind manchmal einfach echt banal und, ja ich mag es gar nicht gerne sagen: kitschig. Es war tatsächlich so, dass ich bei dem ein oder anderen Gespräch den Kopf schütteln musste.

Im Endeffekt ist der Auftakt der Dominium Saga aber gelungen und der Cliffhanger, mit dem Band eins "Die Eiskriegerin" endet ist so derb spannend, dass ich unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. 


Buchinfo:

Heyne (2017)
496 Seiten
Paperback, Broschur
12,99 €
ÜBERSETZUNG: Bruno Genzler


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Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner