30.10.21

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue | V.E. Schwab (Übersetzung: Petra Huber, Sara Riffel)




Frankreich im Jahr 1714. Die junge Addie LaRue möchte nur eins: Den Beschränkungen der Provinz entkommen und ein selbstbestimmtes Leben führen. In einem Moment der Verzweiflung schließt sie einen Pakt mit dem Teufel, der ihr Freiheit und ewige Jugend verspricht. Doch der Preis ist hoch: Niemand, den sie trifft, wird sich an sie erinnern. Und so beginnt ihre Reise durch die Jahrhunderte, die Addie an die faszinierendsten Orte der europäischen Geschichte, aber auch an die Grenzen der Einsamkeit und Verzweiflung führt. Bis sie im Jahr 2014 in New York einen jungen Mann trifft, der sie nicht mehr vergessen kann.
(Text & Cover: ©Fischer Tor; Foto: ©N. Eppner)

Addie LaRue lebt seit 300 Jahren. Sie ist einen Pakt eingegangen, der ihr die Freiheit verspricht. Freiheit niemandem zu gehören, als sich selbst. Niemandem zu gehören heißt auch, dass sich niemand erinnert. Weder an Addie, noch an die Gefühle mit denen sie sich begegnet sind. Während Addie beginnt sich zu verlieben, wird sie von ihrem Gegenüber wieder vergessen. Muss jeden Tag aufs neue hoffen gesehen und gemocht zu werden.

Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick. Aufs erste Wort. Von der ersten Seite an. Die zarten Bande, die V.E. Schwab knüpft, die zusammengewoben ein unbeschreibliches Kunstwerk ergeben, das mich auf jeder Seite berührt. Ein feines Gefühl legt sich sanft über mein Herz, bleibt dort, kehrt zurück, wenn ich mich an Addie erinnere.

Genau das wünscht sich die Protagonistin. Einen Morgen, an dem ihr Gegenüber mit diesen Gefühlen aufwacht. Nicht peinlich berührt. Addie nicht dem Kampf ausgesetzt, zeigen zu müssen wer sie ist, ohne überhaupt wirklich gesehen zu werden. Andererseits hat sie gelernt mit ihrem Fluch zu leben. Hat gelernt dem Dunkel die Stirn zu bieten. Bis sie einen Mann trifft, der sich an sie erinnert. Der alles ermöglicht, was sie sich erträumt hat. Der alles durcheinanderwirbelt.

Es wird mir nicht gelingen in Worte zu fassen, was V.E. Schwab mit Addie LaRue erschaffen hat. Was sie mit ihrem Roman bei mir auslöst. Wäre ich eine großartige Künstlerin könnte ich es in einem Bild zeige, wäre ich eine großartige Schriftstellerin, könnte ich es vielleicht schriftlich ausdrücken. Wäre ich eine Musikerin, könnte ich einen Song schreiben, der all meine Emotionen für Addies Geschichte ausdrückt. All das bin ich nicht und deshalb muss ich versuchen so gut es geht zu umschreiben wie sehr mich der Roman zerrissen und glücklich gemacht hat. 

Wie ein Lieblingssong, der sich auf deine Seele legt, wenn du ihn brauchst. Das könnte passen. Lieblingsbuch. Nicht Highlight des Jahres, sondern die Riege der geliebten Bücher. Herzensbuch. Das passt auf jeden Fall. 

"Denn sie kann nie mit etwas abschließen, sich nie verabschieden - keine Schlusspunkte setzen, keine Ausrufezeichen, nur ein ganzes Leben voller Auslassungspunkte. Alle anderen dürfen neu anfangen, mit einer leeren Seite, aber ihre sind alle vollgeschrieben." (S. 464)

V.E. Schwab kratzt unter meiner Haut. Emotional. Was sie mit Addie LaRue handwerklich geschafft hat zeigt, dass sie eine der ganz großen ist. Ich kann mir vorstellen, wie sehr sie in ihrem Roman versinkt. Wie sie mit Addie leidet und mit ihr liebt. Wie sie in dunkle Ecken kriecht, um Handlungen greifbar zu machen, und gleichzeitig Räume schafft, in denen ich mich emotional verkriechen oder aufblühen kann. In denen meine eigenen Gedanken schweben und eigene Wege gehen können.

Freiheit ist das, was wir daraus machen. Addie zeigt, dass sie wichtig ist, aber nicht immer als solche ersichtlich. Das wir immer die Möglichkeit haben und dass wir immer die Möglichkeit nutzen sollten, unsere Freiheit auszuleben. 

Ich wünsche mir, dass sich viele Leser:innen öffnen für Schwabs besonderen Roman. Dem eigenen Denken Freiheiten lassen.  Emotionen Freiraum geben. Und sich ebenso Hals über Kopf in dieses Buch verlieben wie ich.


Buchinfo:

Paperback
18,00 €


Rezensionen: ©2021, Nanni Eppner

29.10.21

[Waldrauschen] Meine Gefühle, deine Gefühle





Neulich in der Tiergestützten Intervention folgende Situation: 
Meine Klientin bringt das Pferd, mit dem wir arbeiten, zurück zur Herde. Einer der Wallache, kommt zu der Stute und schnappt nach ihr, weil er eifersüchtig ist. Ich sage: "Schau, der möchte auch gerne mit dir arbeiten." Klientin:"Nicht C. beißen. Es ist meine Schuld, dass du eifersüchtig bist."

Nein! Ist es nicht. 1. Bin ja sowieso ich diejenige, die für die Einteilung der Pferde zuständig ist und ich weiß, dass er gerade unterfordert und deshalb motzig ist und 2. und das ist das wichtige: Bist du nicht für die negativen Gefühle anderer verantwortlich (außer du fügst sie ihnen bewusst zu)!!

Bleiben wir mal bei der Eifersucht. Wir nehmen mal an, dass ich die Person bin, die erfolgreich ist. Ich habe viel Zeit und Arbeit in meinen Erfolg gesteckt, vielleicht habe ich manchmal Glück gehabt. Wie viele Gedanken und Arbeit in meinem Erfolg stecken, sieht von Außen niemand. Was gesehen wird ist: Geld, Anerkennung, materielle Dinge, die ich mir leisten kann, Urlaub oder ähnliches. Erfolg, den ich mir verdient habe. 

Die Eifersucht, die dadurch bei wem anders ausgelöst wird, ensteht nicht aus meiner Motivation. Das ist das Gefühl der anderen Person. Warum dieses Gefühl ausgelöst wird und nicht bspw. Freude darüber, dass ich erfolgreich bin, liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich, sondern im Inneren der anderen Person, die vielleicht gerade mit dem Job unzufrieden ist, Beziehungsprobleme oder Stress hat oder heute einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden ist.

Ein anderes Beispiel ist Enttäuschung. Ich bin nicht für die Enttäuschung anderer verantwortlich. Ich bin nicht dafür verantwortlich gewisse Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen.

Dass ich mich trotzdem schuldig fühle, ist wieder meinen inneren Antreibern zu verdanken, die sich bei mir eingenistet haben und die dafür sorgen, dass ich mich in eine Opferrolle zwängen lasse und Schuld oder Scham empfinde. 

Kennst du die Situation, dass du dir die negativen Gefühle anderer zu sehr zu Herzen nimmst? Dass du dich dafür verantwortlich fühlst? Fällt es dir schwer, diese Situation wieder zu verlassen?

Wenn du dich darüber austauschen möchtest, schreib mich gerne an. 

27.10.21

Wildtriebe | Ute Mank

 



Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Nie hat sie die damit verbundenen Pflichten hinterfragt.

Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos und ohne eigene Wünsche das Leben einer Bäuerin führen will. Das Kaufhaus in der nächsten Stadt wird für Marlies zum Sehnsuchtsort im Wirtschaftswunderdeutschland, arbeiten möchte sie dort, einen Jagd- und Traktorführerschein machen, das Leben soll doch mehr zu bieten haben.

Die beiden Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Doch eigentlich werden viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist da ein verbindendes Element: Marlies’ Tochter Joanna, die ihren ganz eigenen Weg geht und nach dem Abitur nach Uganda aufbricht …
(Text & Cover: ©dtv, Foto: ©N. Eppner)

"Wildtriebe" ist sprachlich wie inhaltlich ein Highlight für mich. Mit einem feinen Sinn für menschliche Gefühle und Bedürfnisse, skizziert Ute Mank die Porträts dreier Frauen unterschiedlicher Generationen und der Konflikte, die durch ihr Zusammenleben entstehen.

Lisbeth ist mit Leib und Seele Bäuerin. Vielleicht, weil sie nichts anderes kennt, vielleicht, weil sie in diese Liebe hineingewachsen ist. So wie ihre Mutter, ihre Großmutter und die Frauen davor. Während sich die Welt um sie herum verändert, scheint Lisbeth gleich zu bleiben. Ist beständig in ihrem Handeln und Denken. Der Hof steht für sie an erster Stelle, Kinder zu bekommen, die diesen Hof weiterführen an zweiter. 

Als ihr Sohn Konrad die Marlies mit auf den Hof bringt, ist Lisbeth erstmal zuversichtlich, trotz dass Marlies arbeiten geht und die Fingernägel färbt. Wenn sie erstmal auf dem Hof ist, wird sie schon lernen, was dort zu tun ist und wird den Hof genau so lieben, wie Lisbeth und Konrad. 

Doch Marlies trägt den Wunsch nach Unabhängigkeit in sich. Eine eigene Arbeitstelle, Haushalt nach ihren Vorstellungen, kein Kind, das Frauen an den Herd bindet. Um ihrem Bedürfnis nach Freiheit nachzukommen, macht sie einen Jagdschein und verschwindet nachts im Wald. Durchatmen, zur Ruhe kommen, allein sein. Als sie schwanger wird, freut sich das ganze Dorf und ganz besonders Lisbeth. Sicher wird eine Bäuerin geboren werden. Marlies ist nur eingeschränkt erfreut. Einschränkungen und Meinungen über Marlies und ihr Kind scheinen zuzunehmen. 

Dass Joanna zu einer selbstbewussten jungen Frau heranwächst, hat sich Marlies immer gewünscht, dass sie so sehr ihren eigenen Weg geht und eine Distanz zwischen Mutter und Tochter schafft, das hat sie nicht gewollt. 

Die Wege der drei Frauen sind wie eine Kette. Jedes Glied ist mit einem anderen verknüpft. Handlungen rufen Aktionen hervor, die nicht unbedingt geplant, aber doch für mich als Leserin nachvollziehbar sind. In den meisten der selbstgemachten Probleme, ist mangelnde Kommunikation der Grund der Ursache. Nicht selten wünsche ich mir, dass Lisbeth und Marlies mehr miteinander sprechen, denn ich glaube, dass sich so manches Missverständnis geklärt hätte und das ein anderes Verständnis füreinander gewachsen wäre. Aus der Realität weiß ich, dass es eben schwierig ist zu benennen, was im Inneren brodelt, was für dunkle Nächte und unter den Blicken der Nachbarn für ein ungutes Gefühl im Bauch sorgt. 

Gerade für die Generation der Frauen in Lisbeths Alter ist es schwierig. Sie haben nicht gelernt eigene Bedürfnisse zu haben, und schon gar nicht, diese anzusprechen. Dass danach Frauen auf die Bildfläche treten, die sich auf unterschiedlichen Wegen erste Freiheiten erkämpfen, die plötzlich gesehen werden wollen, statt zu funktionieren, rüttelt an den Grundfesten dessen, was für die vorangegangene Generation auch Sicherheit bot. 

Ich könnte noch ewig weiter darüber reden, was Ute Mank in ihrem Roman so gut darstellt. Ich selbst komme von einem Bauernhof, in dem mehrere Generationen unter einem Dach lebten und Missverständnisse und Generationenkonflikte Verletzungen zufügten. Ein Wiedererkennen, dass den Roman für mich zu einer sehr spannenden Lektüre werden lies, die durch eine klare Sprache, kurze Sätze und eine gewisse damit einhergehende Poesie perfekt abgestimmt wurde. 


Buchinfo:

288 Seiten
Hardcover 22,00 €


Rezensionen: ©2021, Nanni Eppner

25.10.21

Die 7 Schlüssel der Resilienz. Selbstwirksamkeit

 



"Das Leben besteht aus Entscheidungen, und die Entscheidungen, die wir treffen, machen uns aus." (John C. Maxwell)

Selbstwirksames Handeln ist ein Bedürfnis, das uns von der Natur mitgegeben wurde. Es gleicht einem Trieb, der bereits bei kleinen Kindern zu beobachten ist. Alles wollen sie selbst machen (liebe Eltern, ihr alle kennt die Autonomiephasen...). Wollen Erfahrungen sammeln in allen Bereichen. Darüber bauen sie ihre Kompetenzen auf. Bespielen ihre Sinne, ihre Fähigkeiten, lernen. Das ist nicht nur bei Kindern so, sondern bleibt auch im Erwachsenenalter bestehen. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Erfahrungen über sichere Bindungen gemacht wurden. 

Dieser innere Antrieb, der von einer Kraft aus unserem inneren - intrinsische Motivation genannt - hervorgeht, bringt uns dazu, auch in schwierigen Situationen handeln zu wollen. 

Resiliente Menschen möchten die Opferrolle verlassen und immer wieder in eine aktive Haltung zurückkehren. Sie gehen in die Eigenverantwortung und glauben fest daran, sich aus Situationen befreien und Dinge ändern zu können. Eigeninitiative statt "sowieso nichts verändern können".

Fällt es dir leicht eine Rolle, in die du gedrängt wirst, zu verlassen, wenn du dich darin nicht wohlfühlst und gelangst du eher in eine resignierte Haltung? 

 

19.10.21

Ich bleibe hier | Marco Balzano (Übersetzung: Maja Pflug)



 

Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Die Leute werden vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.
(Text & Cover: ©Diogenes, Foto: ©N. Eppner)

In unserem diesjährigen Südtirol Urlaub reisen wir zum Reschensee. Schauplatz des Romans "Ich bleibe hier". Während mein Mann und meine Kinder fröhlich am Wasser Steine flitschen lassen, beginne ich die ersten Seiten des Bestsellers. Reise in die Vergangenheit, die ein dunklen Fleck aufweist in der Historie der Länder Italien und Deutschland und der Region Südtirol.

Trina möchte Lehrerin werden. Schon während des Studiums weiß sie, dass sie ihre Arbeit lieben wird. Doch dann bekommt sie keine Stelle, weil sie Südtirolerin ist. Weil sie deutsch spricht, statt italienisch. Mussolinis Schergen kommen in ihr kleines Bergdorf, in dem die Bewohner:innen seit Jahrzehnten den gleichen Arbeiten nachgehen, in dem Butter gegen Wolle getauscht wird und Trina ihre erste Liebe findet und Jahre später ihr Kind verlieren wird. Nur unter der Prämisse, dass sie italienisch lernt, spricht und unterrichtet, bekommt sie eine Arbeit als Lehrerin.

Trina ist schon immer eine Rebellin. In ihrem Herzen weiß sie, dass sie sich nicht den Machtspielchen eines Diktators beugen möchte. Heimlich unterrichtet sie. Stiftet auch ihre Freundinnen an, weiter auf deutsch zu lehren. Wer erwischt wird, landet zuerst im Gefängnis, dann im Exil. Mussolini versucht die Widerständler:innen zu brechen.





Was ihm nicht oder nur bedingt gelingt, versucht Hitler nur wenige Zeit später. Manche spüren die Gefahr, die von ihm ausgeht, andere hoffen auf Befreiung durch seine Soldaten. Balzano schreibt die Zerrissenheit der Identität, der Südtirol ausgesetzt ist, zwischen die Zeilen. Ich kann sie greifen. 

Trina muss fliehen. Alles zurücklassen. In den Bergen findet sie Unterschlupf, doch dem Grauen kann sie nicht entgehen. Als ob das nicht genug wäre, stehen sie und ihre Nachbar:innen seit Jahren vor der Angst, dass das kleine Bergdorf geflutet wird, um einem Stausee zu weichen. Für Trina ist weder klar, ob sie nach Hause zurückkehren kann, noch ob ihre Heimat in diesem Fall überhaupt noch existiert.

Wie dieser Teil der Geschichte ausgeht, weiß ich. Ich stehe auf den Ruinen der Häuser, schieße fröhlich Fotos von der Landschaft, meiner Familie. Als ich "Ich bleibe hier" beende, schäme ich mich dafür. Der Reschensee ist ein Gedenkort, dem wir so begegnen sollten. Balzanos Satz "Als wären unter dem Wasser nicht die Wurzeln der alten Lärchen, die Fundamente unserer Häuser, der Platz, auf dem wir uns versammelten." hallt immer noch in mir nach.
 
"Niemand kann verstehen, was sich unter den Dingen verbirgt."



Wenige Tage später besuchen wir einen Bunker, den Mussolini hat bauen lassen, um sich gegen Hitler abzusichern. Ich denke an Trinas Flucht in die Berge. Die Beklemmung, die Balzano mit seiner Sprache, die wunderschön ist, aber auch nicht schöne Emotionen lebendig werden lässt, aufgewirbelt hat, kehrt zurück. Wir haben keine Vorstellung davon wie es sein muss jeden Tag um das eigene Leben, das unserer liebsten zu bangen. Den Bunker, in dem Musik aus den 30er/40er Jahren gespielt wird, werde ich genau so wenig vergessen wie Trinas Geschichte. 


Buchinfo:

Diogenes (2020)
288 Seiten
Hardcover Leinen mit Schutzumschlag
22,00 €


Rezension & Fotos: ©2021, Nanni Eppner


18.10.21

Die 7 Schlüssel der Resilienz. Akzeptanz


 

"Es geht im Leben nicht darum, gute Karten zu haben, sondern mit einem schlechten Blatt ein gutes Spiel zu machen."
(Robert Louis Stevenson)

Es läuft leider nicht immer alles gut. Es geschehen Unglücke, Rückschläge und Enttäuschungen. Widrigkeiten gehören zum Leben dazu. Das muss nicht schön geredet werden, wird von resilienten Menschen aber als das akzeptiert, was es ist: eine Krise.

Auch die Fähigkeit, Dinge zu akzeptieren, kann trainiert werden. Dieser Prozess braucht jedoch ZEIT und erfordert Geduld.

Akzeptanz bedeutet, Situationen auf die ich persönlich keinen Einfluss nehmen kann, als unveränderlich hinzunehmen und sie abzuhaken. Keine Energien für Schuldsuche, Auflehnung oder Verleugnung zu verschwenden. Krisen können als Chance für etwas Neues angesehen werden. "Schließt sich eine Tür, öffnet sich woanders eine Neue." Bedeutet aber nicht, dass ich mich über geschlossene Türen freuen muss. Der Prozess der Trauer, des annehmens einer Veränderung als Auslöser für ein negatives Gefühl, ist ebenso wichtig, wie das darauffolgende nach vorne blicken.

Zur Akzeptanz im Sinne der Resilienz gehört auch, das Leben als dynamischen Prozess anzuerkennen. Flexibel zu sein und nicht in der Vergangenheit zu verharren oder über längere Zeiträume nachzutrauern.

Einen weiteren wichtigen Aspekt stellt die Selbstakzeptanz mit hoher Fehlertoleranz dar. Resilienz bedeutet Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Dadurch können Angst, Ärger oder Wut verringert und eine Verschiebung des Fokus' auf Neues angekurbelt werden. 

Kannst du Veränderungen akzeptieren oder fällt es dir eher schwer? Hast du ein recht gutes Selbstbild inklusive deiner Stärken und Schwächen oder lenkst du den Fokus gern von dir weg?

15.10.21

[Waldrauschen] Stress, Stress, Streeeess!




Im Urlaub ist mir eins so richtig klar geworden: ich bin extrem gestresst. Seit Wochen, seit Monaten, vielleicht sogar schon seit Jahren.

Ich dachte immer, dass mir das nicht passieren wird, denn 
1. bin ich vom Grundtyp eher entspannt und sehe herausfordernde Situationen als Herausforderung und nicht als Problem,
2. weiß ich doch was Stress ist und was ich dagegen tun kann und
3. habe ich doch ein schönes Leben. Was soll mich da schon stressen?

Pustekuchen. Zum einen glaube ich, dass sich bei mir einige Dinge angestaut haben, die nachhaltig zu Stress führen und zum anderen habe ich die Warnsignale meines Körpers nicht erkannt oder schlichtweg ignoriert. Spätestens seit dem "No mess with Stress" - Bootcamp von Ulrike Bossmann weiß ich, dass ich einige Stressanzeiger (gewollt oder ungewollt) übersehen habe.

Im Urlaub wollte ich entspannen, aber erstmal ging das gar nicht so richtig. Mein Körper sagte:"Entspannung? Was'n das?" Zum Glück kenne ich einige Strategien, die ich zur Entspannung anwenden kann, die dann auch recht zügig griffen. Ich fühlte mich so anders, als Zuhause und konnte mich auch endlich mal wieder mit tieferen Gedanken beschäftigen, mich mehr auf meine Familie einlassen und vor allem mehr auf mich selbst. Ich kümmerte mich wirklich gut um mich und das war so schön, dass ich das unbedingt auch nach dem Urlaub so haben möchte. 

Natürlich ist es einfacher, wenn ich meinen Tag frei gestalten kann und nicht auf die Uhr schauen muss, wann der Kindergarten losgeht und wann ich mit dem kochen fertig sein muss, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Aber viele der angewandten Strategien oder auch Abläufe oder schönen Dinge kann ich auch in den Alltag integrieren. 

Im Urlaub schrieb ich z.B. meine Morgenseiten auf dem Balkon. Das war so schön. Und siehe da: unser Haus hat tatsächlich auch einen Balkon, auf dem aber kein Tisch steht und den ich seit Jahren nicht mehr zum Schreiben oder arbeiten nutze. Das war mit das erste, das ich nach dem Urlaub änderte. Die Sonne scheint jetzt nicht mehr so schön in mein Gesicht und der Blick in die Berge fehlt auch, aber allein die 20 Minuten an der frischen Luft tun mir unglaublich gut.

Kennst du dein aktuelles Stresslevel? Weißt du, wie du es erkennst? Weißt du, was dich stresst? Hast du schon gute Strategien, die dir helfen deinen Stresspegel zu senken? Möchtest du gerne mehr darüber erfahren?

13.10.21

Ich dachte schon, du fragst mich nie | Gabriella Engelmann



 

Kann das Chaos noch ein bisschen größer werden?, fragt Sophie Hartmann sich. Tochter Pauli leidet am ersten Liebeskummer, Schwester Geli an notorischem Hang zu falschen Männern und dann bricht sich Tochter Liv ausgerechnet kurz vor Eröffnung des gemeinsamen Restaurants die Hand. Dummerweise ist Sophie in der Küche ein Totalausfall, selbst mit ihrem Wahlspruch „Familie ist das Allerwichtigste“ stößt sie hier an ihre Grenzen. Zum Glück beweist das Schicksal Sinn für Humor und schickt Hilfe von unerwarteter Stelle. Doch während sich in Sophies Umfeld alles zum Besten wendet, muss sie selbst erkennen, dass sie ihre eigenen Wünsche und Ziele viel zu lange begraben hat ...
(Text & Cover: Droemer Knaur; Foto: N. Eppner)

Wie alle Romane von Gabrielle Engelmann ist auch "Ich dachte schon, du fragst mich nie" wie ein Ausflug in einen Urlaub, der entspannte Stunden bietet, in denen wir unsere Batterien wieder aufladen können. Urlaubsort ist diesmal Mallorca. Nicht das trubelige, durchgeknallte Mallorca, das wir aus dem Fernsehen kennen, sondern der romantische und landschaftlich schöne Teil der Insel, der mit Geschichte und Atmosphäre punktet.

Doch erst einmal beginnt die Geschichte mit Turbulenzen in Deutschland. Liv möchte sich einen großen Traum erfüllen und ein eigenes Restaurant eröffnen. Doch dann bricht sie sich die Hand und kann nicht mehr kochen. Ihre Mutter Sophie muss einspringen und das, obwohl Sophie die absolute Kochniete ist. Zumindest kocht sie schon lange nicht mehr. Seit damals.

Livs Hilfskraft ist unzuverlässig und der Rest der Familie nicht ganz unproblematisch. Aber liebenswert mit all den Macken und kleinen Spleens. Trotzdem ist es an Sophie alles irgendwie zu retten. Wie der Sternekoch da plötzlich in die Küche gerät, seine Unterstützung anbietet und dann doch wieder verschwindet und irgendwie ein Stück ihres Herzens mitnimmt, kann Sophie sich nicht so recht erklären.

Mit viel Humor und einigen Stolperfallen für ihre sympathischen Protagonist:innen, ist Gabrielle Engelmann wieder ein unterhaltsamer und herzlicher Roman gelungen, der für Leseglück sorgt. Für mich nicht ganz so stark wie mein Lieblingsbuch der Autorin, aber perfekt für einen Tag am Strand, im Garten oder eingekuschelt unter der Decke, um ein bisschen Sommer zurückzuholen und mit lauten Lachern für gemütliche Wohlfühlzeit zu sorgen.

Buchinfo:

Taschenbuch 10,99 €
320 Seiten


Rezensionen: 2021, Nanni Eppner


11.10.21

Die 7 Schlüssel der Resilienz. Netzwerk / Beziehungen gestalten

 



Vertrauensvolle, stabile Bindungen sind die Grundlage für eine starke Resilienz. Die gute Nachricht ist: sie muss nicht zwangsläufig zu den Eltern stattfinden. Natürlich sind diese in den ersten Jahren der engste Kontakt für Kinder. Aber eben nicht nur. 

"Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf" (afrik. Sprichwort), das aus Tanten und Verwandten, aber auch aus guten Freund:innen, Nachbar:innen oder Adoptivgroßeltern bestehen kann. 

Im Erwachsenenalter sind es meist nicht mehr so viele enge Bindungen, dafür welche, die wirklich fest sind und oft schon über einen langen Zeitraum Bestand haben. 

Ich finde es wichtig zu wissen, dass du die Möglichkeit hast eine gute Resilienz aufbauen zu können, auch wenn du keine so glückliche Kindheit hattest. Natürlich spielen da viele Faktoren zusammen und manchmal geht dem ganzen eine Psychotherapeutische (o.ä) Behandlung voran, aber du bist nicht von deinen Eltern abhängig.

Dein Netzwerk kannst du dir aktiv selbst gestalten. Wie gut dass funktioniert basiert auch darauf, ob du um Hilfe bitten kannst und auch bereit bist solche anzubieten. Eine Beziehung auf Augenhöhe, egal ob zwischen Freund:innen oder Partner:innen. Oder eben verlässliche Nachbarn auf die du immer zählen kannst und denen du auch mal den Hundversorgst, wenn sie im Urlaub sind.

Aus wem dein Netzwerk besteht ist im Grunde völlig gleich. Wichtig ist, dass es eine sichere Bindung ist in dem Maß, in dem ihr euch nahe steht, und dass die Beziehung auf Augenhöhe stattfindet, also ein ausgewogenes Verhältnis von geben und nehmen.

Für Eltern ist es trotzdem erstrebenswert einen Grundstein an Resilienz zu legen und zu einem sicheren und zuverlässigen Hafen für das Kind zu werden. Auch hier ist es wichtig eine ausgewogene Mischung aus Unterstützung und Selbstständigkeit zu finden. 

"Beziehungen von Mensch zu Mensch. Wo diese funktionieren, funktioniert auch die Entwicklung." ("Wie Kinder heute wachsen", H. Renz-Polster & G. Hüther, BELTZ, 2013)

Du möchtest mehr Infos zum Thema oder bist unsicher was dein eigenes Netzwerk oder das deiner Kinder betrifft? Schreib mir doch eine Nachricht: nanni.eppner@gmx.de 

10.10.21

[Waldrauschen] Zitat


 


"Die Welt ist voll von magischen Dingen, die darauf warten, dass unsere Sinne schärfer werden."
Eden Philpotts

08.10.21

[Lustig ist das Räuberleben] Gartenpläne vs. Gartenrealität


In diesem Frühjahr hatte ich den Vorsatz meinen Nutzgarten ausgiebig zu bestücken. Ich bestellte fleißig Samen, pflanze sie auf der Fensterbank und warf sie 3 Wochen später vertrocknet in den Müll. Dann kaufte ich kleine Pflänzchen, neue Obststräucher, (viel zu viele) Setzkartoffeln und ein Gartenbuch. Darin las ich halbherzig, pflanzte zwischen Tür und Angel die Pflänzchen und suchte vermeintlich geeignete Standorte für die Obststräucher. 

Dann ging 2021 seinen Weg, der für mich viele positive Veränderungen und Erfahrungen mitbrachte. Aber es kostete mich auch unerwartet viel Zeit und Energie, von der eigentlich ein Teil dem Garten zugedacht war. Der dümpelte so vor sich hin. Alles, was wuchs, wurde von Schnecken gefressen, was sie nicht fraßen wird landläufig Unkraut genannt. Unsere klägliche Ernte bestand in diesem Jahr aus relativ wenigen (aber leckeren) Kartoffeln und drei Handvoll Erbsen. Einzig die Früchte der Johannisbeersträucher vermehrten sich im Vergleich zum letzten Jahr und ein Brombeerstrauch kämpfte sich mit seinen Früchten durch. 

Im Urlaub merkte ich wie sehr ich mich doch entschleunigen und einige Dinge, die mich viel Kraft kosten runterschrauben, und dafür mehr Zeit in das investieren sollte, das mir Energie gibt. Dazu gehört auf jeden Fall der Garten. 

Also schmiede ich wieder Pläne. Möchte diesmal etwas strukturierter vorgehen. Ich schaue was jetzt im Herbst erledigt werden sollte, um besser ins neue Jahr zu starten. Auf meine Liste kommen alle Notizen und Gedanken, die mir so zufliegen. Diese werden dann priorisiert. Z. B werde ich direkt nach dem Urlaub Frühblüher bestellen. Die kommen dann in die Erde, bevor der Frost kommt. Die Nutzbeete müssen noch komplett geleert werden und frische Erde muss auch drauf. Aber - und das ist für mich das wichtigste - eins nach dem anderen. In machbaren Schritten. 

Hast du einen Garten? Draußen, drinnen, auf dem Balkon? Welche Erfahrungen hast du in diesem / in den letzten Jahren diesbezüglich gemacht? Welche Tools zur Planung und welche Werkzeuge zur Ausführung sind für dich unverzichtbar? 


 

06.10.21

Rule of Wolves | Leigh Bardugo (Übersetzung: Michelle Gyo)

 


Der schicksalhafte Kampf um den Zarenthron von Ravka steuert unaufhaltsam auf eine Entscheidung zu: Wird ein Krieg, den niemand gewinnen kann, eine ganze Welt in Asche versinken lassen?
Während der junge König Nikolai Lantsov – auch mithilfe des Monsters in seinem Inneren – alles versucht, um Ravka vor dem Schlimmsten zu bewahren, hadert Zoya Nazyalensky, die Sturmhexe, mit ihrem Schicksal: Nach allem, was sie im Krieg bereits verloren hat, verlangt nun die Pflicht von ihr, dass sie ihre Kräfte nutzt, um die Waffe zu werden, die ihr Land braucht. Koste es, was es wolle …
Zur selben Zeit riskiert die Grisha Nina Zenik als Spionin im feindlichen Fjerda mehr als nur ihr Leben: Ihr unbändiger Wunsch nach Rache könnte Ravkas Schicksal endgültig besiegeln – und Nina die Chance nehmen, ihr trauerndes Herz zu heilen …
(Text & Cover: © Droemer Knaur; Foto: © N. Eppner)

Das Grishaverse ist wie eine Sucht. Schon nach wenigen Seiten mit den altbekannten Figuren, bin ich wieder völlig gefesselt. Von der Schreibe der Autorin, von der düsteren Atmosphäre, von Nikolai und Zoya, meinen absoluten Lieblingen aller Grishacharaktere. 

"Rule of Wolves" schließt fast nahtlos an "King of Scars" an. Zur Wiederauffrischung des Inhalts las ich eine Zusammenfassung, die eine Freundin im Internet fand, denn Bardugo inszeniert so viele Details, die ich mir leider nicht alle gut merken kann. Aber genau das macht ihre Schreibe so großartig. Sie spinnt viele Fäden. Große, wie kleine und irgendwo laufen sie zusammen. So ist es auch mit den Büchern aus dem Grishaverse. Je mehr es davon gibt, desto kompletter fühlen sie sich an. Desto runder werden sie und deshalb ist "Rule of Wolves" für mich noch ein bisschen perfekter, als "King of Scars".

Obwohl Bardugo schon so viele Fäden für "Rule of Wolves" in ihren anderen Titeln gesponnen hat, gibt es viele überraschende Handlungen. Die Spannung steigt teilweise ins Unermessliche. Ich mache mir Sorgen um meine Lieblingsfiguren. Bardugo ist nicht zimperlich und sowohl Nikolai Lantsov, als auch andere Figuren aus dem Grishaverse, leben von der Dramatik, die sie umgibt. 

Ich glaube es fällt mir kaum eine Rezension so schwer wie die der Grishabücher. Jede einzelne ist eine Herausforderung für mich. Wie soll ich mit meinen Worten die Genialität von Bardugos schriftstellerischen Fähigkeiten wiedergeben? Wie soll ich das in Worte fassen, was ihre Worte bei mir auslösen? All die Emotionen, die von der großartigen und schier einzigartigen Atmosphäre untermalt werden und so ein komplexes, absolut verehrenswertes Werk ergeben.

"Rule of Wolves" ist absolut lesenswert. Es ist der Folgeband von "King of Scars" und chronologisch nach den Grishabüchern um Alina Starkov angesiedelt. Die sind meiner Meinung nach nicht ganz so stark wie die Romane über Nikolai oder die der Krähen, aber unbedingt zu lesen, wenn ihr dieses runde Gefühl haben möchte, dass vom Spinnennetz des Grishaverse ausgeht. Und ich kann versprechen, wenn es dich einmal gefangen genommen hat, kommst du nicht mehr davon los.


Buchinfo:

576 Seiten
Paperback 16,99 €

Reiheninfo:


1. Das Lied der Krähen

2. Rule of Wolves



Rezensionen: ©2021, Nanni Eppner

05.10.21

Die 7 Schlüssel der Resilienz. Lösungsorientiert

 



Lösungsorientiertes Denken und Handeln setzt den Fokus auf die Lösung und orientiert sich nicht permanent am Problem. Lösungen werden als Teil des Problems gesehen. Dadurch ist das Problem nicht mehr der unüberwindbare Berg, sondern ein Weg, den wir mit Hilfe von Erfahrungen und Ressourcen beschreiten können.

Chancen werden wahrgenommen, Möglichkeiten gesehen, Alternativen gesucht. Das können verdrängte oder übersehene Lösungen sein oder auch neu konzipierte.

Lösungsorientiert Denken bedeutet flexibel sein beim Denken und Handlungsmuster unzustrukturieren oder neu zu definieren (du erinnerst dich vielleicht an die Antreiber / Glaubenssätze). Umswitchen zu können, statt einer Starre zu erliegen.

Wer Lösungsorientiert denkt, legt den Fokus auf das Ziel und bekommt allein dadurch neue mentale Energie.

Lösungsorientiertes Denken ist eine Schlüssel der Resilienz und wie die anderen Säulen auch, ist es trainierbar und natürlich umfangreicher, als hier in wenigen Sätzen dargestellt.

Falls dir das Kreisen um Probleme bekannt vorkommt oder du gerade bei einem bestimmten Thema so sehr verkopfst, dass du dir Hilfe wünschst, schreib mich gerne an: nanni.eppner@gmx.de